Multimedia im Bestand

Digitales Fernsehen bietet eine Vielzahl neuer HD-Programme, internationale Sender und eine wesentlich verbesserte Ton­qualität. Wohnungswirtschaftliche Unternehmen erkennen die Vorteile der alternativen Medienversorgung für sich und wenden sich vom traditionellen – oft noch analogen – Kabelfernsehen ab.

Für die große Mehrheit der Deutschen ist Fernsehen wesentlicher Alltags-Bestandteil. Mit durchschnittlich über vier Stunden TV-Nutzung am Tag wurde im Jahr 2011 so viel fern gesehen, wie nie zuvor. Wie wichtig den Deutschen das Fernsehen ist, machen auch die Rekordumsätze bei Flachbildfernsehern deutlich. Über 9 Mio. ver­kaufte Geräte im vergangenen Jahr (Quelle: GFK Retail & Technology) beweisen, dass neue technische Standards (z.B. HDTV) im Medien­bereich angenommen werden und sogar gewünscht sind. Wohnungs­unternehmen sollten deshalb darauf achten, technisch nicht in den Rückstand zu geraten. Neben der Lage gewinnen nämlich die Faktoren Multimediaversorgung und Mieterserviceszunehmend an Bedeutung. Fernsehen, Internet und Smart-Home-Anwendungen sind lediglich Vorboten einer stetig wachsenden Anzahl von Dienstleistungen rund um das Wohnen. All diese Services lassen sich nur über eine zukunftstaugliche Infrastruktur realisieren, die jedoch in der Mehrzahl der Bestände der Wohnungswirtschaft fehlt. Die Sanierung der Hausnetze ist außerdem in der Regel mit enormen Investitionen verbunden, die sich viele Wohnungsunternehmen nicht leisten können oder wollen. Im Zuge einer Umrüstung der Fernsehversorgung, weg vom klassischen Kabelfernsehen hin zu einer optischen Satellitentechniklösung, können die Hausnetzsanierungen als Bestandteil der monatlichen TV-Gebühren über die Mietnebenkosten umgelegt und abgerechnet werden.

Eine neue Vielfalt für Mieter

Eigentümer von Einfamilienhäusern kaufen im Normalfall ihre eigene Satellitenanlage, installieren diese auf dem Dach und haben damit Zugriff auf alle gewünschten Fernsehprogramme inkl. aller HD-Sender . Bei Bestandswohnungen der Wohnungswirtschaft sah bzw. sieht das Fernsehbild bislang häufig anders aus. In der gewerblichen Wohnungswirtschaft ist nach wie vor das Kabelfernsehen – oftmals sogar noch analog – die häufigste Versorgungsform. Seit dem Siegeszug der Glasfaser gibt es die Möglichkeit, auch großen Wohnanlagen die Vorzüge des Satellitenfernsehens bereitzustellen. Das bedeutet beste Bild- und Tonqualität und mehr Programme bei geringeren Kosten. Über nur eine 90 cm große Satellitenschüssel lassen sich gleich mehrere Tausend Wohneinheiten versorgen. Jeder Mieter erhält seine gewünschte Fernsehversorgung; HD-­Programme, internationale Sender und Pay-TV-Angebote über Glasfaserverbindung. ­Private Schüsseln werden freiwillig abmontiert, der Wohnwert steigt.

 

Die Technik

Bei der TV-Versorgung in Deutschland unterscheidet man zwischen vier Netzebenen. Auf der Netzebene (NE) 1 sind die Sendeanstalten, die die Programme bereitstellen. Als NE 2 bezeichnet man die Verteiler der Programme (Kopfstellenempfang der Kabelnetzbetreiber, Satellitentransponder). Unter die NE 3 fallen die Kabelverteilnetze bis zum Gebäude. Im Zuge der Breitbandoffensive der Bundesregierung sollen diese Netze der NE 3 bundesweit modernisiert werden. Während diese Modernisierung in Ballungsräumen bereits realisiert wurde, verläuft der Prozess im ländlichen Raum eher schleppend. Die Ursache liegt in den enormen Investitionskosten, die langläufig auf ca. 800 Mrd. € geschätzt werden. Doch was nützt eigentlich eine hochmoderne NE 3, wenn die Signale auf alte Baumnetze in den Wohngebäuden (die NE 4) mit unzureichenden Bandbreiten treffen?

In so einem Fall bringt den Mietern die modernste Verkabelung der Netzebene 3 nichts, bei ihnen kommen die Signale trotzdem in verminderter Qualität mit Störungen im Wohnzimmer an. Bei der Umrüstung auf eine Glasfaser-Satellitenlösung werden auch die letzten Meter bis in die Wohnzimmer auf einen modernen Sternverkabelungs-Standard mit Bandbreitenreserve gebracht. Die Verbindungen zwischen den Wohnhäusern werden mit mehradrigem Glasfaserkabel verlegt.

 

Die Umrüstung

Zuerst werden die Anforderungen an die zukünftige TV-Versorgung und die Hausnetze definiert. Dabei werden die Mieterstrukturen (Herkunft, Altersstruktur usw.) und die bisherige Versorgung berücksichtigt und ein partnerschaftlich angelegter Rahmenvertrag geschlossen. „Betriebswirtschaftlich gesehen gibt es keine Alternative zu einer Vollversorgung aller Mieter inklusive internationaler Heimatprogramme“, erklärt Wolfgang Jäger, geschäftsführender Gesellschafter der BIG Medienversorgung GmbH. In diesem Premium­-Vertrag sind alle deutschen und internationalen Programme standardmäßig in jeder Wohnung für jeden Mieter verfügbar. Die Versorgung erfolgt über einzelne Satelliten-Gemeinschaftsanlagen, die farblich neutral an die Gebäude angepasst werden. Über Großclusterverteilungen (Objektverbindungen) gelangen die Signale über Glasfasernetze in alle Häuser. Alte Baumverkabelungen werden durch zeitgemäße Sternnetze ersetzt. So ist jede Wohnung separat adressierbar, Störungen untereinander können ausgeschlossen werden. Die Bauleistungen bzw. die Umrüstungen der Bestände in Altena, Singen und Dormagen enden jedoch nicht in der Hausverteilung. Die Mieter profitieren von einemVor-Ort-Installationsservice, der die Aufstellung, Installation und Einweisung des Receivers nebst weiteren Endgeräten beinhaltet. „Bislang haben wir die Erfahrung gemacht“, erklärt Jäger, „dass die Mieter nach der Umrüstung ihre privaten Satellitenanlagen freiwillig abbauen, da eine private Parabolantenne nach erfolgter Umrüstung keinerlei Mehrwert bietet und die Mieter sich an schüsselfreien Fassaden und Balkonen erfreuen.“

 

Offene Netze für den Gesamtbestand

Beschäftigt man sich aus strategischer oder auch betriebswirtschaftlicher Sicht mit der heutigen und zukünftigen Bedeutung von Gebäudeinfrastrukturen/Hausnetzen, so sind offene Netze und freie Bandbreite für Zusatzdienste eine zwingende Voraussetzung für die Zukunftstauglichkeit von Wohnungs­beständen. Für viele Wohnungsbaugesell- bzw. genossenschaften wie z.B. in Altena, Singen und Dormagen ist die eigene Glas­faserader mit 6 000 MHz Bandbreite (bereits im laufenden Vertrag) ein Schlüsselargument. Diese eigene Bandbreite kann kostenfrei entweder für eigene Dienste genutzt werden oder kann an andere Dienste-Anbieter vermietet werden. Für die Wohnungsunternehmen entfallen außerdem Investitionskosten und dazugehöriger Bauaufwand für etwaig parallel zu errichtende Netzstrukturen, da die Bandbreitenreserven nahezu unerschöpflich sind.

Die Kombination aus modernster Satelliten- und Glasfasertechnik ermöglicht es, über nur eine ­Außenanlage ganze Wohngebiete mit den ­gewünschten Programmen zu versorgen.

Jede Wohnung ist ­separat ­adressierbar, Störungen ­untereinander können ­ausgeschlossen werden.

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