Vorfertigung

Mit Modulbauweise keine Zeit verlieren

Um keine wertvolle Zeit zu verlieren, setzte der Oberbergische Kreis bei der Erweiterung einer Akademie für Gesundheitsberufe auf Modulbauweise. Von der Gründung bis zur Fertigstellung des Viergeschossers betrug die Bauzeit nur rund neun Monate.

Deutschland braucht mehr Pflegekräfte – und das nicht erst seit der Corona-Krise! Unabhängig von der derzeitigen Situation prognostizierte eine Trendstudie des Deutschen Krankenhausinstituts bereits 2019 einen Personalmehrbedarf bis zum Jahr 2030 von 23 bis 26 Prozent in den drei Pflegebereichen Krankenhaus sowie stationäre und ambulante Pflege. Grund dafür sind die demografische Entwicklung hin zu mehr älteren, dementiell veränderten und multimorbiden Patienten, aber auch neue Personalvorgaben aus der Politik wie höhere Personalschlüssel, Personaluntergrenzen und Fachkraftquoten.

Dazu kommt die Neuordnung der Ausbildung in der Pflege, bei der die Berufsbilder Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger zum Pflegefachmann zusammengeführt wurden. Vor diesem Hintergrund eine verbesserte Personalausstattung zu gewährleisten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die Träger von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, darunter auch Städte und Kommunen. Und für die diversen Träger der Pflegeschulen, die entsprechende Bildungsangebote bereitstellen müssen.

Moderner Bildungsbau

Bauherr der neuen Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren in Gummersbach ist der Oberbergische Kreis, der den Neubau für die eigenbetriebsähnliche Einrichtung AGewiS in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bestandsgebäude an der Steinmüller-Allee errichtet hat.

Mit 3.700 qm Bruttogeschossfläche und Platz für 400 Schüler und Schülerinnen stellt der neue Bildungsbau einen wichtigen Meilenstein für die Nachwuchssicherung dar. Unterschiedlichste Fort- und Weiterbildungen unter anderem für das Gesundheits- und Pflegemanagement, die Pflegepädagogik und Palliative Care werden hier künftig stattfinden. Außerdem wird es umfassende Angebote für den Rettungsdienst und die Notfallmedizin geben.

Für Peter Orthen, Geschäftsführer der ALHO Systembau GmbH im nur rund 30 km von Gummersbach entfernten Friesenhagen, ist die neue Pflegeschule ein ganz besonderes Projekt: „Uns freut es sehr, als europaweit agierendes Modulbauunternehmen direkt hier in der Heimat unser Können unter Beweis zu stellen und das exponierte Steinmüller-Gelände architektonisch mitgestalten zu dürfen.“ Aus der einstigen Industriebrache ist längst ein wichtiger Teil der Gummersbacher Innenstadt geworden – mit diversen Bürobauten, dem Campus Gummersbach der TU Köln, Läden, vielseitigen gastronomischen Einrichtungen und einem großen Kinokomplex. Inmitten dieser Infrastruktur trägt auch die neue Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren zum guten Lebensgefühl in der „neuen Mitte“ bei.

„Mit dem viergeschossigen Erweiterungsbau, der ab Beginn der Arbeiten auf der fertiggestellten Bodenplatte innerhalb von nur fünf Monaten fertiggestellt wurde, hat der Oberbergische Kreis die Voraussetzung geschaffen, um den steigenden Bedarfen der Aus-, Fort- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen gerecht zu werden“, ergänzt Kreisdirektor und Betriebsleiter Klaus Grootens und betont: „Mit der Qualifizierung und Bindung von hier ausgebildetem Fachpersonal leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung in der Region. Ich bin beeindruckt von der Qualität des Gebäudes und mir sicher, dass Lernende und Lehrende hier optimale Bedingungen vorfinden“.

Lösungen für außergewöhnliche Architektur

Der modulare Neubau ist nicht das erste Modulgebäude, das der Oberbergische Kreis zusammen mit ALHO realisierte: Bereits 2010 entstand in der nordrhein-westfälischen Marktstadt Waldbröl das modular errichtete Berufskolleg Oberberg. Nach den guten Erfahrungen mit dem Bauen aus einer Hand, zu Festpreis und Fixtermin wollten die Bauherren gerne wieder in Modulbauweise investieren. Erfreut nahm man daher zur Kenntnis, dass sich bei der europaweiten Ausschreibung um die neue Akademie ALHO erneut als bester und günstigster Anbieter profilieren konnte. Nach Auftragsvergabe wurde der Gebäudeentwurf von Susanne Nefzger – Architektin in der Abteilung Hochbau und Bauinstandhaltung des Oberbergischen Kreises – vom ALHO-Planungsteam in ein Modulbauraster gegliedert und die Werkplanung erstellt.

72 Raummodule aus Stahl wurden im Werk in Morsbach präzise und unter strengen Qualitätskontrollen produziert und fanden mit einem hohen Vorfertigungsgrad von 70 Prozent ihren Weg auf die Baustelle. Drei Wochen dauerte die Modulmontage, danach folgte der hochwertige Innenausbau.

Ein paar knifflige Details galt es bei der Planung dennoch zu meistern – die Stützenfreiheit im über 100 qm großen Veranstaltungssaal zum Beispiel, für dessen einwandfreie Statik ALHO eine clevere Aufhängung an den Modulen des darüber liegenden Geschosses konzipierte. Auch für die Konstruktion der zwei Geschosse übergreifenden Eingangshalle mussten Sondermodule entwickelt und hergestellt werden. Doch auch als Modulbauspezialist mit über 50 Jahren Erfahrung wächst man mit seinen Aufgaben – denen sich ALHO gerne stellt: Besondere Architektur erfordert eben auch außergewöhnliche Lösungen.

Anspruchsvolles Raumprogramm

Auszubildende, die aktuell die Altenpflege-, die neue generalistische Pflegeausbildung oder die Ausbildung zum Notfall- bzw. Rettungssanitäter absolvieren, finden mit der neuen Akademie eine fortschrittliche Bildungseinrichtung vor: Der rund 65 Meter lange und 15 Meter breite Gebäuderiegel wird an einer Schmalseite über ein in das Gebäudevolumen eingeschnittenen, wettergeschützten Vorplatz erschlossen. Die zweigeschossige, repräsentative Eingangshalle erhält über eine hochwertige Pfosten-Riegel-Glasfassade viel Tageslicht und hat über eine Galerie Sichtbezug ins erste Obergeschoss. Insgesamt 19 Seminarräume, zwei Fachpraxisräume, ein großer stützenfreier Veranstaltungssaal sowie fünf Besprechungsräume, 13 Büros, ein Konferenzraum, eine Bibliothek und ein Archiv verteilen sich auf den vier Etagen. Eine Küche, sanitäre Anlagen, Lager und Technikräume ergänzen das vielseitige Raumprogramm. Über eine gläserne Aufzugsanlage und zwei Treppenhäuser mit eigenen Außenzugängen werden die Geschosse barrierefrei erreicht und verteilt sich der Personenstrom.

Historische Gestaltungsdetails neu interpretiert

Für die gestalterische Qualität von Entwurf und Innendesign zeichnet das Baudezernat des Oberbergischen Kreises verantwortlich: Die Gebäudehülle wurde gestalterisch an die Industriekultur des historischen Steinmüller-Geländes angepasst. Mit der weißen Putzfassade und dem schwarzen Sockel aus Riemchenklinker wurden zudem die im Bergischen Land traditionellen Fassadenfarben Schwarz und Weiß aufgegriffen. Farbige Felder in den liegenden Fensterbändern setzen Akzente.

Auch im Gebäudeinneren wurde viel Wert auf hochwertige Gestaltung mit Qualitätsmaterialien gelegt. So sind die Böden teilweise als Hochkant-Lamellen-Parkett ausgeführt, mit feinen Steinzeugfliesen, robusten Kugelgarn-Teppichböden oder pflegeleichtem Linoleum belegt. Kreativ ist auch die Gestaltung der Wände, an denen in den Fluren Zitate berühmter Persönlichkeiten zu lesen sind. Etwa von John F. Kennedy: „Es gibt nur eine Sache auf der Welt, die teurer ist als Bildung: Keine Bildung!“

Wobei wir zum Schluss dann doch noch beim Geld landen und – in Zeiten stetig steigender Baukosten und sich verteuernden Neubauten – bei einer sehr erfreulichen Meldung: Das Akademiegebäude konnte mit 8,4 Mio. Euro Baukosten die anfangs angesetzten 10 Mio.  Euro um mehr als eine Million unterschreiten. Auch das ist möglich mit einem stimmigen Entwurf und der passenden Planung in moderner Modulbauweise.

Nach den guten Erfahrungen mit dem Bauen aus einer Hand, zu Festpreis und Fixtermin wollten die Bauherren gerne wieder in Modulbauweise investieren.

Das Akademiegebäude konnte mit 8,4 Millionen Euro Baukosten die anfangs angesetzten 10 Millionen Euro um mehr als eine Million unterschreiten.

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