Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

Liebe Leserinnen und Leser,

„Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt.“ So sang es in den 1980ern Jahren die aus Bochum stammende Gruppe „Geier Sturzflug“ als Teil der Neuen Deutschen Welle. Das Lied war ein Hit – und beschreibt die momentane Lage am deutschen Wohnungsmarkt wohl am besten. Denn 2013 sind erneut deutlich mehr Wohnungen genehmigt worden als im Jahr zuvor. Mit rund 270000 Einheiten steigerte sich die Zahl das dritte Jahr in Folge und erreichte ein Zehnjahreshoch, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Kein Wunder also, wenn beispielsweise die Augsburger Allgemeine titelt: „Die Deutschen bauen wie verrückt“. Auch wenn Höchststände wie aus dem Jahr 1994, als mehr als 712000 Wohnungen genehmigt wurden, noch in weiter Ferne sind.

Vor allem Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen werden gebaut. Grund für den Bauboom sind laut Experten die historisch niedrigen Zinsen, die gute Lage am Arbeitsmarkt, die Zuwanderung und die Hoffnung auf weiter steigende Immobilienpreise.

Dem Deutschen Mieterbund fehlen aber weiterhin Investitionen in erschwingliche Wohnungen. Es werde vor allem im sehr hochwertigen Segment gebaut, heißt es, was die Ba­­dische Zeitung zu folgender Schlagzeile hin­­reißen ließ: „Neue Wohnungen vor allem für ­­die Reichen“.

In das gleiche Horn stößt auch der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Für Präsident Axel Gedaschko sind die erneut gestiegenen Baugenehmigungen zwar „ein positive Signal“. Der begrüßenswerte Neubau löse indes die Probleme von Normalverdienern oder gar einkommensschwachen Haushalten kaum. So besteht für Gedaschko „speziell in Ballungsräumen ein akuter Nachholbedarf bei bezahlbarem Wohnraum“.

Auch der Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Walter Rasch sieht „noch viel Luft nach oben“. Der Trend bei den Baugenehmigungszahlen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass wir in Deutschland beim Wohnungsneubau noch weit hinter dem Soll liegen“.

Insbesondere die Kostenseite bei Neubauvorhaben treibt Rasch die Sorgenfalten auf die Stirn. „Steigende Grundstückspreise und Baukosten, die Verschärfungen der Energieeinsparverordnung, die hohen behördlichen Auflagen bei der Vergabe von Baugenehmigungen und die dadurch langen Planungszeiträume wirken kostentreibend und erschweren die Bedingungen.“

„Bund, Länder und Kommunen müssen nun eng zusammenarbeiten“, fordert GdW-Präsident Gedaschko, „um die politischen Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass der Aufwärtstrend zum einen langfristig anhält und zum anderen alle Einkommensschichten bedient.“

Es wartet also noch viel Arbeit auf die neue Bundesbauministerin.

Herzliche Grüße,

Ihr

Achim Roggendorf

„Die Deutschen bauen wie verrückt“

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2014-10 Mehr Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau

Wohnungsbau: Großstädte verzeichnen starken Zuwachs

Im Jahr 2013 wurde deutschlandweit der Bau von rund 270.400 Wohnungen genehmigt. Das wa­­ren 12,9% oder knapp 30.900 Wohnungen mehr als im Jahr 2012. Einen besonders starken Anstieg der...

mehr

BFW zu sinkenden Baugenehmigungszahlen: Worten müssen endlich Taten folgen!

„Der Rückgang bei den Baugenehmigungszahlen ist ein Warnschuss für die Politik. Durch fortdauerndes Abwarten erreichen wir hier keine Trendwende. Wenn es der Politik wirklich ernst ist mit dem...

mehr
Ausgabe 2014-7-8

Noch wird fleißig gebaut

Liebe Leserinnen und Leser, Genehmigungen zum Bau von Wohnungen bleiben gefragt. Für 63.900 Einheiten gab es zwischen Januar und März 2014 grünes Licht. Das teilt das Statistische Bundesamt mit....

mehr
Ausgabe 2011-05

GdW-Stadtentwicklungskongress Bochumer Erklärung veröffentlicht

Die 2012 drohende Kürzung der Städtebauförderung macht deutlich, dass im politischen Raum kein Konsens über die gesellschaftspolitische und volkswirtschaftliche Be­­­deutung starker Städte...

mehr
Ausgabe 2013-11

„Et kütt wie et kütt“

Liebe Leserinnen und Leser, „Et hätt noch immer joot jejange“,  „Es ist noch immer gut gegangen“, so lautet die Formel für rheinische Ge­lassenheit. Gerne würden die Vertreter der...

mehr