Stadt- und Quartiersentwicklung

Initiative „Händler machen Stadt“

In deutschen Kleinstädten stehen zunehmend Geschäftsräume leer, denn Internet und Einkaufszentren auf der grünen Wiese machen den Einzelhändlern zu schaffen. Eine Initiative gibt Anregungen für Lösungen.

„Händler machen Stadt“ - Was können Einzelhändler für ihre Stadtzentren tun? Dies war Titel und zugleich Motto der gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Handelsverbandes Deutschland (HDE), die im vergangenen Herbst erstmalig durchgeführt wurde. Einzelhändler waren bundesweit aufgerufen, sich mit gemeinschaftlichen Projekten für die Innenstädte zu bewerben. Gesucht waren gute Beispiele und Vorbilder zur Stärkung der Innenstädte. Die Initiative ist eines der zentralen Umsetzungsprojekte des Weißbuchs Innenstadt des Bundes.

Hintergrund und Ziele

Das Handlungsfeld Stadtentwicklung und Handel erfährt durch den Strukturwandel im Einzelhandel eine besondere Dynamik. Tendenzen von Entmischung und Gleichförmigkeit einerseits, Trading-Downprozesse mit Leerständen andererseits stellen in vielen Städten Nutzungsvielfalt als Stärke der traditionellen europäischen Stadt und Qualitätsmerkmal von Innenstadt in Frage. Gleichzeitig steht der innerstädtische Einzelhandel unter Druck. Er muss sich heute nicht nur gegenüber dem Standort Grüne Wiese, sondern auch gegenüber den wachsenden Umsätzen im Onlinehandel behaupten.

Mit der Initiative sollten einerseits das Engagement vor Ort gewürdigt werden, gute Projekte von Einzelhändlergemeinschaften bundesweit bekannt gemacht und für Kooperation für den innerstädtischen Standort geworben werden. Andererseits sollten im Rahmen eines Forschungsprojektes konkrete Informationen über die Arbeit vor Ort gewonnen werden, um einen möglichst fundierten Überblick über die aktuelle Praxis zu be­kommen.

Resonanz und Preisträger

Für die Auszeichnung konnten sich – un­abhängig von ihrer Organisationsform – alle Zusammenschlüsse von Einzelhändlern bewerben, die als Händler-, Gewerbe- oder Werbegemeinschaft an innerstädtischen Standorten aktiv sind. Ausschlaggebend war, dass die Projekte gemeinschaftlich durchgeführt worden waren.

Mit über 160 Einsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet war der Rücklauf erfreulich hoch. Eine Jury wählte fünf Händlerge­meinschaften als Preisträger aus, die am 21. März 2013 beim Handelsimmobilienkongress in Berlin durch den Parlamentarischen Staatssekretär Jan Mücke und Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes (HDE), ausgezeichnet wurden. Auswahlkriterien waren Kreativität und Engagement für gemeinsame Ziele, lokale Verankerung sowie die nachhaltige Wirkung und Einbindung der Projekte in die städtische Entwicklung. Ausgezeichnet wurden die IG Düren City, der Eichwalder Gewerbeverein e.V. 92, der CityO Management e.V. Oberhausen, der City Marketing Passau e.V und der Verein Lebendige Innenstadt Pfaffenhofen a.d. Ilm e.V. Alle Händlergemeinschaften sind auf mehreren Feldern der Standortentwicklung aktiv. Die prämierten Projekte leisten aus Sicht der Jury einen wertvollen Beitrag zur Innenstadtentwicklung.

In Düren führte die Händlergemeinschaft gemeinsam mit dem Innenstadtforum im Jahr 2008 ein 50er Jahre-Fest durch. Da die Stadt stark durch Nachkriegsbebauung geprägt ist, trägt dies aus Sicht der Jury zu einem selbstbewussten Umgang der Stadt mit dem baukulturellen Erbe der Nachkriegsmoderne bei. Bedeutsam ist, dass das Fest eine Vielzahl nachhaltig wirksamer Folgeprojekte und -aktivitäten ausgelöst hat, wie z.B. die Einrichtung eines 50er Jahre-Museums, die Schaffung einer Gestaltungssatzung sowie die Renovierung mehrerer Gebäude.

In Eichwalde, einer kleinen Gemeinde im Einzugsgebiet Berlins, stieß der Gewerbeverein die Umgestaltung des zentralen Marktplatzes an und erbrachte in der Umsetzung einen hohen Anteil an Eigenleistung. Auf dem Platz findet nun zweimal pro Woche Markt statt. Die Ausweitung der Gestaltung auf die umliegenden Räume ist geplant.

Der Oberhausener Verein besteht bereits seit 1934. In den letzten Jahren hat der Verein unter schwierigen Rahmenbedingungen durch Einkaufszentren und Strukturschwäche des Quartiers neue individuelle Projekte auf den Weg gebracht. Der Verein initiierte z.B. einen Gestaltungswettbewerb, in deren Ergebnis eine Beleuchtung ausgewählt wurde, die das ganze Jahr über nutzbar ist.

In Passau erhebt der City Marketing Verein gemeinsam mit der Stadtverwaltung umfassende Daten zu allen Verkaufsflächen. Dadurch werden Veränderungen an zentraler Stelle sichtbar. Die Daten, die inzwischen in ein GIS-gestütztes System eingespeist werden, bilden die wesentliche Grundlage für eine Präventionsstrategie zur Leerstandsbekämpfung in der Innenstadt.

Der Pfaffenhofener Verein ist erst im Jahr 2008 nach der Sanierung des Marktplatzes entstanden. In Kooperation zwischen kommunaler Jugendhilfe und lokalen Unternehmern werden leerstehende Ladenflächen an junge Existenzgründer temporär kostenfrei vergeben. Im Erfolgsfall übernehmen diese das Geschäft dauerhaft zu regulären Mietkonditionen. Die Händler kofinanzieren das Projekt, coachen und qualifizieren die Jungunternehmer.

All diese Projekte haben einen unterschiedlichen Bezug zur Stadtentwicklung: sei es der bewusste Umgang mit der lokalen Baukultur oder die qualitätvolle Gestaltung des öffentlichen Raums; sei es die Leerstandsbekämpfung oder die Initiierung von Zwischennutzungen. Damit leisten sie einen Beitrag zur Stärkung der jeweiligen Innenstadt.

Zwischenfazit –

Stadtentwicklung und Handel

Ein funktionierender Einzelhandel ist – immer im Wechselverhältnis mit den anderen Nutzungen – für attraktive Innenstädte unverzichtbar. Aufgabe des Bundes ist es, die Städte und Gemeinden bei ihren Aufgaben z.B. mit den Programmen der Städtebauförderung, mit denen wichtige Investitionen getätigt werden können, zu unterstützen. Davon profitiert auch der Handel. In einer Erstauswertung der Ergebnisse zeichnet sich ab, dass vielen Händlergemeinschaften vergleichsweise neue Instrumente wie z.B. der Verfügungsfonds noch nicht ausreichend bekannt sind. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig und müssen genauer untersucht werden. Ein Baustein zur besseren Kommunikation und Vermittlung zwischen Stadtentwicklung und Händlerschaft ist die Publikation „Händler machen Stadt – Engagement des Einzelhandels für attraktive Stadtzentren“. Sie enthält u.a. die Ergebnisse des Projekts, weitere Praxisbeispiele und gibt Tipps für eine kooperative Stadtentwicklung. Sie ist per Mail und Download über das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bonn, erhältlich.

:Weitere Informationen unter:

www.haendler-machen-stadt.de

www.bmvbs.de/weissbuch-innenstadt

www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de

Innenstädte sind vielfältig in ihrer Funktion, verschieden in ihrer Dimension, individuell in ihrer Geschichte und speziell in ihrer Eigenart.

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