Informierte Mieter heizen deutlich weniger

Das Beratungsunternehmen Ecofys hat untersucht, welchen Beitrag eine unterjährige Verbrauchsinformation zur Senkung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland leisten kann. Das Ergebnis: Mit der Maßnahme lassen sich erhebliche Energieeinsparungen erzielen. Dabei ist die unterjährige Verbrauchsinformation für die Mieter nahezu immer wirtschaftlich und kann zudem über die funkbasierte Infrastruktur des Submetering zeitnah realisiert werden.

Damit die Energiewende gelingt, muss der Primärenergieverbrauch in Deutschland deutlich gesenkt werden. Darum hat die Bundesregierung im Dezember 2014 den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) beschlossen, der bis 2020 Primärenergieeinsparungen in Höhe von 290 bis 360 Petajoule (PJ) in Aussicht stellt. Einige der für die Zielerreichung erforderlichen Maßnahmen wurden bisher jedoch nicht umgesetzt, weshalb zeitnah weitere Energieeinsparungen realisiert werden müssen. Diesbezüglich sind gerade in Mehrfamilienhäusern noch erhebliche Einsparpotenziale vorhanden.

Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Studie des internationalen Beratungsunternehmens Ecofys im Auftrag der ista Deutschland GmbH, welchen Beitrag zur Energiewende eine unterjährige Information über den Wärmeverbrauch leisten kann. Hierbei zeigte sich das beträchtliche Potenzial der geringinvestiven Maßnahme, die gerade für Wohnungsunternehmen interessant ist. So lässt sich durch einen niedrigeren Energieverbrauch die Attraktivität einer Immobilie erheblich steigern. Die Kosten für die unterjährige Verbrauchsinformation können dabei auf die Bewohner umlegt werden. Gleichzeitig ist die Maßnahme – wie die Untersuchung zeigt – selbst bei geringen Energieeinsparungen fast immer wirtschaftlich für die Bewohner.

Verbraucher unterjährig informieren – aber wie?

Bei der unterjährigen Verbrauchsinformation erhalten Mieterhaushalte zusätzlich zur jährlichen Heizkostenabrechnung monatlich aktualisierte Daten zum Wärmeverbrauch und den damit verbundenen Kosten. So können sie aktiv ein eigenes Energiemanagement betreiben und dementsprechend sparsamer mit Energie umgehen. Im Rahmen des Submetering kann diese Maßnahme bereits heute umgesetzt werden. Die Basis hierfür bietet die Funktechnologie zur Verbrauchsablesung, wie sie aktuell schon in etwa 50 % der Mehrfamilienhäuser in Deutschland vorhanden ist.

Zugleich strebt die Bundesregierung die Einführung eines intelligenten Messsystems für mehr Transparenz beim Stromverbrauch an. Das sogenannte Smart Metering soll perspektivisch auch die Messung und Übermittlung von Wärmedaten ermöglichen, sodass die monatliche Verbrauchsinformation auch auf diesem Wege realisiert werden könnte. Diese Möglichkeit der spartenübergreifenden Bündelung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im „Entwurf eines Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende“ verankert. Die Umrüstung auf intelligente Messtechnik beginnt für Haushalte mit einem jährlichen Stromverbrauch zwischen 6.000 und 10.000 kWh allerdings erst ab dem Jahr 2020.

Hohe Wirtschaftlichkeit schon bei geringen Einsparungen

Vor diesem Hintergrund untersuchte die Ecofys-Studie zunächst die Wirtschaftlichkeit der unterjährigen Verbrauchsinformation. Die Grundlage bildeten Referenzgebäude aus sieben Baualtersklassen (von Altbau vor 1978 bis Neubau) mit jeweils vier Energieträgern (Erdgas, Öl, Fernwärme und Strom). Für diese wurden – basierend auf Messdaten von ista – die durchschnittliche Endenergie für Raumwärme und Warmwasser sowie die Energiekosten berechnet. Außerdem berücksichtigte das Beratungsunternehmen die mit der unterjährigen Verbrauchsinformation verbundenen Aufwendungen und ermittelte das Einsparpotenzial durch die Maßnahme. Nähere Informationen zur Wirtschaftlichkeitsberechnung bietet Infokasten 1.

Anschließend wurden bei jedem Gebäude die Kosten und die Einsparungen gegenübergestellt. Dabei zeigte sich, dass die unterjährige Verbrauchsinformation bereits bei einer Einsparung von 5 % unabhängig von den Kosten hochgradig wirtschaftlich ist. Bei angenommenen Kosten von 30 Euro pro Jahr und Wohneinheit ist die Maßnahme für 87 Prozent der Mieter finanziell vorteilhaft oder zumindest kostenneutral (s. Bild 2). Auf diese Weise könnten von 2017 bis 2020 insgesamt 89 PJ an Endenergie eingespart werden. 77 PJ davon sind auch für den Verbraucher wirtschaftlich realisierbar.

Bei Kosten von lediglich 20 Euro pro Jahr für die unterjährige Verbrauchsinformation steigt der wirtschaftliche Anteil auf 96 %. Über sämtliche Baualtersklassen sowie fast alle Energieträger hinweg würden die Bewohner hier nahezu immer finanziell von der Maßnahme profitieren (s. Bild 3). Unter diesen Umständen könnten die für den Verbraucher wirtschaftlichen Energieeinsparungen bis 2020 sogar 85 PJ betragen.

Jährliche Kosten machen den Unterschied

Liegen die Energieeinsparungen nur bei 3 %, wirken sich die jeweiligen Kosten für die Haushalte erwartungsgemäß deutlich stärker aus. Dementsprechend würde sich bei Aufwendungen in Höhe von 30 Euro pro Jahr in nahezu keiner Referenzliegenschaft ein finanzieller Vorteil für die Bewohner ergeben. Die anfallenden Mehrkosten für den Verbraucher wären mit jährlich bis zu 10 Euro pro Wohneinheit allerdings überschaubar. Dem steht bis ins Jahr 2020 eine Reduzierung des Endenergieverbrauchs um 53 PJ entgegen.

Fallen für die unterjährige Verbrauchsinformation pro Wohneinheit nur 20 Euro pro Jahr an, steigt der wirtschaftliche Anteil der Energieeinsparungen hingegen wieder auf 82 % (43 PJ, s. Bild 4). Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Bereits bei Energieeinsparungen von 3 bis 5 Euro kann die unterjährige Verbrauchsinformation einen erheblichen Beitrag zur Energiewende leisten. Davon profitieren fast immer auch die Bewohner.

Umsetzung mit Submetering sofort möglich

Doch wie und auf welchem Wege können die Einsparpotenziale der unterjährigen Ver­­­brauchsinformation schnellstmöglich rea­­­li­­­siert werden? Um diese Frage zu beantworten, berechnete Ecofys die Endenergieeinsparungen für Raumwärme und Warmwasser durch Submetering sowie Smart Metering bis 2030. Dafür wurde eine Verbrauchsreduzierung von 5 % unterstellt und gleichzeitig die Marktdurchdringung der jeweiligen Technologien in den nächsten Jahren berücksichtigt.

Die sich zunehmend am Markt durchsetzende Funktechnologie zur Verbrauchsablesung (s. Bild 5) ermöglicht sofortige Energieeinsparungen auf dem Wege des Submeterings. Auf dieser Basis könnte der Endenergieverbrauch in Deutschland bereits im Jahr 2017 um 20 PJ sinken. Insgesamt summieren sich die möglichen Einsparungen durch Submetering – wie bereits die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsberechnung zeigten – bis zum Jahr 2020 auf 89 PJ.

Der Rollout für das Smart Metering startet im Jahr 2020, sodass die unterjährige Verbrauchsinformation erst dann auf beiden Wegen realisiert werden kann. In Einfamilienhäusern (nur Smart Metering) wären so im Jahr 2030 Endenergieeinsparungen von 3 PJ möglich. Hinzu kämen 12 PJ in Mehrfamilienhäusern, die entweder durch Submetering oder Smart Metering gehoben werden könnten. Den größten Beitrag würde jedoch auch in 2030 das Submetering mit einem zusätzlichen Einsparpotenzial von 19 PJ leisten. Damit ließen sich allein in diesem Jahr insgesamt 34 PJ an Endenergie einsparen (s. Bild 6).

Fazit

Wie die Ergebnisse der Ecofys-Studie zeigen, kann die unterjährige Verbrauchsinformation einen signifikanten Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Kurzfristig realisierbar sind ihre erheblichen Einsparpotenziale allerdings nur durch die bereits vorhandene Infrastruktur des Submetering. Zugleich ist die Maßnahme schon bei geringen Einsparungen von nur 5 % nahezu immer wirtschaftlich für den Verbraucher und bietet damit der Wohnungswirtschaft die Möglichkeit, die Attraktivität von Immobilien und die Mieterzufriedenheit gleichermaßen zu steigern. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass an­­dere Untersuchungen wie etwa ein derzeit laufendes Modellvorhaben der Deutschen Energie-Agentur (s. Infokasten 2) weitaus größere Einsparpotenziale durch die unterjährige Verbrauchsinformation ausweisen.

Die Attraktivität einer Immobilie lässt sich durch einen niedrigeren Energieverbrauch erheblich steigern.

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