Grenzenlose Freiheit

Ein- und Ausgänge sollen zunehmend barrierefrei gestaltet werden. Gleichzeitig gilt es, Niederschlagswasser zuverlässig abzuleiten. Beides gelingt mit flexiblen Entwässerungs- und Dränagerinnen. Sie schützen vor Feuchtigkeit und gewährleisten Bewegungsfreiheit.

Die Nachfrage nach barrierefreiem Bauen nimmt zu. Ein Grund dafür ist die höhere Lebenserwartung. Darüber hinaus wächst der Wunsch nach möglichst komfortablem sowie designorientiertem Wohnen. Auch gewerbliche Flächen müssen so leicht wie möglich erreichbar sein. Dadurch steigen die Anforderungen an Zugänge im Fassadenbereich.

Gleichzeitig ist ein zuverlässiges Ableiten von Niederschlagswasser gefordert, um Gebäude dauerhaft vor eindringender Feuchtigkeit und Folgeschäden zu schützen. Dabei gilt es, Vorgaben aus Normen und Regelwerken zu berücksichtigen, damit höchste Sicherheit gewährleistet ist. Mit Entwässerungs- und Dränagerinnen, die sich ebenerdig an den Boden anpassen, gelingen schwellenlose Übergänge – etwa auf Balkonen und Terrassen oder in Eingangsbereichen. Roste sorgen dafür, dass anfallendes Wasser in das vorgesehene Entwässerungssystem gelangt. Zudem setzen sie optische Akzente.

Der Bauherren-Schutzbund, der Verband Wohneigentum und das Institut für Bauforschung haben 2014 eine Umfrage unter Wohneigentümern zu „Wohnwünschen und barrierearmem Wohnkomfort“ durchgeführt. Diese hat ergeben, dass nur 17 % der Befragten über einen ebenerdigen Zugang zu ihrem Haus bzw. ihrer Wohnung verfügen. Zugleich gaben 90 % der Haushalte als größten Wohnwunsch an, so lange wie möglich in ihrem Eigentum zu verbleiben. Demnach sind Baumaßnahmen notwendig, um komfortables Wohnen im Alter möglich zu machen.

Generell erleichtern barrierefreie Zugänge Menschen mit eingeschränkter Mobilität den Alltag. Als barrierefrei gelten nach § 4 BGG Behindertengleichstellungsgesetz „bauliche und sonstige Anlagen [...], wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“ Darüber hinaus bedeutet Barrierefreiheit für jeden Menschen höheren Komfort und mehr Bewegungsfreiheit – ob beim Schieben des Kinderwagens oder beim Transport von Getränkekisten, ob in der eigenen Wohnung oder bei täglichen Besorgungen.

Schwellenlose Übergänge planen

Gerade Zugangsbereiche von Fassaden erfordern eine schwellenlose Gestaltung, um einen uneingeschränkten Übergang zwischen Innen- und Außenräumen zu ermöglichen. Speziell auf Balkonen und Terrassen müssen zusätzlich Vorgaben für die Entwässerung beziehungsweise die entsprechende Untergrundabdichtung eingehalten werden. Nur so ist sichergestellt, dass Feuchtigkeit nicht in die Konstruktion eindringen und die Bausubstanz gefährden kann. Regeln und Normen gelten gerade für Neubauten, dienen aber auch bei Umbauten und Modernisierungen im Bestand als Grundlage. Die Fachregel für Abdichtungen in der Flachdachrichtlinie (2008) gibt vor, dass die Anschlusshöhe der Abdichtung „mindestens 0,15 m über der Oberfläche des Belags, der Kiesschüttung oder der Begrünung betragen“ muss.

Eine Verringerung der Anschlusshöhe ist jedoch zulässig, wenn jederzeit ein einwandfreier Wasserablauf im Türbereich gewährleistet ist und die Spritzwasserbelastung minimiert wird. „Dies ist der Fall, wenn im unmittelbaren Türbereich z.B. ein wannenförmiger Entwässerungsrost mit unmittelbarem Anschluss an die Entwässerung eingebaut wird. In solchen Fällen soll die Anschlusshöhe jedoch mindestens 0,05 m betragen“, heißt es in der Fachregel weiterhin. Demnach besteht trotz Minimierung eine Schwelle. Barrierefreie Übergänge werden hier als Sonderlösung bezeichnet, die zwischen allen Beteiligten abzustimmen sind. Spezielle Vorgaben beinhaltet die Regel dazu nicht.

In der DIN 18040 für barrierefreies Bauen ist in Übereinstimmung mit dem Behindertengleichstellungsgesetz hingegen festgelegt, dass Menschen mit motorischen Einschränkungen ein problemloser Zugang gewährt werden muss. Insofern stehen die Fachregel für Abdichtungen der Flachdachrichtlinie und die DIN 18040 nicht im Einklang. Deshalb ist es unerlässlich, dass beteiligte Architekten, Planer, Bauherren, Fensterbauer, Dachdecker sowie Garten- und Landschaftsbauer Maßnahmen zur Barrierefreiheit besprechen. Eine schriftliche Bestätigung des Bauherrn für einen schwellenlosen Zugang gibt zudem Sicherheit in Planung und Verarbeitung.

Barrierefreiheit und zuverlässige

Entwässerung kombinieren

Für Barrierefreiheit und gleichzeitig zielgerichtetes Ableiten von Oberflächen- und Fassadenwasser sorgen speziell entwickelte Entwässerungs- und Dränagerinnen. Sie schützen das Gebäude vor eindringendem Niederschlagswasser und gewähren einen mühelosen Zugang zu Außen- und Innenräumen. Entwässerungsrinnen übernehmen als Bauteil zur Linienentwässerung die Funktion, anfallendes Wasser aus angrenzenden Oberflächen aufzunehmen und zur Kanalisation weiterzuleiten. Sie sind immer geschlossen.

Dränagerinnen sind hingegen seitlich perforiert. Sie führen das Wasser unterhalb des Oberflächenmaterials ab. An Fassaden, Eingängen sowie auf Terrassen, Höfen und in Gärten dränieren sie in den Untergrund beziehungsweise ins Erdreich. Bei der direkten Entwässerung in den Untergrund müssen die Rinnen regelmäßig gereinigt werden. Auf Dächern, Dachterrassen und Balkonen erfolgt die Dränierung auf Abdichtungsbahnen aus Folie oder Bitumen. Die Abdichtung an der Fassade ist dauerhaft und zuverlässig auszuführen, um Wassereintritt zu vermeiden. Dafür bieten sich Flüssigabdichtungen an, da sie auch komplizierte Details und Anschlüsse langzeitsicher integrieren.

Passendes Entwässerungssystem

zusammenstellen

Die Rinnenkörper sind in verschiedenen fixen und höhenverstellbaren Varianten erhältlich. Damit lassen sie sich optimal an Fenster oder Türen angleichen und bodengleich einbauen, so dass Barrierefreiheit gewährleistet wird. Höhenverstellbare Rinnen sollten auch rampenförmig justierbar sein. Durch die Schräglage ist noch mehr Sicherheit beim zielgerichteten Ableiten gegeben. Generell sollte die wasserführende Schicht ein Gefälle von zwei Prozent in Richtung des Ablaufpunktes haben. Ebenso muss für eine ausreichende Dränierung zum Ablaufpunkt gesorgt werden.

Bei der Zusammenstellung des Entwässerungssystems ist auch auf die Auswahl der passenden Roste zu achten. Da Schwallwasser nicht bis an die Tür gelangen sollte, bieten sich Längsstabroste an. Deren Fugen nehmen Wasser sicher auf. Auch Maschenroste lassen Niederschlagsmengen verlässlich in die darunterliegenden Rinnen ablaufen. Design-Roste aus Edelstahl setzen zusätzlich elegante Akzente an der Fassade.

An die Fassadenrinne anschließen

Der Anschluss von Entwässerungsrinnen an die Kanalisation erfolgt mittels Stutzen oder Sinkkästen. Auch bei Dränagerinnen können Stutzen ergänzend zur direkten Dränierung verbaut werden. Durch die zusätzliche Entwässerungsmöglichkeit wird die Sicherheit des Ableitens in Außenbereichen erhöht. Für den Anschluss der Fassadenrinnen bei Dränagesystemen mit direkter Entwässerung ist ein dränfähiger Untergrund wie beispielsweise Schotter oder Kies erforderlich. Falls dieser nicht vorhanden ist, muss die Rinne unmittelbar angeschlossen werden.

Wo das Wasser nicht sofort in den Untergrund abgeleitet wird, zum Beispiel auf Balkonen, Terrassen oder Tiefgaragendächern, erfolgt die Dränierung auf eine Abdichtungsebene. In diesem Fall lässt sich die Rinne an eine Dränmatte anschließen, die das Wasser zum Ablaufpunkt führt. Ebenso können Revisionskanäle eingebaut werden. Diese leiten in Dränage- und Fassadenrinnen anfallenden Niederschlag in Richtung Bodenablauf. Nur wenige Handgriffe sind erforderlich, um das System zu öffnen und zu reinigen. Somit bildet es die praktische Alternative zu Dränmatten und Stichkanälen, die eine aufwändigere Reinigung verlangen. An das verwendete Plattenmaterial angepasste Maßanfertigungen ermöglichen eine dezente Integration der Revisionskanäle in den Bodenbelag.

Richtig dimensionieren

Um stetigen Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit zu gewährleisten, müssen die Entwässerungslösungen für die anfallende Regenwassermenge ausgelegt sein. Die Bemessungsregenspende lässt sich anhand des Aufbauortes und der Größe der zu entwässernden Fläche errechnen. Als Grundlage dienen Literangaben, die bei Starkregenereignissen von 5 Minuten alle 5 Jahre und bei Jahrhundertregen von 5 Minuten alle 100 Jahre gemessen wurden. Entsprechend dimensionierte Rinnen sowie Lage und Anzahl der Ablaufstutzen sorgen dafür, dass keine Überlastungen auftreten und Niederschlagswasser zuverlässig abgeleitet wird.

Sicherheit für alle Generationen bieten

Mit den verschiedenen Systemvarianten gelingt die Kombination von Barrierefreiheit und zuverlässiger Entwässerung. Sowohl private Balkone oder Terrassen als auch öffentliche Gebäude lassen sich so an aktuelle Standards anpassen, dass sie für alle Generationen größtmögliche Bewegungsfreiheit und Sicherheit bieten. Zusätzlich sorgen die Lösungen sowohl im Neubau als auch im Sanierungsfall für eine stilvolle Optik.

Mit Entwässerungs- und Dränagerinnen, die sich ebenerdig an den Boden anpassen, gelingen schwellenlose Übergänge – zum Beispiel auf Balkonen und Terrassen oder in Eingangsbereichen.

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