Medienversorgung

Glasfaser als Königsweg

Glasfaser – aber auch die Entwicklung des Mobilfunks mit 5G und andere Maßnahmen bilden die Zukunft. Sowohl Privathaushalte als auch Unternehmen werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Bandbreite abfordern als noch heute. Die aktuelle Infrastruktur kann dem nur bedingt standhalten.

Viele Experten gehen davon aus, dass sich die Anforderungen an die Anschlussnetze bis 2025 mehr als verdoppeln werden. Besonders die sogenannte Top-Level-Nachfrage mit Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s und mehr wird dabei deutlich ansteigen. Die Gründe für den drastischen Anstieg sind vielseitig.

Warum überhaupt höhere Bandbreiten?

Die höhere Bandbreite wird in erster Linie für Bewegtbilder benötigt. Diese gelten als echte „Bandbreiten-Fresser“ und ihr Volumen wird in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. In Privathaushalten hat das unter anderem mit dem geänderten Fernsehverhalten zu tun. Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon oder Maxdome bestimmen besonders bei der jüngeren Generation das Konsumverhalten. Das lineare Fernsehen wird zwar nicht verdrängt, aber zumindest um neue Angebotsformen erweitert.

Doch auch im Mobilfunk drängt sich das Bewegtbild immer häufiger in den Vordergrund – Beispiel WhatsApp: Anfang Mai gab das Unternehmen auf der Facebook Developer Conference bekannt, dass über den Dienst täglich rund zwei Milliarden Video-Anrufe getätigt werden. Neben dem Bewegtbild sorgen auch Sprachanwendungen und moderne Apps dafür, dass Smartphones immer mehr Bandbreite benötigen und mobile Anwendungen stärker gefragt sind denn je.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Bandbreite sind moderne Smart Home-Anwendungen, die verschiedenste Geräte über das Internet of Things (IoT) miteinander vernetzen. Diese Technologie wird ein fester Bestandteil des Wohnens der Zukunft. Der Zugang hierfür ist nur mit genügend Bandbreite möglich. Um die geforderte Bandbreite zu erreichen, wird langfristig eine Glasfaserinfrastruktur unabdingbar sein. Doch was ist der aktuelle Stand?

Der Status quo

In der Regel gibt es in Deutschland zwei verschiedene Infrastrukturen: die Kupferdoppelader-Infrastruktur über ältere Telekom-Leitungen und die Koaxial-Infrastruktur eines Kabelnetzbetreibers. Die technischen Voraussetzungen der Kupferdoppelader, beispielsweise in Verbindung mit dem sogenannten Vectoring, lassen zukünftig eine maximale Bandbreite von 250 MBit/s zu. Koaxialkabel schaffen unter bestimmten Voraussetzungen, wie einem Glasfaseranschluss bis ins Haus (dazu gleich mehr), bereits aktuell 1 Gbit/s.

Schon heute bieten also beide Infrastrukturen die Möglichkeit, relativ hohe Bandbreiten in die Wohnungen zu liefern. Anlass für Panik gibt es daher nicht, jedoch ist auch klar, dass für die Zukunft Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um die erhöhte Nachfrage abzudecken.

Königsweg Glasfaserinfrastruktur

Eine Methode die Bandbreite deutlich zu erhöhen, ist der Fiber to the Building (FTTB)-Anschluss. Dieser ermöglicht eine Glasfaseranbindung direkt ins Haus. Hierfür ändern die Kabelnetzbetreiber die bisherige Zuführung über eine koaxiale Infrastruktur und schließen die Glasfaser, beispielsweise über einen sogenannten Micro-Node, an die vorhandene Hausverteilanlage an. Durch diese Vorgehensweise sind Kabelnetzbetreiber in der Lage, bedarfsgerecht Bandbreitenerweiterungen vorzunehmen.

Andere Anbieter, wie die Deutsche Glasfaser oder 1&1 Versatel, nutzen FTTB, um auf die Kupferdoppelader zuzugreifen. Auch auf diese Weise können erhebliche Bandbreitenerweiterungen realisiert werden.

Der Königsweg, um den Bedarf an Bandbreite abzudecken, ist jedoch eine eigene Glasfaserinfrastruktur im Haus. Das ist allerdings mit hohen Kosten verbunden, weshalb der Ausbau nur sehr langsam vonstattengeht. Dennoch sollten bei Neubauten und Modernisierungen bereits heute die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, um auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereitet zu sein.

Um Geld zu sparen, gibt es neben der Installation der Glasfaserkabel die Möglichkeit, Kombinationskabel zu verlegen. Dabei wird die Koaxial-Infrastruktur zusätzlich mit einem Leerröhrchen ausgestattet, in das im Nachhinein, mit Pressluft, die Glasfasern verlegt werden können.

Technologie-Mix

Ein weiterer Baustein der technischen Infrastruktur der Zukunft ist die Weiterentwicklung des Mobilfunknetzes mit der sogenannten 5G-Technologie. Mit 5G werden zukünftig Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s möglich sein. Beratungsunternehmen, wie die DSC Dietmar Schickel Consulting, sind sich jedoch sicher, dass die Mobilfunktechnologie nicht das Ende der Kabeltechnologie bedeutet. Das Festnetz wird, nach der vorherrschenden Meinung, aufgrund seiner Ausfallsicherheit immer positiv bewertet werden. So ist der Empfang beim Mobilfunk, besonders in Wohnungen, immer wieder Gegenstand von Diskussionen.

Daher wird zukünftig eine sinnvolle Kombination aus Festnetz und Mobilfunk die technische Infrastruktur bestimmen. Fachexperten haben diese aktuellen Entwicklungen immer im Blick und sind sich sicher, dass der Technologie-Mix, gemeinsam mit einem bedarfsgerechten Ausbau, für eine breitbandige Zukunft unabdingbar ist. Daher ist es wichtig, eine Glasfaserinfrastruktur beim Neubau bereits heute vorzusehen und bei Modernisierungen alle Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Die technische Infrastruktur der Zukunft wird durch eine sinnvolle Kombination aus Festnetz und Mobilfunk bestimmt

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