Gesund und umweltgerecht bauen: Die richtige Baustoffwahl mit WECOBIS

Die Bundesregierung hat bereits 2002 eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen, die alle gesellschaftlich bedeutsamen Bereiche einschließt und mit messbaren Zielen unterlegt. Seitdem wird der eingeschlagene Kurs überprüft und fortentwickelt. Die Bau- und Immobilienwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle, zumal immer noch ein Drittel des Ressourcen- und Energieverbrauchs in Deutschland dem Bau und Betrieb des Gebäudes zugerechnet werden muss.

Der Bund als größter öffentlicher Bauherr in Deutschland steht mit seinen Gebäuden immer im Fokus des öffentlichen Interesses. Öffentliche Gebäude sollen eine Vorbildfunktion übernehmen und müssen einer Vielzahl von Anforderungen gerecht werden. Dies gilt in besonderer Weise für den Bund. Einerseits muss er für qualitäts- und praxisgerechte Regeln sorgen, andererseits deren Anwendung auch vorbildhaft umsetzen. Es geht dabei um Funktionsgerechtigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, Qualität und Gestaltkraft der Architektur, Energieeffizienz und den Einsatz innovativer Baustoffe, Techniken und Verfahren aber auch um Denkmalschutz sowie um die städtebauliche Integration am Standort.

Aus diesem Grund wurde schon 2001 begonnen, Grundprinzipien der Nachhaltigkeit auf den Baubereich zu übertragen und über den Leitfaden Nachhaltiges Bauen im Bundesbau verbindlich umzusetzen. Ende 2010 hat der Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung konkrete Ziele für das ressourcen- und energiesparende Bauen und Betreiben von Bundesgebäuden beschlossen. Das Bundesbauministerium hat dazu einen vollständig überarbeiteten Leitfaden mit Erlass vom 3. März 2011 im Bundesbau verbindlich in Kraft gesetzt. Parallel dazu sind Regelungen zur Anwendung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) in Kraft getreten.

Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsentwicklung wird immer wieder die Nennung sogenannter „ökologischer“ oder „nachhaltiger“ Bauprodukte gefordert. Bauprodukte werden bezüglich unterschiedlicher Nachhaltigkeitskriterien stets im Gebäudekontext und nicht als einzelnes Produkt bewertet. Globale Umwelteinwirkungen, die u. a. Treibhauseffekte, Ozonloch, sauren Regen und Überdüngung verursachen, werden mittels Ökobilanzierung ermittelt.

Die ÖKOBAU.DAT liefert die hierfür erforderlichen Basisdaten. In der Datenbank finden sich generische Basisdaten, die für die Baumaterialien geeignete Durchschnittswerte der Umweltindikatoren liefern, sowie auch produktspezifische Werte, die im Rahmen von Umweltproduktdeklarationen ermittelt werden. Aktuell wird die ÖKOBAU.DAT 2011 zur Verfügung gestellt. Im Frühjahr 2013 wird eine Folgeversion der ÖKOBAU.DAT veröffentlicht, die den Anforderungen der europäischen Norm EN 15804 entsprechen wird.

Die Datenbank (www.nachhaltigesbauen.de/baustoff-und-gebaeudedaten/oekobaudat.html) ist frei zugänglich.

Umwelt- und gesundheitsbezogene Informationen zu Baustoffen und Bauproduktgruppen liefert in diesem Zusammenhang das internetbasierte ökologische Baustoffinformationssystem WECOBIS, das seit 2001 in Kooperation mit der Bayerischen Architektenkammer fortentwickelt und gepflegt wird.

WECOBIS als Fachdatenbank hat hier die Aufgabe, Erstinformationen zu bündeln. Das Portal bietet herstellerneutrales Basiswissen zu gesundheits- und umweltbezogenen Informationen der wichtigsten Baustoffgruppen und Grundstoffe an. Darüber hinaus dient WECOBIS als zentrale Plattform zu allen wichtigen weiterführenden Quellen und Informationsportalen. Besonders hervorzuheben sind die Verknüpfungen zur ÖKOBAU.DAT, der Ökobilanzdatenbank des Bundes, WINGIS, dem Gefahrstoffinformationssystem der Bauberufsgenossenschaft – oder auch vorhandenen Umweltproduktdeklarationen. Die Daten können über die Internetadresse www.wecobis.de oder über die Internetseiten des Informationsportals Nachhaltiges Bauen (www.nachhaltigesbauen.de) eingesehen werden.  

Typische Fragestellungen, die generell mit WECOBIS untersucht werden können, sind z.B.

– in welchen Lebenszyklusphase bauproduktgruppenspezifische Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen zu erwarten sind

– wie Gesundheits- und Umweltaspekte in die Ausschreibung einfließen können oder auch

– welche Chancen und Potentiale durch eine sachgerechte Baustoffwahl für den Menschen und seine Umwelt generiert werden können

Weitere baustoffliche Fragestellungen ergeben sich auch bei der Bearbeitung der Steckbriefe des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen. WECOBIS bietet hier hilfreiche Informationen und Daten u. a. für die BNB-Kriterien:

– Ökobilanz (1.1.1–1.1.5 und 1.2.1, 1.2.2)

– Risiken für die lokale Umwelt (1.1.6)

– Kriterium Nachhaltige Materialgewinnung/Holz (1.1.7)

– Innenraumhygiene (3.1.3)

– Rückbau, Trennung und Verwertung (4.1.4)

– Ausschreibung und Vergabe (5.1.4)

– Qualitätssicherung der Bauausführung (5.2.2)

Zurzeit sind Baustoffinformationen für ca. 110 Bauproduktgruppen und 90 Grundstoffe abrufbar.

Die Funktionalität MyWECOBIS bietet zudem die Möglichkeit einen individuellen Arbeitsbereich anzulegen und zu speichern. Durch eine Mehrfachanzeige können Produktgruppen gleichzeitig nebeneinander angesehen werden. Weitere Funktionen ermöglichen ein einfaches Organisieren und Arbeiten mit den umfangreichen Informationen und Verknüpfungsmöglichkeiten. Zur BAU 2013 wurde der Öffentlichkeit eine überarbeitete WECOBIS-Version vorgestellt. Die Fachvorträge des Symposium liegen auf den Internetseiten des Nachhaltigkeitsportal unter nationale Veranstaltungen „Symposium: Gesund und umweltgerecht Bauen“ zum Download bereit.

Frank Cremer

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