Für ein gesundes Leben im Quartier

Projektbeispiele, wie angesichts der demografischen Entwicklung lebenswerte und demografiefeste Wohnquartiere der Zukunft aussehen können, sind im Markt pilotiert. Bislang jedoch wurde in keinem dieser Konzepte der Fokus auf die medizinische Versorgungsstruktur gelegt. Die Strukturdatenbank „Atlas des medizinischen Versorgungszugangs“ bietet hier eine multiperspektive Datengrundlage.

Einigkeit herrscht in einem Punkt: Wohnansprüche verändern sich im Alter. Mit Zunahme der Lebensjahre steigen das Bedürfnis nach Sicherheit und Komfort – und der Anspruch an den Wohnraum und das Lebensumfeld. Die Marktakteure der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft wissen um diese Veränderungen; erste Pilotprojekte sind realisiert. Stichworte: soziale Quartiers­ent­wick­lung, barrierefreier Wohnraum, neue Wohnformen. Allein: Der deutsche Wohnungsmarkt in seiner Gesamtheit hinkt den Anforderungen der Generationen nach bedarfsgerechten Lösungen hinterher. Soweit der Status Quo.

Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft allein kann dieses Problem nicht lösen. Sie braucht den Schulterschluss mit branchennahen Akteuren wie Architekten und Städteplanern, Bauherren, Trägern und Betreibern, medizinischen Versorgungseinrichtungen, der Pflegewirtschaft, karitativen und sozialen Einrichtungen. Erst in der Symbiose dieser Professionen lässt sich ein nachhaltig stabiles und bedarfsgerechtes Wohnumfeld für Generationen realisieren und etablieren.

Medizinische Versorgung im Quartier

Eine erweiterte Datengrundlage zur detailgenauen Planung und Ausgestaltung sozialer, alternsge­rechter Wohnquartiere bietet das topografische Analysetool „Atlas des medizinischen Versor­gungs­zugangs“ der gemeinnützigen Stiftung Gesundheit in Hamburg. Die Strukturdatenbank bildet bundesweit alle Ärzte, sämtliche Praxen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und andere medizinnahen Einrichtungen ab; insgesamt mehr als 300.000 differenzierte Datensätze zu ärztlichen Versorgungsstrukturen in Deutschland. Selektiert nach Bund und Bundesländern, Landkreisen, Kommunen und Postleitzahlen, nach Geodaten und weiteren geografischen Rahmenbedingungen und sortiert nach mi­­grations- und sprachbezogenen Faktoren, medizinischen Fach­disziplinen, ärztlichen Teilgebieten, Gender-Aspekten, AAL oder Barriere-Arten. Die Datenbank findet Anwendung und Einsatz bei Krankenkassen und Versicherungen, Versorgungsforschern, Städte- und Verkehrsplanern. In der Summe werden jährlich mehrere Millionen Suchan-fragen bearbeitet, von der kleinen Lokalisierung bis hin zu Analysen im Teilhabebericht der Bundesregierung.

Neu ist die Bereitstellung der Analysen für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Das System unterstützt Planer, Bau­herren und Betreiber von Wohn-, Pflege- und Sozialeinrichtungen bei der Ist-Analyse und Be­­darfs­ermittlung von Bauprojekten und Quartiersentwicklungen, die auf neue Wohnformen wie Zielgrup­pen­orientiertes Wohnen, Senioren-Wohnen oder Betreutes Wohnen setzen. Die Informationsbasis dient aber auch zur Entwicklungsplanung von kombinierten Wohn- und Dienstleistungsangeboten wie Wohn-Pflege-Gemeinschaften oder als Grundlage für Bauvorhaben von Wohn- und Pflegeheimen.

Multiperspektive Datengrundlage

Die seit 1997 entwickelte Datenbank bietet Nutzern unterschiedlicher Branchen vielfältige Anwendungsmöglich­keiten. Dr. Peter Müller, Vorstandsvor­sitzender Stiftung Gesundheit: „Sie kann als Benchmark Angebote und Leistungen der ambulanten Versorgung in jedem gewünschten Stadtviertel identifizieren – bis hinunter zu einzelnen Häusern und Hausnummern. Diese Daten stellen Wohnungsunternehmen wettbewerbsrelevante Detailinfor­mationen zur medizinischen Versorgung im Wohngebiet und zum speziell zu entwickelnden Standort zur Verfügung.“

Wissen, das speziell zur Planung und Entwicklung von dienstleistungsnahen Wohnformen wie Betreutes Wohnen oder Senioren-Wohnen genutzt oder als Marketingargument zur Vermietung oder Verkauf von Wohnraum eingesetzt werden kann. So lassen sich beispielsweise Arztpraxen in einem definierten Radius identifizieren, die senioren-freundlich gebaut, rollstuhl­gerecht bzw. hör- oder sehbehindertengerecht ausgestattet sind oder mehrsprachiges Personal beschäftigen. Politologe Dr. Müller: „Selbstbestimmtes Leben daheim erfordert neben technischen und baulichen Vorkehrungen immer auch die enge An- und Einbindung einer tatsächlich erreichbaren, ambulanten ärztlichen Versorgung. Ohne diese Einheit bleiben die besten AAL-Lösungen Insellösungen.“

Die Strukturdatenbank als ergänzendes Analysetool zur alternsgerechten Quartiersentwicklung der Zukunft. Ein Baustein im Gesamtsystem moderner Stadt- und Wohnungsplanung.

Wohnen und ärztliche Versorgung im Quartier abbilden.
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