Flüssigabdichtungen – eine Alternative für flache Dächer

Dachsanierungen verursachen in der Wohnungswirtschaft hohe Kosten und in jedem Einzelfall stellt sich die Frage, welche Maßnahme die effizienteste ist. Die Erfahrung zeigt, dass eine Entscheidung allein unter dem Primat der minimierten Kosten nicht die beste aller Lösungen sein muss. Neben den traditionellen Bitumen- und Kunststoffbahnen haben sich Flüssigabdichtungen zu einer interessanten Abdichtungsalternative auf dem flachen Dach entwickelt.

Flachdächer, für die eine wasserdichte Abdichtung zwingend erforderlich ist, besitzen ein hohes Fehlerpotenzial. Neben dem Einsatz ungeeigneter Materialien ist die häufigste Schadensursache die mangelhafte Abdichtung von kritischen Detailpunkten wie Anschlüssen und Durchdringungen. Die zur Ausführung kommenden Abdichtungsprodukte sind hohen, teilweise nicht  vorhersehbaren Belastungen ausgesetzt. Aktuell beschäftigt das noch nicht plausibel erklärbare Phänomen Shattering von Kunststoffbahnen die Fachwelt.

Die häufigsten Fehlerquellen lassen sich so klassifizieren:

– Planung/mangelnde Qualifikation/ Unkenntnis über den Stand der Technik

– Ausführung/fehlerhafte Verarbeitung/fehlerhafte Bauwerksdiagnose/Schadensursache falsch/unwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen

– falsche Materialien oder Produktionsfehler/­Funktionssicherheit nicht gegeben

Die erste Flüssigabdichtung – das von Dr. Kemper entwickelte Kemperol – ist Mitte der 1960er Jahre auf den Markt gebracht worden. Seitdem hat sich eine eindrucksvolle Entwicklung vollzogen. Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen, sogenannte Flüssigabdichtungen, spiegeln heute den Stand der Technik wider und stehen als dritte Abdichtungstechnologie in allen wichtigen Regelwerken wie der „Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie“ gleichberechtigt neben Bitumenbahnen und Kunststoff-Folien.

Flüssige Maßarbeit

Im Unterschied zu den beiden anderen Produktgruppen werden Flüssigabdichtungen, wie es der Name andeutet, in flüssiger Form verarbeitet. Dadurch passt sich das Material wie maßgeschneidert allen vorhandenen Untergrundgeometrien an. Klassische Schwachpunkte auf dem Dach wie Anschlüsse und Durchdringungen werden fugenlos in die Flächenabdichtung integriert. Während der Aushärtungsphase bildet die dauerelastische Abdichtung einen vollflächigen Haftverbund mit dem Untergrund. Unterläufig in die Bausubstanz eindringende Feuchtigkeit ist bei der vollflächigen Haftung ausgeschlossen. Und bei einer mechanischen Beschädigung der Oberfläche lässt sich die Schadensstelle leichter lokalisieren.

Alle Flüssigabdichtungen müssen nach den Vorgaben des Herstellers und unter Berücksichtigung geltender Vorschriften verarbeitet werden. Dazu gehören

– Herstellerverlegerichtlinien

– Fachregeln für Abdichtungen

– Bauregelliste B1 Nr. 3.4

– DIN 18338 Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

– DIN 18531 Dachabdichtungen – Abdichtungen für nicht genutzte Dächer

– DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen

– DIN EN 13501 Brandverhalten

– ETAG 005 (EOTA Guideline)

– Liste der technischen Baubestimmungen 1.2

Gute Erfahrung, leichtere Entscheidung

Auf Flachdächern ist die Flachdachrichtlinie maßgebend. Danach gelten Flüssigabdichtungen als einlagige Abdichtung, die mindestens zweischichtig mit Armierung ausgeführt werden soll. Der eingebetteten Vliesarmierung fällt dabei eine mehrfache Aufgabe zu. Sie reguliert die Schichtstärke, erhöht die Reißkraft, begrenzt die Dehnung und gewährleistet die Rissüberbrückung.

Unter Berücksichtigung unternehmensinterner Faktoren entscheiden sich Planer, die gute Erfahrungen gemacht haben, häufig für die Flüssigalternative. Bei der Entscheidung, welche Abdichtungsvariante zum Einsatz kommen soll, spielen allerdings ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Es müssen die kalkulierten Investitionskosten, die geplante Nutzungsdauer, die Lebensdauer der Abdichtung und die daran gekoppelten Sanierungsintervalle berücksichtigt werden. Ebenso sind die Folgekosten entscheidend.

Beurteilungskriterien für das Abdichtungsmaterial sind unter anderem die Langzeitbewährung in der Praxis, die Kosten-Nutzen-Relation und die Materialeigenschaften.

Preiswert, aber nicht billig

Am Beispiel eines neunstöckigen Wohngebäudes, bei dem das Blechdach aus Altergründen instandgesetzt wurde, seien einige wirtschaftliche und technische Vorteile angeführt, die zu einer Entscheidung zugunsten der Flüssigabdichtung geführt haben.

– Die Alternative bestand in einem Komplettabriss mit anschließendem Neuaufbau.

– Die gewählte Kemperol-Abdichtung war die kostengünstigste Lösung, da anstelle eines teureren Außengerüstes nur eine Flächenabsicherung aufgebaut werden musste.

– Da nicht abgerissen wurde, entfielen auch die Entsorgungskosten für das Abbruchmaterial.

– Die Instandsetzung erfolgte direkt auf dem vorhandenen Dachpaket. Vor Ort mussten keine Schutzmaßnahmen getroffen und keine Notabdichtung verlegt werden, da die Dachfläche nicht geöffnet wurde. Flüssige Abdichtungsmaterialien profitieren von einem einfachen Handling.

– Die Abdichtung benötigt nur eine minimale Flächenlast. Dieser Aspekt gewinnt vor allem auf Dächern mit statischen Problemen an Bedeutung.

– Flüssigabdichtungen werden kalt aufgebracht, die Verarbeitung ohne Flamme ist deutlich sicherer. Es besteht keine Brandgefahr.

Die Kunst des sicheren Details

Auf dem flachen Dach gibt es eine Vielzahl von Formen und Detailpunkten, die sich mit konventionellen Methoden nur ungenügend in die Flächenabdichtung einbinden lassen. Zu diesen klassischen Schwachstellen gehören Antennen, Attiken, Aufbauten, Bolzen, Dachränder, Dunstrohre, Fugen, Gullys, innen liegende Dachrinnen, Lichtkuppeln, Lüftungselemente, Securanten, Sockel, Schornsteine, Traufbleche, Türschwellen, Wandanschlüsse etc. Die Funktionalität und Lebensdauer eines Flachdaches jedoch hängt ganz wesentlich von der Qualität der Detailabdichtung ab. Mit einer Flüssigabdichtung lassen sich kritische Bereiche schnell und sicher in den Griff bekommen. Bei der Abdichtung von Detailpunkten werden Flüssigabdichtungen nicht selten mit Bitumenbahnen oder Folien kombiniert, um die funktionsgerechte Ausführung der Anschlüsse und Durchdringungen zu gewährleisten.

Produkte wie Kemperol sind mit anderen Werkstoffen problemlos kombinierbar. Im Zweifelsfall bieten die Hersteller Haftzugprüfungen im hauseigenen Labor kostenfrei an. Auf dem Dach treffen verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten zusammen. Aufgrund seiner hohen Plastizität nimmt Kemperol durch Temperaturschwankungen bedingte Materialbewegungen auf und eignet sich auch in Einsatzbereichen mit abweichenden Ausdehnungskoeffizienten. Beispielsweise ist dies der Fall, wenn Kupfer, Zink, Ziegelmauerwerk, Holz oder Kunststoffmaterialien in die Fläche eingebunden werden müssen.

Gewusst wie – Verarbeitungsqualität

Flüssigabdichtung sind keine Wundermittel. Jedes Material ist nur so gut wie seine Verarbeitung. Die Verarbeitung der bauchemi­schen High-Tech-Produkte verlangt Kenntnisse und Erfahrungen, die nur eingeschulte Fachverarbeiter nachweisen können. Mischfehler beispielsweise können dazu führen, dass das Material nicht aushärtet. Auch die Witterungsverhältnisse haben einen wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung. Bei einer sach- und fachgerechten Verlegung der Flüssigabdichtung jedoch bietet diese Abdichtungstechnologie viele Vorteilen, die sich in einer hohen Sicherheit niederschlagen.

Mit einer Flüssigabdichtung lassen sich kritische Bereiche schnell und sicher in den Griff bekommen.

Auf dem Dach treffen verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Wärmeausdehnungs­koeffizienten zusammen.

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