Gebäudetechnik

Flexible Lösungen für die Wohnraumlüftung

Energetische Sanierungsmaßnahmen haben Priorität. Neben der Optimierung der Wärmeerzeugung werden zahlreiche Maßnahmen zur Wärmedämmung ergriffen. Eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt für Feuchteschutz, frische Raumluft und niedrige Energiekosten.

Bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden stehen häufig energetische Sanierungen an erster Stelle. Ziel ist, das Gebäude lufttechnisch abzudichten, um Heizkosten zu sparen und CO2-Emissionen zu senken. Dies hat jedoch negative Auswirkungen auf die Qualität der Raumluft, denn die luftdichte Bauweise verhindert den Abtransport von Feuchtigkeit und führt zu einer erhöhten CO2-Konzentration in der Raumluft. Eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung schafft Abhilfe. Denn sie bannt Schimmelgefahr und Gesundheitsrisiken – mit Systemlösungen, die auch nachträglich eingebaut werden können.

Gesetzlicher Rahmen der

Wohnraumlüftung

Für die Sanierung von Wohngebäuden gilt nach wie vor die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009. Die neue, seit 1. Januar 2016 gültige EnEV verschärft zwar die energetischen Anforderungen an Neubauten, hat aber zunächst keinen weiteren Einfluss auf Bestandsgebäude. Die „Lüftungsnorm“ DIN 1946 Teil 6 schreibt Folgendes vor: Wird in Mehrfamilienhäusern mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster ausgetauscht oder bei Einfamilienhäusern zusätzlich mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet, ist ein Lüftungskonzept Pflicht. Architekten, Planer und SHK-Betriebe, die heute noch Gebäude ohne lüftungstechnische Maßnahmen planen, setzen sich Haftungsrisiken aus. Des Weiteren fordert die KfW die Einhaltung der DIN 1946 Teil 6 bei ihren Energieeffizienzprogrammen ohnehin ausdrücklich.

EnEV § 6 betrifft Dichtheit und Mindestluftwechsel von Wohngebäuden: „Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig, entsprechend den anerkannten Regeln der Technik, abgedichtet ist.“ Aus dem Normen-Deutsch übersetzt heißt dies, dass die Mindestanforderung mit einem N50-Wert von 3,0 definiert wird. In der Praxis unterschreitet die Dichtigkeit einer Wohnung nach der Sanierung sogar häufig einen N50-Wert von 1,5. „Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist.“ Übersetzt bedeutet dies eine Luftwechselgröße von durchschnittlich 0,5-1. Demnach müssten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 12 Luftwechsel erfolgen – ein Wert und Aufwand, der mit reiner Fensterlüftung für den Nutzer nicht realisierbar bzw. zumutbar ist. Die korrekte Ermittlung des benötigten Mindestluftwechsels für ein Gebäude ist in jedem Fall zu empfehlen. Denn je kleiner der rechnerisch angesetzte Luftwechsel ist, desto geringer ist der Lüftungswärmebedarf eines Gebäudes. Heute kann das schon die Hälfte des gesamten Energieverbrauches ausmachen.

Feuchteschutz und Luftqualität dank

Lüftungskonzept

Ein Lüftungskonzept kann von einem Architekten, Planer, Energieberater oder Fachbetrieb bestenfalls in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn erstellt werden. Es ist notwendig, den Gebäude-Luftwechsel hierbei exakt zu berechnen und nachzuweisen. Auf Basis dieser Luftmenge erfolgen dann Auswahl und Festlegung eines Lüftungssystems bezogen auf die gesamte Nutzungseinheit. Die Ermittlung des Mindestluftwechsels

– hängt von der Größe der Wohnung und der Anzahl der Bewohner ab,
– berücksichtigt die unterschiedlichen Nut­­­zungssituationen und -verhalten der Be­­­wohner.

Eine grundsätzliche Unterscheidung der verschiedenen Systeme besteht in der Aufteilung in „freie“ und „ventilatorengestützte“ Lüftungssysteme.

Unter „freier Lüftung“ versteht man Querlüftung (z. B. über Fensterfalz) oder Schachtlüftung (Auftriebslüftung). Für alle Systeme der freien Lüftung ist aufgrund der direkten Abhängigkeit von klimatischen Rahmenbedingungen (Windlast, Temperaturdifferenzen) keine sichere Erfüllung der EnEV- bzw. DIN-Vorgaben erreichbar. Darüber hinaus sind wichtige Themen wie Lüftungskomfort, Wärmerückgewinnung, Schallschutz, Pollen- und Insektenschutz sowie allgemein vor äußeren Schadstoffen, wie zum Beispiel Feinstaub, nicht zufriedenstellend lösbar.

Im Bereich der ventilatorgestützten Systeme wird primär zwischen Abluftsystemen und kombinierten Zuluft-/Abluftsystemen unterschieden. Bei Abluftsystemen saugen Ventilatoren in den Feuchträumen (z. B. Küche, Bad) die Luft ab und führen diese nach draußen. Frische Luft strömt über Außenluftdurchlässe in den Aufenthaltsräumen (z. B. Wohnzimmer, Schlafzimmer) nach. Mit der abgeführten Luft wird die vorhandene Feuchtigkeit zwar sicher entfernt, aber mit ihr geht auch die darin enthaltene Wärme verloren. Eine energetisch optimale Lösung bieten nur Zu-/Abluftsysteme mit Wärmerückgewinnung. Diese Systeme stehen als zentrale und dezentrale Lösungen zur Verfügung. Bei fachgerechter Planung erfüllen sie die Anforderungen der EnEV bzw. DIN 1946 Teil 6 in vollem Umfang – Energieeinsparung bei gleichzeitiger Sicherstellung der optimalen Luftqualität.

Flexible Lösungen für die

Wohnraumlüftung

Seit über 20 Jahren entwickelt und produziert die Pluggit GmbH, ein Unternehmen mit schwedischen Wurzeln, innovative, individuell planbare Lüftungssysteme für neu zu errichtende oder bestehende Wohngebäude. Zum Portfolio gehören zentrale oder dezentrale Systemlösungen für vier Installationsebenen: in der Betondecke, in der Dämmung, unter der Decke und in der Wand. Für den nachträglichen Einbau, z. B. nach energetischen Sanierungsmaßnahmen, eignen sich vor allem die Systemlösungen unter der Decke und in der Wand.

Zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage?

Wenn eine Nutzungseinheit, Haus oder Wohnung, mit einem Lüftungsgerät komplett versorgt wird, spricht man von einem zentralen Lösungsansatz. Zentrale Lüftungsanlagen lassen sich in der Betondecke, in der Dämmung und unter der Decke realisieren. Wenn mit einem Lüftungsgerät jeweils nur ein Raum der Wohnung oder des Hauses bedient wird, handelt es sich um einen dezentralen Lösungsansatz. Einzelraumlüftungsgeräte werden in der Außenwand installiert.

Bedingt durch die geringe Abmessung der Komponenten und die einfache Verlegetechnik lässt sich ein zentrales Pluggit Lüftungssystem unkompliziert in vielen Wohnungsgrundrissen umsetzen. Bei nachträglicher Installation – zum Beispiel im Rahmen einer Sanierung – werden die Zu- und Abluftkanäle unter der Decke verlegt. Die vorhandene Raumhöhe bleibt dabei voll erhalten. Geringer baulicher Aufwand und platzsparende Einbauweise in der Außenwand sind die besonderen Vorteile dezentraler Lüftungsanlagen und machen sie somit auch für den nachträglichen Einbau interessant. Pluggit iconVent Einzelraumlüfter mit Wärmerückgewinnung garantieren zudem eine permanente Balance der Zu- und Abluft.

Fazit

Ein ausreichender Luftwechsel sollte zu­­sammen mit jeder energetischen Sanierungsmaßnahme sichergestellt werden. Die Grundlagen dafür sind in der Wohnungsgröße und geplanten Nutzeranzahl zu finden. Um Haftungsrisiken auszuschließen, und bei Inanspruchnahme von Fördergeldern, sollte auf eine normen- und zulassungskonforme Planung, Berechnung und Umsetzung geachtet werden. Mithilfe einer modernen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung lassen sich Energieeinsparung und ein gesundes Wohlfühlklima realisieren.

Die korrekte Ermittlung des benötigten Mindestluftwechsels für ein Gebäude ist in jedem Fall zu empfehlen.

Geringer baulicher Aufwand und platzsparende Einbauweise in der Außenwand sind die besonderen Vorteile dezentraler Lüftungsanlagen.

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