Interview mit der neuen DEPV-Vorsitzenden Beate Schmidt-Menig

„Deutschland ist ein richtiges Pelletland“

Beate Schmidt-Menig ist neue Vorsitzende des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV), zu dem auch das Deutsche Pelletinstitut GmbH (DEPI) gehört. Sie hatte dieses Amt bereits von 2005 bis 2011 inne. Hauptberuflich arbeitet Schmidt-Menig in der Geschäftsleitung des Pelletkesselherstellers ÖkoFEN Deutschland im bayerischen Mickhausen. Im Interview spricht sie über die derzeitige sehr gute Marktlage bei Feuerungen und Brennstoff.

Frau Schmidt-Menig, wenn man aktuell den Markt für Pelletheizungen betrachtet, sind Sie genau zum richtigen Zeitpunkt zur DEPV-Vorsitzenden gewählt worden.

Schmidt-Menig: Ja, die Dynamik ist enorm und über den Zuwachs von 150 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 freue ich mich sehr. Hier kommen ideale Rahmenbedingungen zusammen: Eine hohe Förderung von bis zu 45 Prozent für alle Maßnahmen rund um den Heizungstausch, die beschlossene  CO₂-Abgabe für fossile Brennstoffe ab 2021 und das Ölheizungsverbot ab 2026, aber auch ein gewachsenes Bewusstsein für Klimaschutz in den eigenen vier Wänden.

Aber ich kenne auch andere Zeiten: Von 2005 bis 2011 habe ich dieses Amt schon einmal ausgeübt und dabei vieles erlebt. Vom schnellen Aufschwung bis zum Markteinbruch im Anschluss. Der war zwar damals sehr schmerzlich, aber im Rückblick hat er uns weitergebracht. Die Branche war damals noch nicht professionell genug aufgestellt. Insofern konnten wir die Zeit in den letzten zehn Jahren nutzen, um die gesamte Wertschöpfungskette für das Heizen mit Pellets modern und praxiserprobt zu gestalten. Das zahlt sich jetzt aus.

Wie äußert sich das und was war dazu nötig?

Schmidt-Menig: Als der Markt 2007 einbrach, war das auch eine Reaktion darauf, dass wir weder eine Marktdokumentation mit Preisindizes oder Produktionszahlen hatten. Noch gab es eine nennenswerte Qualitätssicherung für Brennstoff und Handwerk. Der Pelletboom zu Beginn des Jahrtausends war allein dem Reiz des Neuen geschuldet. Heute ist die Branche komplett anders aufgestellt. Das Produkt „Heizen mit Pellets“ erlaubt sowohl mit Heizkessel als auch mit Pelletkaminofen eine nahezu  CO₂-freie, günstige Wärmegewinnung bei vergleichbarem Komfort zu fossilen Heizungen. Dazu gehört eine hochmoderne, das heißt effiziente und emissionsarme Verbrennungstechnik, genauso wie Premiumpellets – hier ist heute das ENplus-Zertifikat für Produktion und Anlieferung Standard.

Das war doch vor fünf Jahren auch schon der Fall. Warum hat sich der Absatz von Pelletfeuerungen dieses Jahr so stark erhöht?

Schmidt-Menig: Das stimmt, für das diesjährige Wachstum im ersten Halbjahr – wir reden immerhin von 150 Prozent Plus gegenüber 2019 – waren andere Dinge ausschlaggebend. Die Raus-aus-dem-Öl-Politik der Bundesregierung, die sich im aktuellen Gebäudeenergiegesetz mit einem Verbot ab 2026 manifestiert, war die Voraussetzung. Sie wurde mit einem besonders attraktiven Förderbonus gekoppelt. Wer die alte Ölheizung durch eine Pelletheizung ersetzt, bekommt 45 Prozent aller dabei anfallenden Investitionskosten ersetzt. Pellets sind damit vom ersten Tag an rentabel, was bei Heizungskunden bewirkt, dass sie erstmals seit langem wieder aktiv auf das Heizungsfachhandwerk zugehen.

Apropos Heizungsbauer – der DEPV spricht immer von der wichtigsten Zielgruppe, wenn es um das SHK-Handwerk geht.

Schmidt-Menig: Die Heizungsbauer sind die wichtigste Zielgruppe, denn sie haben einen entscheidenden Einfluss darauf, welches System ihre Kunden auswählen. Damit sie offensiv für Pellets argumentieren, müssen sie einiges darüber wissen – auf jeden Fall mehr als über die einfachen fossilen Optionen. Holz ist ein wunderbarer, klimafreundlicher Energieträger, aber auch ein wenig komplexer. Ein guter Heizungsbauer muss über die nachhaltige Herkunft von Pellets und Hackschnitzeln genauso Bescheid wissen wie über die Feuerungstechnik und das Zusammenspiel von Heizung und Lager.

Dafür bietet das DEPI spezielle Schulungen zum „Pelletfachbetrieb“ an.

Schmidt-Menig: Ja, wir haben schon 2010 angefangen, eine entsprechende Fortbildung zu entwickeln. Unter www.pelletfachbetrieb.de werden auf Pellets und Holzfeuerungen spezialisierte Fachbetriebe nach Postleitzahlen und Entfernung gelistet, so dass interessierte Verbraucher einen passenden Handwerker finden. Das Interesse der Betriebe an dieser Qualifi-zierung ist dieses Jahr wieder deutlich angestiegen. Darüber hinaus entwickeln wir zusammen mit dem Wärmepumpenverband BWP E-Learning-Module für SHK-Azubis. Für Berufsschullehrer ist unser digitales Angebot eine einfache Möglichkeit, Erneuerbare Wärme in den Unterricht zu integrieren.

Sind Sie denn mit der Pelletproduktion in Deutschland auf der sicheren Seite, wenn demnächst deutlich mehr Heizungen versorgt werden wollen?

Schmidt-Menig: Das sind wir, denn mit 2,8 Mio. Tonnen produzierten Pellets im Jahr 2019 sind wir weltweit die Nummer 1, was Premiumpellets für den Wärmemarkt angeht. Dieses Jahr werden wir die 3-Millionen-Marke wohl übertreffen. Deutschland ist aufgrund seines Holzreichtums und der großen Anzahl an Sägewerken ein richtiges Pelletland. Die beim Sägen anfallenden riesigen Mengen an Reststoffen wie Sägemehl und Späne können auch noch deutlich mehr Pelletheizungen versorgen als heute.

Wie wirkt sich der positive Markt auf die mittelfristige Wachstumsprognose aus?

Schmidt-Menig: Der DEPV hat im Frühjahr 2020 die 500.000ste Pelletheizung vorgestellt. In den nächsten Jahren müssen noch über 5 Mio. Ölheizungen ersetzt werden. Wir haben also eine gute Perspektive, mit Pelletheizungen und anderen modernen Holzfeuerungen davon einen großen Anteil zu ersetzen. Das heißt, bis zur einmillionsten Pelletfeuerung in Deutschland soll es deutlich schneller gehen. Bei der aktuellen Wachstumsgeschwindigkeit visieren wir 2030 an.

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