Der Wohnungsbau wird zum immer größeren Hindernislauf

Der ehrenamtliche BFW-Präsident Andreas Ibel äußert sich zu aktuellen Themen aus der Wohnungswirtschaft.

Die Spirale bei den Baukosten dreht sich immer weiter in ungeahnte Höhen. Vor wenigen Wochen hat das statistische Bundesamt gemeldet, dass die Baukosten gegenüber dem Vorjahr um fast fünf Prozent gestiegen seien. Die Realität ist sogar noch düsterer, da der klassische Baupreisindex die tatsächliche Kostenentwicklung gar nicht abbildet: ordnungsrechtliche Vorgaben und gestiegene Qualitätsansprüche sind hier noch nicht eingerechnet.

Auch der Fachkräftemangel treibt die Gestehungskosten nach oben. Der ist zwar nicht neu, verschärft sich aber stetig weiter. In unserer aktuellen BFW-Mitgliederumfrage haben rund 80 % der befragten mittelständischen Immobilienunternehmen angegeben, dass es immer schwieriger wird, Fachplaner und Baufirmen zu finden. So erleben wir es alle – und auch mir geht es so – tagtäglich bei unseren Projekten, sei es beim Neubau, bei der Sanierung oder bei der Instandhaltung unserer Immobilienbestände.

Der Fachkräftemangel wird deshalb nicht nur zum Kostentreiber, sondern auch zur immer größeren Sanierungs- und Neubaubremse. Und er ist einer von mehreren Gründen, warum in den Ballungszentren in den letzten drei Jahren gerade einmal 71 % der benötigten Wohnungen gebaut werden konnten (IW-Studie). Hier zeigen sich die politischen Versäumnisse der vergangenen Jahre. Denn wie kann die Immobilien- und Bauwirtschaft langfristig in die Ausbildung des Nachwuchses investieren, wenn die sich permanent ändernden, miet- und bauordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen den Unternehmen jede Planungssicherheit nehmen?

Kurzum: Der Wohnungsbau wird zum immer größeren Hindernislauf. In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung ihre guten Ansätze zur Förderung von bezahlbarem Neubau mit immer schärferen Eingriffen ins Miet- und Ordnungsrecht selbst ausgebremst. Wer gleichzeitig aufs Gas und auf die Bremse tritt, kommt nicht vom Fleck!

Angesichts des Kostenanstiegs, des Fachkräftemangels und des wachsenden Regulierungsdschungels ist klar: So werden wir weder die Anforderungen des demografischen Wandels, noch die notwendigen energetischen Anpassungen unserer Bestände meistern. Um diese Herausforderungen zu stemmen, müsste die Bundesregierung die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört die Abkehr von immer schärferen Eingriffen in das Miet- und Ordnungsrecht. Vor allem aber brauchen wir jetzt Vorfahrt für Bagger und Kräne, für Investitionen in den Umbau, den Neubau und für alle, die daran mitwirken!

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 1-2/2018

Baukostensenkung auch ohne Jamaika, GROKO & Co möglich

Vorwahlkampf, Sondierungsgespräche, Flucht aus „Jamaika“ und Überlegungen zur Neuauflage einer GROKO oder KOKO: Die Bundespolitik hat sich in den vergangenen Monaten überwiegend mit sich selbst...

mehr

…was schon Adenauer wusste!

„Wenn es nicht gelingt, das Privatkapital für den Wohnungsbau zu interessieren, ist eine Lösung des Wohnungsproblems unmöglich.“ Konrad Adenauer, erste Regierungserklärung vom 20. September 1949...

mehr
Ausgabe 1-2/2019

„Ein neuer Zusammenhalt für unser Land?“ So leider nicht!

Ein Blick zurück auf das vergangene Jahr erweckt den Eindruck: Der großen Koalition ist der wohnungspolitische Kompass verloren gegangen. Die Bundesregierung setzt beim Mietrecht weiter auf einen...

mehr
Ausgabe 12/2017

Wohntrends

Gebäude sind kein schnelllebiges Gut, kein „Hype“, keine Modeerscheinung. Deshalb müssen wir uns schon jetzt damit befassen, wie sich unser Leben entwickeln wird. Der demografische Wandel, die...

mehr

Bezahlbarer Neubau wird zur Quadratur des Kreises

Im Juni wird die Baulandkommission des Bundesbauministeriums ihren Abschlussbericht vorstellen. Doch fest steht schon jetzt: Bei schönen Worten dürfen es Bund, Länder und vor allem Kommunen...

mehr