Bauen im Bestand

Dachsanierung mit System

Im Crailsheimer Fliegerhorst wurden 4.800 m² Steildachfläche energetisch saniert. Das eingesetzte Dachsystem macht die vorhandenen Sozialwohnungen komfortabel und lässt neuen Wohnraum im Dachgeschoss entstehen. Besonderheit: im Traufbereich wurden auch 65 Fledermaushabitate eingerichtet.

Der ehemalige Fliegerhorst Crailsheim ist wenig bekannt, vermutlich weil er nie die Heimat eines bekannten Geschwaders war und keine bedeutende Rolle im Zweiten Weltkrieg gespielt hatte. 1935 erbaut, wurden hier 1938 das Fliegerausbildungsregiment, später Einsatzverbände stationiert. Nach dem Krieg wohnten dort Flüchtlinge und wohnungslose Crailsheimer. Heute beherbergt der Gebäudekomplex Sozialwohnungen.

Als Matthias Weinrich, freier Architekt und Stadtplaner, von der Stadt Crailsheim den Auftrag zur energetischen Sanierung der Dachflächen erhielt, holte er sich direkt die Unterstützung von Bauder. „Bei einer energetischen Sanierung lassen sich im Dachbereich mit einer effizienten Dämmung 30 bis 40 % Energie einsparen. Bei 4.800 m² Dachflächen ist das eine bemerkenswert große Menge“, so der Crailsheimer Architekt. „Dämmsystem und Materialwahl werden zur bedeutenden Entscheidung für mehrere Jahrzehnte.“ Auf Basis der Dachdaten erörterten Architekt und Steildachfachberater Tim Bauder den Dachaufbau und der Hersteller von Dachsystemen erstellte das Leistungsverzeichnis für die komplette Sanierung mit allen Positionen für Ausschreibung und Auftragsvergabe. „Die Beratung von Anfang an ist der ideale Verlauf einer Dachsanierung“, so der Fachberater. „Wir kennen Dämmung in allen Details und betreuen Bauherr, Architekt und Dachdecker während der gesamten Bauzeit.“

Aufsparrendämmung mit Polyurethan-Hartschaum

Da die Ziegeleindeckung ohnehin erneuert werden musste, das Dachgeschoss teilweise bewohnt war und neuer komfortabler Wohnraum unter dem Dach dazugewonnen werden konnte, entschieden sich Bauherr, Architekt und Fachberater für die Aufsparrendämmung. Bei dieser bauphysikalisch besten Dämmmethode wird über die gesamte Dachfläche von außen eine geschlossene Haube aus Dämmelementen verlegt, die sowohl den Wohnraum als auch die Dachkonstruktion schützt. Die Holzquerschnitte der Sparren bleiben unverändert und Wärmebrücken durch Sparren und Zwischenwände entfallen. Alle Bauteile liegen im trockenen Bereich und die gesamte Dachkonstruktion ist optimal gegen Feuchtigkeit geschützt. Darunter liegende Räume werden nicht beeinträchtigt.

4.800 m² gut gedämmte Dachflächen sparen viel Energie. Bei einer so großen Fläche lohnt sich eine sehr genaue Materialwahl: eine besonders sichere und leichte Dampfsperre, leichtes PIR mit großen Platten – das spart Kraft, Zeit und Kosten. Vor allem in einem schlechten Sommer mit langanhaltenden Schlechtwetterphasen war jede Erleichterung und Beschleunigung zwischen den Regenfällen eine große Hilfe.

Die Zorbauer Dachdecker GmbH aus Lützen erhielt den Auftrag. Im Juni 2014 konnte mit den Arbeiten auf dem Fliegerhorst begonnen werden – direkt mit einer Änderung: eine Fledermauskolonie vereitelte die geplante Vorgehensweise und die Dachdecker mussten am anderen Ende des Gebäudekomplexes beginnen. Stück für Stück trugen täglich fünf bis sechs Handwerker die alte Eindeckung ab, erneuerten die Traufe und glichen mit neuen OSB-Holzwerkstoffplatten als Schalung Unebenheiten der alten Sparren aus. Darauf verlegten sie als luftdichte und dampfbremsende Schicht die Unterdeckbahn Bauder TOP TS 75 NSK (75 m² je Bahn), darauf wiederum die Wärmedämmelemente BauderPIR PLUS. Auch die für eine Sanierung zu maroden Dachgauben wurden entfernt und durch moderne Dachfenster ersetzt. Mit Aufschieblingen erreichte der Architekt eine flachere Dachneigung im Traufbereich, was die großen Dachflächen schwungvoller wirken lässt und das Dach viel gefälliger macht.

Extraleichte Unterdeckbahn im XXL-Format

Schnell und unkompliziert ging das Verlegen der Bitumen-Unterdeckbahn auf den OSB-Holzwerkstoffplatten, denn mit 60 m Länge und 1,25 m Breite ist sie sechs Mal länger und um ein Viertel breiter als übliche Bitumen-Unterdeckbahnen. Das erspart bei großen Flächen Material und Zeit, da viel weniger Stöße verbunden werden müssen. „Auf der riesigen Steildachfläche war auch das geringe Gewicht der Bahn ein großer Vorteil“, so der Fachberater. „Mit einem Flächengewicht von nur 230 g/m² ist die robuste Bitumenbahn rund 80% leichter und damit leichter zu transportieren und zu leichter zu verlegen als eine schwere herkömmliche V13.“ Dank der Nahtselbstklebestreifen konnten die Längsnähte durch Abziehen der Schutzfolie und Andrücken der Klebefläche besonders schnell und sicher verschlossen werden. Stück für Stück, Bahn für Bahn, bei wetterbedingt durchschnittlichen täglichen Abschnitten von rund 200 m².

Für dauerhafte Luftdichtigkeit wurden alle Details an Traufe und Ortgang, an den Wohndachfenstern, Kaminen und anderen Durchdringungen sorgfältig mit dem Multifunktions-Klebeband BauderTape luftdicht verklebt. Mit dem Kartuschenkleber BauderColl wurde die Bahn sicher an Massivbauteile angeschlossen.

Hochleistungsdämmstoff für ganzjähriges Wohlfühlklima

Am einfachsten lässt sich die Aufsparrendämmung mit selbsttragenden, formstabilen leichten PU-Wärmedämmelementen umsetzen. Dabei zeichnen sich die eingesetzten Hochleistungs-Wärmedämmelemente aus Polyiso-Hartschaum durch höchste Dämmleistung WLS 023 bei geringster Dämmstoffdicke aus. „Die Dämmstoffwahl fiel auf 160 mm starkes BauderPIR PLUS, weil es besonders robust und sehr leicht zu verarbeiten ist und dabei die beste Dämmkraft besitzt“, erklärt Tim Bauder. „Das sollte keine Frage sein, wenn es um große Projekte und dauerhafte Sicherheit geht.“

Mit den 1,20 x 1,80 m großen, leichten Platten füllten sich die Flächen zügig. Das Zorbauer-Team fügte Platte an Platte mit dem umlaufenden leichtgängigen Spezial-Nut-und-Federsystem rasch und wärmebrückenfrei aneinander. Nach dem Verkleben der Stöße mit Hilfe der 10 cm breiten selbstklebenden Horizontal- und Vertikalüberlappungen war die gedämmte Fläche dann sofort winddicht und regensicher. Das hat sich auf den riesigen Dachflächen des Fliegerhorstes gelohnt, denn das Dach konnte wegen schlechten Wetters Wochen lang nicht eingedeckt werden. Für die robusten PIR-Wärmedämmelemente kein Problem, halten sie doch selbst ohne Ziegeleindeckung schwerstem Hagelschlag stand und schützen sicher vor eindringender Feuchtigkeit.

Stark im System – sicher im Detail

Die im First-, Kehl- und Gratbereich durch zugeschnittene Dämmplatten entstandenen Fugen wurden mit PUR-Montageschaum ausgeschäumt. Dann schützten die Dachdecker die Firstschnittkante und alle Schnittstellen an Graten und Kehlen mit BauderTEC PMK Streifen vor Feuchtigkeit. Auch alle Fugen, die beim Anpassen der Dämmelemente bei Durchbrüchen und Anschlüssen beispielsweise an die neuen Dachfenster entstanden, wurden sorgfältig mit PUR-Montageschaum ausgeschäumt und mit den selbstklebenden Streifen abgeklebt.

Nach der Verlegung von zwei bis drei Dämmstoffreihen wurde die Aufsparrendämmung gemäß der von Bauder erstellten Statikempfehlung sicher befestigt. Zur statischen Lastabtragung wurden BauderPIR Systemschrauben unter einem Winkel von 60° gegen Dachschub und 90° gegen Windsog durch Konterlatte und Dämmstoff hindurch in die Sparren eingedreht.

In Crailsheim ist ein eindrucksvolles Gebäude mit einem hervorragenden U-Wert von 0,14 W/m2K entstanden. 48 Sozialwohnungen und 28 Unterkünfte für Obdachlose und Asylanten wurden komfortabler, weitere 30 Wohnungen können im Dachgeschoss entstehen.

Doch nicht genug: für den weggefallenen Dachraum mussten Ersatzräume für die unter Naturschutz stehenden Fledermäuse gefunden werden. Gemeinsam mit einem Biologen wurde ein Vorschlag ausgearbeitet, der zu einer Idee für Fledermausbehausungen im Bereich der Traufe weiterentwickelt wurde. Für je rund 10 Tiere entstanden zwischen den Sparren 65 knapp 70 cm breite Quartiere. Jetzt hoffen die Beteiligten, dass sich die bei Baubeginn ausgeflogenen Fledermäuse nach Einkehr von dauerhafter Ruhe in den neugeschaffenen Habitaten wieder ansiedeln.

Bei der Aufsparrendämmung wird über die gesamte Dachfläche von außen eine geschlossene Haube aus Dämmelementen verlegt.

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