Trinkwasser-Installationen

Bis zur letzten Zapfstelle aus Edelstahl

Wo einst Container verladen wurden und tonnenschwere Eisenbahnwaggons über ein weit verzweigtes Schienennetz ratterten, entsteht in Berlin-Moabit jetzt ein neues Wohnquartier: die „Europacity Riverside“. Auffällig ist bei diesem Großvorhaben der durchgängig hohe Qualitätsanspruch – bis ins letzte Detail. Die Trinkwasser-Installationen sind etwa bis zur letzten Zapfstelle in Edelstahl ausgeführt. Auf der Etage war das besonders schnell und wirtschaftlich mit dem flexiblen Rohrleitungssystem „Raxinox“ von Viega umzusetzen.

Ein kurzer Rückblick: Noch nicht einmal 15 Jahre ist es her, da wurden in Berlin-Marzahn elfgeschossige „Platten“ zurückgebaut, auf nur noch drei bis sechs Etagen. Der Grund: mangelnde Nachfrage nach Wohnraum. Seitdem ist Berlin aber förmlich explodiert. Zur Jahrtausendwende hatte die Stadt 3,38 Millionen Einwohner, Mitte 2018 waren es bereits 3,61 Millionen. Das hat den Wohnungsmarkt an seine Grenzen gebracht – und spiegelt sich in den Mieten wider: Ende 2005 wurden im Schnitt pro Quadratmeter 4,88 Euro gezahlt, Ende 2018 waren es knapp 10 Euro (Quelle: statista). Und das trotz der immensen Bauaktivitäten, die für jeden Berlin-Besucher schon weithin an dem Dschungel aus Baukränen sichtbar werden.

Mehr als ein halbes Dutzend davon steht aktuell im Stadtteil Moabit, wo zwischen Heidestraße und dem Hohenzollernkanal ein neues Quartier aus dem märkischen Sand gestampft wird, die „Europacity Riverside“. Das rund 85.000 m² große Areal am historischen Kornversuchsspeicher wird im Westen mit insgesamt zehn zusammenhängenden Gebäuden gestaltet. Mehr als 100.000 m² sind darin als Büro- und Gewerbeflächen verplant, hinzu kommen etwa 860 Mietwohnungen. Auf der anderen Seite der Heidestraße entstehen weitere sechs Gebäudekomplexe ebenfalls gemischter Nutzung, also mit Hotel, Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss sowie fast 1.000 weiteren Wohnungen.

Obwohl es sich um ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Entwicklungsprojekt handelt, wurde schon mit Beginn der Vorplanung auf eine bemerkenswert hohe Qualität in allen Realisierungsphasen geachtet. An der Heidestraße solle nämlich, so Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im Rahmen der Grundsteinlegung, erstmals eine „neue Berliner Mischung“ entstehen, die „komplexe funktionale, ökonomische, soziale und auch ökologische Anforderungen“ meistere. 

Abzulesen ist die angestrebte Qualität dabei nicht nur an der strukturell aufgebrochenen Gliederung des Baufeldes, sondern beispielsweise genauso an der Fassadengestaltung, an der Durchmischung der Wohnflächen oder an der Bauausführung selbst und der hochwertigen Ausstattung der Wohnungen.

Logistik als Herausforderung

Eine Herausforderung ist die Logistik auf dieser Großbaustelle. Ein solches Projekt in nur gut 18 Monaten vom ersten Spatenstich bis zur Übergabe zu stemmen, setzt feinst abgestimmte Abläufe mit perfekter Koordination voraus. „Allein für die Gewerke Sanitär und Heizung sind aktuell beispielsweise rund 50 Monteure auf der Baustelle“, sagt TGA-Bauleiter Fred Grimm. Just in time installieren sie, was ihnen von den diversen Großhändlern der Bundeshauptstadt bedarfsgerecht angeliefert wird. Bei den Sanitär- und Heizungsinstallationen sind das zum Beispiel fast durchweg Rohrleitungssysteme von Viega, die von den SHK-Unternehmen „Kossack HSL GmbH“ aus Wiesengrund und „Trojan Haustechnik“ aus Berlin installiert werden.

Ein Grund dafür: Mehrere Tausend Meter Rohr in den Dimensionen passgenau auf die Baustelle zu bekommen, setzt ein entsprechendes Timing mit möglichst wenig Schnittstellen voraus – und einen Hersteller, der sowohl die unterschiedlichsten Dimensionen (von DN 100 bis DN 16) als auch die zehntausende Verbinder entsprechend beistellen kann.

Ein anderer Grund: Der Wunsch des Bauherrn, die gesamte Installation vom Hauseingang bis zur letzten Zapfstelle in Edelstahl auszuführen. „Das kann als Systemanbieter in dieser Form nur Viega“, so Fred Grimm: „Denn die Herausforderungen sind dabei ja nicht die Hauptverteilleitungen und die Steigestränge aus starrem Edelstahlrohr, sondern die Anbindeleitungen auf der Etage. Die sollten auch aus Edelstahl sein, aber aus wirtschaftlichen Gründen flexibel von der Rolle. Und die bietet mit dem System ,Raxinox‘ eben nur Viega.“

Das Gesamtpaket der werkstoffreinen Installation für die komplette Trinkwasser-Installation war dabei so überzeugend, dass sogar die ursprüngliche Ausschreibung nochmals geändert wurde. Die sah nämlich, wie bis dato üblich, auch die Anbindeleitungen auf den Etagen aus starrem Edelstahlmaterial vor: „Die wirtschaftlichen Vorteile durch das flexible Material von der Rolle, also viel weniger Verbinder und eine deutlich schnellere Installation, waren aber so hoch, dass hier jetzt ausnahmslos ,Raxinox‘ verarbeitet wird.“

Einfache Verarbeitung überzeugte

Für die Fachhandwerker war das zwar eine Umstellung, denn „Edelstahl und flexibles Rohr, das ging für uns auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen“, erinnert sich Fachhandwerker Rene Ketzmerick von „Kossack HSL“: „Am Ende hat uns aber überzeugt, dass dieses Rohr trotz des Edelstahl-Inliners genauso einfach zu verarbeiten ist wie die herkömmlichen Mehrschichtverbundrohre, die wir von anderen Baustellen kennen.“

In der Praxis bedeutet das also, dass das im Bund angelieferte Rohr wie bei flexiblen Rohrleitungssystemen üblich ohne großen Aufwand vom Steigestrang in der Vorwand auf der Etage zu den Verbrauchern gezogen wird. Dann passgenau ablängen, abrunden sowie verpressen – „schneller und wirtschaftlicher lassen sich Edelstahl-Trinkwasser-Anlagen wohl nicht installieren“, bewertet entsprechend auch Fred Grimm das innovative Rohrleitungssystem von Viega.

Als weiteren Verarbeitungsvorteil schätzt er zudem die SC-Contur, die auch bei den Verbindern des Rohrleitungssystems „Raxinox“ obligatorisch ist. Diese Zwangsundichtheit im unverpressten Zustand zeigt jeden versehentlich nicht verpressten Verbinder schon beim Befüllen bzw. bei der Dichtheitsprüfung der Trinkwasser-Anlage auf. Nach dem Verpressen ist die Verbindung dann zuverlässig dicht. Fred Grimm: „Die hohen Qualitätsstandards der Ausstattung werden bei diesem Bauvorhaben natürlich auch in der Ausführung erwartet. Entsprechend sind wir im Team täglich auf der Baustelle unterwegs und halten die Installationsfortschritte per Tablet-PC sogar inklusive Bildern fest.“ Über eine spezielle Software entsteht so eine lückenlose Dokumentation, die auch später keine Fragen mehr offen lässt.

Die Dichtheitsprüfung der Trinkwasser-Anlage wird im Übrigen per trockener Druckluft abschnittsweise vorgenommen. Kurz vor der Inbetriebnahme der Gebäude wird das Rohrleitungsnetz dann gespült, beprobt und der „bestimmungsgemäße Betrieb“ händisch so lange sichergestellt, bis die Beprobungsergebnisse vorliegen. Erst dann – und natürlich bei einwandfreiem Befund – wird die Trinkwasser-Anlage an den Bauherrn bzw. die Nutzer übergeben. Fred Grimm: „Damit sind wir auf jeden Fall auf der sicheren Seite, was die trinkwasserhygienischen Aspekte der Installation angeht.“

Weitere Informationen unter

www.quartier-heidestrasse.com
www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/projekte/
www.viega.de

Das Gesamtpaket der werkstoffreinen Installation für die komplette Trinkwasser-Installation war so überzeugend, dass sogar die ursprüngliche Ausschreibung nochmals geändert wurde.

Trockene Dichtheitsprüfung ist Standard

Bei größeren Bauvorhaben wird eine Trinkwasser-Anlage häufig in Teilschritten installiert, oftmals sogar aufgeteilt in mehrere Lose, die an verschiedene Fachhandwerker vergeben werden. Bei solchen Projekten ist die trockene Dichtheitsprüfung der Standard. Dazu wird die Rohrleitungsinstallation abschnittsweise mit ölfreier Druckluft oder Inertgas beaufschlagt. Das ZVSHK-Merkblatt dazu gibt einen Prüfdruckbereich von 22 mbar bis 3,0 bar vor. Die Prüfdauer bis 100 l Leitungsvolumen beträgt 30 Minuten. Bei größeren Leitungsvolumina muss der Prüfdruck pro weitere 100 l Volumen jeweils 10 Minuten länger anliegen.

Vom DVGW zertifizierte Pressverbinder für Trinkwasser-Installationen weisen eine Zwangsundichtheit im unverpressten Zustand innerhalb dieses Druckbereichs auf. Wurde ein Verbinder versehentlich nicht verpresst, ist somit am Manometer ein Druckabfall zu erkennen. Pressverbinder sind in der Regel zudem mit Markierungen versehen, die erkennen lassen, welche Stelle nicht verpresst wurde. Darüber hinaus macht ein geeignetes Lecksuchspray austretendes Gas bzw. Druckluft offensichtlich.

Dr. Christian Schauer, Trinkwasserexperte bei Viega: „Viega-Verbinder haben die sogenannte SC-Contur. Das ist eine konstruktive Zwangsundichtheit im unverpressten Zustand, die über die Kontur des Verbinders erreicht wird. Dadurch ist die Zwangsundichtheit unserer Verbinder unabhängig von der Bauhöhe immer über den gesamten normativen Prüfdruckbereich hinweg gewährleistet, bei der trockenen wie bei der nassen Dichtheitsprüfung. Verbinder mit versehentlich vergessenen Verpressungen fallen also am Druckmanometer auf jeden Fall auf.“

Um aber selbst kleinste Leckagen zuverlässig zu erkennen, sollte für die Dichtheitsprüfung generell ein Manometer mit einer Skala von 0,1 bar gewählt werden, rät der Trinkwasserexperte.
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