Baukostensenkung auch ohne Jamaika, GROKO & Co möglich

Der ehrenamtliche BFW-Präsident Andreas Ibel äußert sich zu aktuellen Themen aus der Wohnungswirtschaft.

Vorwahlkampf, Sondierungsgespräche, Flucht aus „Jamaika“ und Überlegungen zur Neuauflage einer GROKO oder KOKO: Die Bundespolitik hat sich in den vergangenen Monaten überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Dadurch hat sie der Immobilienwirtschaft unbeabsichtigt etwas beschert, was diese lange von der Politik gefordert hat: Einfach mal innehalten. Keine neue Vorschriften oder Lasten, keine permanenten Novellen, welche die Bauprozesse weiter erschweren und verteuern. Stattdessen haben alle Akteure nun Zeit gewonnen. Zeit, die es zu nutzen gilt, um Prozesse zu analysieren, zu verbessern und letztendlich Kosten zu optimieren.

Als hätte der Hamburger Senat diese Situation geahnt, hat dieser im Oktober 2017 das  „Gutachten zum Thema Baukosten in Hamburg“ von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel veröffentlicht. Schon beim Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen war und ist die Hansestadt der Bundesebene durch die Einbindung verschiedener Fachsenatoren und des Bürgermeister weit voraus. Mit dem Gutachten der Kieler haben die Hamburger ihre Führungsrolle nochmals bestätigt. 

Denn man hat darin nicht nur 169 abgerechnete Bauvorhaben mit 8.540 Wohneinheiten ausgewertet, die Mediankosten von 2727,87 € (Hamburg) bzw. 2.644,94 € (andere Großstädte) pro Quadratmeter Wohnfläche aufweisen.

Unter dem Leitgedanken „Bauen für 1.800 € in Hamburg“ hat die Arge auch gegenübergestellt, was Projekte mit besonders niedrigen Baukosten von Projekten mit Baukosten im Medianbereich unterscheidet. Ein besseres Tool, um die geschaffenen Rahmenbedingungen zu hinterfragen, dürfte es derzeit nicht geben.

Garanten für kostengünstiges Bauen sind demnach die Errichtung einer größeren Zahl kompakter Baukörper in Einzelvergabe ohne zusätzliche administrative oder grundstückbezogene Anforderungen. Unabdingbar ist auch ein reduziertes Volumen an Mehrkosten für zusätzliche bauliche Qualitäten wie besondere Fassadengestaltung, Barrierefreiheit oder Energieeffizienz.

Die Politiker, Kommunen, Bezirke und Bauämter, die diese Zusammen-

hänge kennen und beachten, könnten

bezahlbares Bauen und Wohnen nicht nur fordern, sondern sogar ermöglichen. Länder und Kommunen müssen also nicht abwarten, wer, wann ein wie auch immer ausgestaltetes Ministerium auf Bundesebene übernimmt. Wir alle sollten diese Zeit gemeinsam nutzen!

Die Studie der ARGE Kiel kann übrigens im Internet unter http://www.arge-sh.de zum Download heruntergeladen werden.

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 1-2/2019

„Ein neuer Zusammenhalt für unser Land?“ So leider nicht!

Ein Blick zurück auf das vergangene Jahr erweckt den Eindruck: Der großen Koalition ist der wohnungspolitische Kompass verloren gegangen. Die Bundesregierung setzt beim Mietrecht weiter auf einen...

mehr
Ausgabe 12/2017

Wohntrends

Gebäude sind kein schnelllebiges Gut, kein „Hype“, keine Modeerscheinung. Deshalb müssen wir uns schon jetzt damit befassen, wie sich unser Leben entwickeln wird. Der demografische Wandel, die...

mehr
Ausgabe 03/2019

Zusammenarbeit statt ideologische Grabenkämpfe

1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021: Das ist das Ziel der Bundesregierung. Dagegen kann wohl niemand ernsthaft etwas haben, sollte man meinen! Angesichts des wachsenden Regulierungsdschungels,...

mehr
Ausgabe 03/2018

GroKo 3.0: Licht und Schatten im Koalitionsvertrag

Licht und Schatten liegen eng beinander im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Mit dem Baukindergeld, der Einführung der degressiven AfA in den Ballungsgebieten und der Verlängerung der Mittel für...

mehr
Ausgabe 04/2019

Reform der Grundsteuer: Neustart statt Fehlstart!

Die Zeit läuft: Laut Bundesverfassungsgericht muss die Grundsteuer bis Jahresende reformiert werden, damit sie als Finanzierungsgrundlage für die Kommunen gesichert bleibt. Das bedeutet im...

mehr