Außenabdichtung

Abdichtung erdberührter Bauteile im Neubau

Die außenseitige Abdichtung von erdberührten Bauteilen zählt zu den Arbeiten mit hohem Bauschadenspotenzial. Entsprechend wichtig ist eine sorgfältige Ausführung und Qualitätskontrolle. Eine sichere Abdichtung beginnt mit der Bestimmung des Lastfalls und der Auswahl des entsprechenden Abdichtungsstoffes.

Seit Aufteilung der DIN 18195 in Einzelnormen im vergangenen Jahr wird die Abdichtung von erdberührten Bauteilen in der DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ geregelt. Diese beschreibt die Ausführung der Abdichtung von nicht wasserdichten erdberührten Bauwerken oder Bauteilen mit bahnenförmigen und flüssig aufzubringenden Abdichtungsstoffen im Neubau.

Dies umfasst auch die bewährte Bauweise mit Kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen, die seit Erscheinen der neuen Norm als PMBC (Polymer-modified-bitumen-coating) bezeichnet werden. PMBC werden aufgrund der sicheren Verarbeitung ohne Nähte und Fugen sowie aufgrund des vollflächigen Haftverbunds zum Untergrund seit vielen Jahren erfolgreich in der erdberührten Bauwerksabdichtung eingesetzt.

Wasserbelastung richtig ermitteln

Eine der häufigsten Ursachen für Schäden an Abdichtungen ist die falsche Beurteilung der Wasserbelastung. Im ersten Schritt ist daher die genaue Untersuchung von Bodenverhältnissen, Konstruktion und Bemessungswasserstand erforderlich. Auch die Lage des Gebäudes, die Einbindetiefe und die Möglichkeit zur Dränung des Baugrunds sind zu berücksichtigen. Aus diesen Angaben kann die zu erwartende Wasserbelastung abgeleitet werden.

In der DIN 18533 werden folgende Wasserbeanspruchungsklassen definiert:

W1-E: Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser

– Sonderfall W1.1-E: Bodenfeuchte mit Bodenplatte

– Sonderfall W1.2-E: Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei erdberührten Wänden und Bodenplatten

W2-E: Drückendes Wasser 

– W2.1-E: mäßige Einwirkung

– W2.2-E: hohe Einwirkung

W3-E: nicht drückendes Wasser auf erdberührten Decken 

W4-E: Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden  

Bestimmung von Riss- und Raumnutzungsklassen

Zusätzlich sollten bei der Planung der Abdichtungskonstruktion auch Risse aus dem Untergrund und die Leistungsfähigkeit der Abdichtung (Rissüberbrückungsfähigkeit) berücksichtigt werden. Die Untergründe werden nach der DIN 18533 je nach Aufweitung in Rissklassen unterteilt:

– R1-E: gering, Rissbreitenänderung ≤ 0,2 mm 

– R2-E: Rissbreitenänderung ≤ 0,5 mm

– R3-E: hoch, Rissbreitenänderung ≤ 1 mm

– R4-E: sehr hoch, Rissbreitenänderung ≤ 5 mm (Rissversatz ≤ 2 mm)

Die neue Norm hat zudem Raumnutzungsklassen eingeführt. Dadurch fließen die unterschiedlichen Anforderungen an die Trockenheit erdberührter Räume in die Planung mit ein:

– RN1 – E: die Anforderung an Trockenheit der Räume ist gering, z. B. Werkstätten oder Lagerräume

– RN2 – E: die übliche Anforderung an die Trockenheit z.B. Wohnräume

– RN3 – E: hohe Anforderung an die Trockenheit z.B. Archiv; EDV Räume

Den verschiedenen Abdichtungsbauarten lassen sich, abhängig von der Art der Abdichtung und ihrer Leistungsfähigkeit, folgende Rissüberbrückungsklassen zuordnen:

– RÜ 1-E: geringe Rissüberbrückung 

<= 0,2 mm

– RÜ 2-E: mäßige Rissüberbrückung 

<= 0,5 mm

–  RÜ 3-E: hohe Rissüberbrückung 

<= 1,0  mm mit einem Rissversatz 

<= 0,5 mm

– RÜ 4-E: sehr hohe Rissüberbrückung 

<= 5,0  mm mit einem Rissversatz 

<= 2,0 mm

Auf Basis dieser Klassifizierungen lässt sich die für das jeweilige Bauvorhaben geeignete Abdichtungsbauart identifizieren (s. Tabelle).

Die richtige Untergrundvorbereitung

Bevor mit den Abdichtungsarbeiten begonnen werden kann, sollte der Untergrund gründlich geprüft werden. Um seine Funktion als Dichtungsträger zuverlässig zu übernehmen, muss er ausreichend tragfähig, eben, fest, formbeständig und vor allem sauber, trocken und frei von allen haftungsmindernden Bestandteilen sein. Fugen, Durchdringungen und Anschlüsse werden bei falscher Ausführung schnell zum Schwachpunkt der Bauwerksabdichtung. Trenn- und Bewegungsfugen an Gebäuden lassen sich mit bitumenverträglichen Fugenabdichtbändern sicher ausbilden. Die Abdichtung von Durchdringungen wird abhängig vom vorliegenden Lastfall ausgeführt.

Genormter Übergang von Bodenplatte zu Kellerwand

Bei Kelleraußenwänden aus Mauerwerk sollte mindestens eine Querschnittsabdichtung aus Bitumenbahnen (R500) oder bitumenverträglichen Kunststoffdichtungsbahnen zum Einsatz kommen. Diese werden in der Regel in Höhe der Bodenplatten, unterhalb der ersten Steinlage angeordnet. In der Baupraxis werden alternativ flexible Dichtungsschlämmen unter Wänden eingesetzt. Sie besitzen eine gute Haftung zum Untergrund und können nicht von Wasser unterlaufen werden.

Im Anschlussbereich zwischen Bodenplatte und aufgehender Wand wird eine Hohlkehle mit einem mineralischen Hohlkehlenmörtel ausgebildet. Dieser verhindert, dass rückwärtige Feuchtigkeit die Flächenabdichtung aus PMBC in der Erhärtungsphase beschädigt. Alternativ ist die Ausführung der Hohlkehle mit einer zweikomponentigen Bitumendickbeschichtung möglich. Die Flächenabdichtung ist später über die Hohlkehle bis auf die Stirnfläche der Bodenplatte auszuführen.

Schnittstelle zu Folgegewerken: Der Sockelanschluss

Die Abdichtung des Sockels muss die Bauteile am Übergang zu der mit Spritzwasser beaufschlagten Sockelzone überlappend „unterfahren“. So wird sichergestellt, dass das an der Fassade ablaufende Wasser nur auf oder vor die Abdichtung laufen kann. Bei einem Wärmedämm-Verbundsystem kann diese Unterfahrung direkt mit der Bitumendickbeschichtung bis zur Oberkante des Spritzwasserbereichs ausgeführt werden. Bei einschaligem Mauerwerk hingegen wird zunächst eine flexible Dichtungsschlämme wie beispielsweise weber.tec Superflex D 2 im Spritzwasserbereich von circa 20 cm unter der Geländeoberkante bis 30 cm darüber direkt auf das Mauerwerk aufgetragen. Dies ist erforderlich, da die PMBC keinen tragfähigen Untergrund für die gängigen Putzbeschichtungen bildet. Danach erfolgt die Flächenabdichtung mit der PMBC von unten kommend bis zur Geländeoberkante bzw. der Unterkante des späteren Putzsystems.

Deutlich einfacher lässt sich die Sockelzone mit einer Reaktivabdichtung wie weber.tec Superflex D 24 herstellen. Ein solches Produkt ist bitumenfrei und damit überputzbar.

Nur mit umfassender Qualitätskontrolle: Die Flächenabdichtung

Nach der Fertigstellung der Detailpunkte und Grundierung der Fläche erfolgt eine porenfüllende Kratzspachtelung und nach Durchtrocknung der Auftrag der Flächenabdichtung aus PMBC. Je nach Lastfall muss zusätzlich eine Verstärkungseinlage vollflächig eingearbeitet werden. Abdichtungsarbeiten zählen zu den so genannten wichtigen und kritischen Arbeiten, die eine erhöhte Aufmerksamkeit und Bauüberwachungspflicht des Planers begründen. Die Mindeststandards sind in der DIN 18533 beschrieben: Demnach beträgt die Mindesttrockenschichtdicke, je nach Lastfall, bei Bodenfeuchte und nichtdrückendem Wasser (W1-E) 3 mm, bei mäßiger Einwirkung von drückendem Wasser, also Grundwasser bis maximal 3 m (W2.1-E), 4 mm. Die Eigenüberwachung erfolgt durch eine kontinuierliche Messung und Protokollierung der Nassschichtdicke. Dabei ist der Trockenrückstand der jeweiligen Dickbeschichtung zu berücksichtigen.

Schutzschichten zur Abwehr schädigender Einflüsse und Belastungen werden erst nach vollständiger Durchtrocknung der Abdichtungsschicht aufgebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass keine Punkt- und Linienlasten auftreten und keine Bewegungen beim Verfüllen der Baugrube auf die Abdichtung einwirken.

Geeignete Materialien sind zum Beispiel bahnenförmige, vlieskaschierte Schutzmatten aus Kunststoff. Sie stellen neben der Schutzwirkung eine filterstabile Dränmatte nach DIN 4095 dar. Werden Schutz-/ Drän-/ Wärmedämm-/ oder Kombinationsplatten verwendet, so müssen diese formstabil, eng gestoßen und fest auf dem geschützten Fundamentvorsprung aufstehen. Zugelassene Perimeterdämmplatten werden punktförmig, ab Lastfall W2.1-E (mäßige Einwirkung) vollflächig auf der durchgetrockneten Flächenabdichtung mit PMBC oder Reaktivabdichtung verklebt.

Fugen, Durchdringungen und Anschlüsse werden bei falscher Ausführung schnell zum Schwachpunkt der Bauwerksabdichtung.

Schutzschichten zur Abwehr schädigender Einflüsse und Belastungen werden erst nach vollständiger Durchtrocknung der Abdichtungsschicht aufgebracht.

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