Neue Wettbewerbsordnung sorgt für frischen Wind

Das BMVBS stellte kürzlich gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Bundesingenieurkammer (BIngK) die neue Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) vor. Ministerialdirektor Günther Hoffmann erläuterte „Intentionen und Neuregelungen der RPW 2013“. Nach drei Jahren Anwendungserfahrung mit der RPW 2008 habe man diese evaluiert, um zu sehen, „ob einzelne Wettbewerbsregeln verbesserungswürdig sind“. Die bislang gemachten Erfahrungen seien positiv. Der Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer (BAK), Dipl.-Ing. Joachim Brenncke, hob die Bedeutung von Wettbewerben für junge und kleine Büros hervor. Für diese sei es oft die einzige Möglichkeit, sich in der Masse der Anbieter für geistig-schöpferische Leistungen hervorzuheben. In Deutschland gibt es 125 000 eingetragene Architekten, die Hälfte davon ist freiberuflich tätig. Ihr „geistiges Potenzial“ könne nur über Wettbewerbe genutzt werden.

Teamgeist ist gefragt

Von den interdisziplinären Wettbewerben, die in der RPW 2013 angesprochen sind, muss nach den Worten von Prof. Dr.-Ing. Hans Georg Reinke, Vorsitzender des BIngK -Wettbewerbsausschusses, noch viel mehr Gebrauch gemacht werden. Die Ingenieure übernähmen im Team mit den Architekten und Landschaftsplanern hierbei die Federführung. Zunehmend von Interesse sei auch das Bauen unter Betrieb und das Bauen im Bestand. Wettbewerbe zum Thema Nachhaltigkeit sind laut Reinke ebenfalls prädestiniert für interdisziplinäre Wettbewerbe.

Auch Auslober und Wettbewerbsberater kamen zu Wort: Dipl.-Ing. Michael Kasiske, Referent für Wettbewerbe und Sonderaufgaben im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), etwa berichtete über den „Offenen Wettbewerb für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales“, der im April 2013 abgeschlossen wurde. Kasiske erläuterte u.a. die Rahmenbedingungen, die im BBR zur Entscheidung geführt haben, für den Neubau des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) einen offenen einphasigen Wettbewerb durchzuführen.

Der Referatsleiter Hochschulbau im Hes­sischen Ministerium der Finanzen Guido Brennert schilderte von den Wettbewerbserfahrungen beim Hochschulbau.  Aufgrund des Entwicklungsprogramms HEUREKA sei man in der komfortablen Situation, 250 Mio. € pro Jahr von 2008 bis 2019 für Um- und Neubauten umsetzen zu können. Aus den Kommunen informierte Roland Wegricht, Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter des Lahn-Dill-Kreises, über den „Realisierungswettbewerb Berufliches Schulzentrum Wetzlar“. Das Zentrum wies massive Mängel im Bereich der Standsicherheit und des Brandschutzes auf. Da schnelles Handeln gefragt war, entschied sich der Kreis für einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb. Als privater Auslober berichtete Richard Adam von den Erfahrungen der Bayerischen Hausbau. Trotz Kosten, die dabei entstehen, ist der Leiter Baurechtschaffung von Planungswettbewerben überzeugt, „weil diese dazu beitragen, die optimalste Lösung zu erzielen.“

Als Wettbewerbsberater an der Seite der Auslober stellte Dipl.-Ing. Reinhard Drees vom Planungsbüro Drees & Huesmann Planer eine Verfahrensart vor, bei der der Auslober sich Teilnehmer ausguckt, die er für besonders qualifiziert hält. Ansonsten werden die Teilnehmer nach einem Bewerbungsverfahren gelost. Nach Auswertung aller Wettbewerbe durch sein Büro seien rund 80 % der Wettbewerbe, davon 85 % mit dem ersten Preisträger, realisiert worden. Die privatstatistischen Auswertungen machen aus Sicht von Drees deutlich, „dass die drei Vergabegrundprinzipien der Nichtdiskriminierung, der Transparenz und der Gleichbehandlung bei diesen Teilnahmeverfahren gewahrt bleiben“.

Gegen das von Drees vorgestellte Verfahren machte Karl-Heinz Collmeier, Leiter des Referats Allgemeine Angelegenheiten des Bauwesens im BMVBS, vergaberechtliche Bedenken geltend. Dem Auslosen von Teilnehmern, die einzig und allein die Qualifikation der Kammermitgliedschaft haben, stünde das europäische Vergaberecht entgegen, wonach das Losen nur als letztes Mittel zur Bewerberauswahl zulässig sei, wenn zuvor eine qualitative Auswahl stattgefunden habe.

BIngK-Vorstandsmitlgied Prof. Stephan Engelsmann plädierte zudem in seinem „Erfahrungsbericht aus Perspektive der Ingenieure“ für neue Wege im Wettbewerbswesen. Er forderte die Gleichberechtigung für die Ingenieure im Wettbewerbswesen. Der interdisziplinäre Wettbewerb solle der Regelfall des Wettbewerbs werden. Einen ausführlichen Bericht zur RPW-Einführungsveranstaltung gibt es unter www.bmvbs.de

Anne Knapschinsky,Technische Regierungsdirektorin

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