BFW-Analyse der Baugenehmigungszahlen: Warum ein Ende der Wohnungsknappheit nicht absehbar ist 

„Trotz steigender Baugenehmigungszahlen ist ein Ende der Wohnungsknappheit nicht absehbar. Mehrere Indikatoren lassen zudem befürchten, dass der Anstieg nur von kurzer Dauer sein könnte. Mit kosmetischen Korrekturen kann die GroKo hier keine Trendwende herbeiführen", kommentierte BFW-Präsident Andreas Ibel die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen von Januar bis September 2018. Demnach wurde in diesem Zeitraum der Bau von 233.000 Wohnungen genehmigt. Das waren 3,2 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bei seiner Prognose verwies Ibel auf die aktuelle Konjunkturumfrage unter den BFW-Mitgliedsunternehmen. Diese sind für rund 50 % des Wohnungsneubaus in Deutschland verantwortlich. „Fast 60 % der Befragten haben festgestellt, dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr weiter verschlechtert haben. Die größte Hürde ist laut 97 % die fehlende Verfügbarkeit von Baugrundstücken."

Auch die administrativen Hürden sind laut den Befragten im vergangenen Jahr noch größer geworden, so Ibel. Dabei führt jeder zweite die zeitaufwendige, bürokratische Kommunikation mit den Behörden in Verbindung mit sehr langen Planungs- und Genehmigungsverfahren auf.

Daneben wird der Mangel an Baukapazitäten zum immer größeren Hemmnis für den Wohnungsneubau. Rund drei Viertel der Befragten finden es schwieriger, auf dem Markt freie Kapazitäten – etwa Fachplaner und Baufirmen – zu finden. „Hier zeigt sich: Sowohl die Immobilien- als auch die Bauwirtschaft benötigen dringend stabile und langfristige Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, damit sie die notwendigen Investitionen in die Ausbildung von Nachwuchs vornehmen kann."

Mit den unrealistischen Fördergrenzen bei der Sonderabschreibung habe die GroKo jedoch eine Chance vertan, einen Impuls für mehr Neubau zu setzen. „Was wir für eine wirkliche Trendwende bei den Baugenehmigungen brauchen, ist der klare politische Willen für mehr Neubau – und zwar bei Bund, Ländern und Kommunen", forderte Ibel. „Jetzt müssen mehr Bauflächen aktiviert, die Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt und der Vorschriftendschungel gelichtet werden. Nur so erhalten Investoren und Bauträger jene Planungssicherheit, die sie für Investitionen in den Neubau und den eigenen Nachwuchs so dringend brauchen."

Thematisch passende Artikel:

BFW zu sinkenden Baugenehmigungszahlen: Worten müssen endlich Taten folgen!

„Der Rückgang bei den Baugenehmigungszahlen ist ein Warnschuss für die Politik. Durch fortdauerndes Abwarten erreichen wir hier keine Trendwende. Wenn es der Politik wirklich ernst ist mit dem...

mehr

Analyse des BFW: Warum der Rückgang der Baugenehmigungen nicht überraschen sollte

„Der Anstieg der Baugenehmigungszahlen im vergangenen Jahr wurde durch mehrere Faktoren wie den Vorzieheffekt durch die EnEV 2016 bedingt. Da sich die Rahmenbedingungen seitdem nicht verbessert...

mehr
05/2018

BFW-Neubauradar: Branche erwartet sinkende Baufertigstellungszahlen

375.000 neue Wohnungen jährlich: An dieser Neubau-Zielvorgabe der GroKo 3.0 richtet sich auch der BFW-Neubauradar aus. Dieser hat sich zu einem Stimmungsbarometer für die Immobilienbranche...

mehr

BFW: Wohnungsbau-Dynamik wird schwächer – Ballungsgebiete besonders betroffen

„Die abflachende Dynamik bei den Baugenehmigungen ist ein Alarmsignal, das die Politik nicht weiter überhören darf“, kommentiert Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverbandes Freier Immobilien-...

mehr
7-8/2018 Der ehrenamtliche BFW-Präsident Andreas Ibel bezieht Stellung

Baufertigstellungszahlen 2017: Warum die Trendwende noch nicht in Sicht ist

Die ernüchternden Baufertigstellungszahlen 2017, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat, dürfen leider niemanden überraschen. Der geringe Anstieg von 2,6 % auf 285.000 Wohnungen zeigt:...

mehr