Feuchteschutz

So hat Schimmel keine Chance

Die Sanierung der Laubenganghäuser im Hamburger Stadtteil Dulsberg verbesserte die Energiebilanz und wirkte der anhaltenden Durchfeuchtung des Mauerwerks entgegen. Um das Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Anlage zu erhalten, wurde hierzu an einigen Gebäuden eine Vollklinker-Fassade vor eine Außendämmung gesetzt. Als weitere Lösung erwies sich eine Kombination aus Fugensanierung, Innendämmung und Wandheizung.

Klein und rot – so charakterisieren die Hamburger liebevoll ihren lediglich 1,2 km2 großen Stadtteil Dulsberg. Konzipiert wurde das Viertel als Neubausiedlung in den späten 1920er Jahren im Rahmen der Erweiterung der Hansestadt vom damaligen Oberbaudirektor Fritz Schumacher. Hier sollte moderner Wohnraum für die Arbeiterfamilien geschaffen werden, die bisher unter prekären Bedingungen in der Innenstadt gelebt hatten. So entstanden die drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäuser mit den roten Klinkerfassaden, die den Stadtteil noch heute stark prägen. Jedes Jahr locken sie eine große Zahl von Architekten, Stadtplanern und Touristen an, die den damals richtungsweisenden Baustil des Reformwohnungsbaus besichtigen möchten.

Dementsprechend wurde das Dulsberg-Viertel in das vom Hamburger Senat initiierte Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) im Bund-Länder-Förderungsprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Dieses fördert ausschließlich baugeschichtlich und denkmalpflegerisch besonders bedeutsame Stadtgebiete. In Dulsberg stehen etwa 20 % der Gebäude unter Denkmalschutz. Hierzu zählen auch die sogenannten „Frankschen Laubenganghäuser“ mit ihren Rundbalkonen.

Erst Riemchen, dann Backsteine

Das zwischen 1928 und 1932 entstandene Wohnhausensemble besteht aus neun durch Grünanlagen getrennten Gebäudekörpern mit insgesamt 670 Wohnungen. Die mit etwa 60 m2 Fläche vergleichsweise kleinen Wohneinheiten werden heute von fast 1.000 Menschen – zumeist Singles oder Paare – bewohnt. „Entworfen wurden die Laubenganghäuser vom Architekten Paul August Reimund Frank, der zugleich der Gründer unseres Unternehmens ist. Daher versteht es sich von selbst, dass die Liegenschaften eine besondere Bedeutung für uns haben“, erläutert Benedikt Leidorf, Projektleiter bei der FRANK-Gruppe in Hamburg, der Eigentümerin der Laubenganghäuser. „Um dieser besonderen Verantwortung gerecht zu werden und unseren Mietern mehr Energieeffizienz sowie einen höheren Wohnkomfort bieten zu können, haben wir uns vor einigen Jahren entschlossen, die gesamte Wohnanlage umfassend energetisch zu sanieren. Gleichzeitig wollten wir etwas gegen ein grundlegendes Problem der fast 90 Jahre alten Bauten unternehmen: Die Durchfeuchtung des Mauerwerks durch Schlagregen. Diese hatte in der Vergangenheit in einigen Wohnungen für Schimmelbildung gesorgt, sodass es vereinzelt zu Leerständen gekommen war.“

Gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt der Stadt Hamburg wurde hier nach einer nachhaltigen Lösung gesucht. Voraussetzung war dabei, dass die ursprüngliche Optik des Wohnensembles vollumfänglich erhalten blieb. Dennoch entschieden sich die Verantwortlichen mangels Alternativen zunächst dafür, die Fassaden von außen zu verkleiden. So wurde im Jahr 2006 nach umfassenden Planungen das erste Laubenganghaus im Außenbereich gedämmt. Auf das Wärmedämmverbundsystem aufgebrachte Riemchen sollten dem Gebäude anschließend die ursprüngliche, backsteinartige Anmutung verleihen. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass im direkten Vergleich mit der Originalfassade ein deutlicher Unterschied zu erkennen war.

Als Konsequenz startete die FRANK-Gruppe ein in der Hansestadt einmaliges Pilotprojekt, bei dem an einem zweiten Gebäude anstelle der Riemchen eine Vollstein-Klinkerfassade in originalgetreuer Optik vor die Außendämmung gesetzt wurde. Dies war allerdings mit hohen Investitionskosten von 2,9 Mio. € verbunden, wobei die Stadt Hamburg das Vorhaben mit 600.000 € bezuschusste.

Aufgrund der hervorragenden optischen Ergebnisse ließ die Eigentümerin die Maßnahme anschließend an zwei weiteren Objekten durchführen. Zusätzlich zu den Arbeiten an der Fassade wurden in sämtlichen Liegenschaften unter anderem eine Dämmung der Kellerdecke und der Flachdächer vorgenommen sowie neue, wärmeverglaste Holzfenster und Eingangstüren eingesetzt, die dem ursprünglichen Erscheinungsbild entsprechen.

Pilotprojekt mit Innendämmung und Wandheizung

„Auf diese Weise konnten wir bis zum Jahr 2015 insgesamt vier von neun Laubenganghäusern vollständig sanieren und modernisieren“, erklärt Leidorf. „In der Zwischenzeit hatten wir jedoch bei ähnlichen Projekten gute Erfahrungen mit anderen, weniger kostenintensiven Maßnahmen gemacht. So wollten wir am Gebäude an der Mülhäuser Straße 5-6 die Originalfassade komplett erhalten und hier lediglich eine Fugensanierung vornehmen. Zusätzlich sollten – im Rahmen eines erneuten Pilotprojekts – in einem Teil der Wohnungen die Wände von innen gedämmt und durch Temperierung vor erneuter Schimmelbildung geschützt werden.“

Mit dieser Aufgabenstellung wandte sich der Bauherr bereits in einer frühen Planungsphase an das Hamburger Unternehmen Sager & Deus Gebäude- und Umwelttechnik sowie den Systemanbieter Uponor, der ihm kurz zuvor eine speziell für die Modernisierung von Bestandsgebäuden entwickelte Systemlösung vorgestellt hatte. Diese basiert auf einer Kombination des „TecTem“-Systems von Knauf Aquapanel mit der „Renovis“-Flächenheizung von Uponor.

Dementsprechend ließen die Projektbeteiligten insgesamt 14 Wohnungen der Liegenschaft mit faser- und schadstofffreien Dämmplatten des Typs „TecTem Insulation Board Indoor“ ausstatten. Diese nehmen anfallende Feuchtigkeit zuverlässig auf und stellen zugleich einen diffusionsoffenen Wandaufbau sicher, der eine Austrocknung der Konstruktion nach innen und außen ermöglicht. Ebenso erhöht sich durch die Innendämmung die Temperatur auf der Wandoberfläche, sodass Feuchteschäden zugunsten der Wohngesundheit zuverlässig verhindert werden.

Wirksame Kombination gegen Feuchte und Schimmel

Um für eine gleichmäßig hohe Temperatur des Baukörpers zu sorgen und so Schimmelbildung für die Zukunft nahezu auszuschließen, wurde die Innendämmung zusätzlich mit einer Wandheizung kombiniert. Hier kommt das „Renovis“-System von Uponor zum Einsatz. Dieses besteht aus lediglich 15 mm dicken Gipskartonfaserplatten, in denen werkseitig Flächenheizrohre integriert sind. Bei der Kombination mit der vorgesehenen Innendämmung erwies es sich hier überdies als Vorteil, dass die Gipskartonfaserplatten des Systems ebenfalls dampfdiffusionsoffen sind. Auf diese Weise werden die Aufnahme und der Abbau von Feuchtigkeit nicht behindert. Die auch als Flächenheizung für den Innenraum einsetzbaren Platten verfügen im Falle einer Wandbefestigung über Heizleistungen von bis zu 120 W/m2.

„Eine Herausforderung bei der Installation der Wandheizung war, dass die Räumlichkeiten über vergleichsweise große Fenster im Verhältnis zur Wandfläche verfügen“, erläutert Sven Kruse, Verkaufsleiter Projektgeschäft Nord bei Uponor. „Insbesondere im Bereich über den Fenstern waren spezielle Lösungen erforderlich, um die Flächenheizung vollflächig verlegen zu können. Daher haben wir die Renovis-Paneele – anders als sonst üblich –waagerecht angebracht und in der Breite von 625 mm auf 450 mm gekürzt. Dies war möglich, weil die Rohrleitungen in den Elementen nicht vollflächig verlegt sind und diese daher an beiden Seiten zugeschnitten werden konnten. So konnte auch der im Hinblick auf Schimmelbildung kritische Eckbereich zwischen Wand und Decke adäquat mit der Flächenheizung nachgerüstet werden.“

Seither greifen in dem Laubenganghaus verschiedenste Maßnahmen im Außen- und Innenbereich optimal ineinander. Durch die Fugensanierung wird eine erneute Durchfeuchtung der Außenwände wirksam verhindert. Innendämmung und Wandheizung sorgen zudem in den Wohnungen für mehr Energieeffizienz und einen zuverlässigen Schutz vor Schimmelbildung. Dementsprechend hat es in dem Laubenganghaus seit der Sanierung keinerlei Probleme mit Feuchtigkeitseintrag oder Schimmel in den Räumlichkeiten mehr gegeben. Erfreulich dabei: Sowohl für die Fugensanierung als auch die Innendämmung erhielt die FRANK-Gruppe von der Stadt Hamburg Fördermittel.

Neue Lösungen für Energieeffizienz und Wohnkomfort

„Mit dem Projekt Mülhäuser Straße 5-6 sind wir insgesamt sehr zufrieden“, resümiert Leidorf. „Als Vorreiter im Bereich der Bestandssanierung in Hamburg ist es uns besonders wichtig, innovativ zu bleiben. Daher versuchen wir stets neue Technologien und Lösungen einzusetzen, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern und den Mietern einen hohen Wohnkomfort anzubieten.“

Ebenso positiv bewertet der Projektleiter die frühe Einbindung des Herstellers in die Planung der Sanierungsmaßnahmen. „Uponor hat uns im gesamten Planungsprozess intensiv unterstützt. Dies war gerade deshalb wichtig, weil es sich für beide Seiten um ein Pilotprojekt handelte“, so Leidorf. „Da es unserer Erfahrung nach bei Sanierungen immer wieder zu unvorhersehbaren Herausforderungen kommen kann, war es vorteilhaft, hier einen Partner zu haben, mit dem wir schon früher erfolgreich zusammen gearbeitet haben.“

Um für eine gleichmäßig hohe Temperatur des Baukörpers zu sorgen und so Schimmelbildung nahezu auszuschließen, wurde die Innendämmung zusätzlich mit einer Wandheizung kombiniert.

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