Mit Köpfchen verkabelt

Anfang September 2013 hat die Deutsche Telekom in nur vier Tagen im Ruhrgebiet mehr als 22.000 Haushalte der Deutschen Annington Immobilien Gruppe (DAIG) an ihr TV-Netz angeschlossen. Die Umschaltung erfolgte im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zwischen dem Immobilien- und dem Telekommunikations-Unternehmen.

Attraktive TV-Programme, moderne Telefondienste und Highspeed-Internet zählen auf dem konkurrenzbelebten Wohnungsmarkt zu den Erfolgsfaktoren. Beim Auf- und Ausbau einer kostengünstigen TV-Versorgung und der schrittweisen Ausstattung des Bestandes mit Glasfaser gehört die Deutsche Annington Immobilien Gruppe (DAIG) zu den Vorreitern. Der Bochumer Konzern, der rund 179.000 eigene Wohnungen und 30.000 Wohnungen für Dritte verwaltet, hat hierzu im Dezember 2011 mit der Telekom eine strategische Partnerschaft geschlossen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, bundesweit einen Großteil der DAIG-Wohnungen über das Glasfasernetz der Telekom mit kostengünstigen TV-Diensten mit deutschen und fremdsprachigen Programmen zu versorgen. Die DAIG-Tochter Deutsche Multimedia Service GmbH bündelt hierzu die Expertisen im konzerneigenen Kompetenzcenter.

Das gemeinschaftlich vorangetriebene Projekt setzt in der Wohnungswirtschaft Maßstäbe. Die Umschaltung von über 22.000 Haushalten im September 2013 gilt als eine der größten TV-Umschaltungen, die es bisher in Deutschland gegeben hat. Bereits im Februar 2013 schalteten die Partner mehr als 20.000 Haushalte im Ruhrgebiet um. Damit versorgt die Deutsche Multimedia Service GmbH inzwischen 42.000 Wohnungen der DAIG mit TV-Diensten. Bis Anfang 2014 sollen über 55.000 DAIG-Haushalte an das TV-Netz der Deutschen Telekom angeschlossen sein und über die Deutsche Multimedia Service GmbH versorgt werden.

Die von der Telekom eingesetzte Technik bietet den Mietern Vorteile: Ein TV-Angebot mit Preisminderungen bei über 90% der Mieter. Außerdem wird an verschiedenen Standorten sukzessiv das neue Glasfasernetz der Telekom bis in die Wohnungen der Deutschen Annington verlegt.

IP-Kopfstellen und Netzzuführung für die TV-Zuführung

Um den Mietern ein optimales Angebot an Telekommunikationsdienstleistungen machen zu können, sind modernste Zuführlösungen gefragt, die sich durch Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Stabilität und wirtschaftliche Effizienz auszeichnen.

Die DAIG arbeitete zuvor mit einem großen Kabelnetzbetreiber zusammen, um die schon im Zuge des Projekts angeschlossenen 42.000 Wohneinheiten mit Fernseh- und Radiodiensten zu versorgen. Dieser führte die von ihm bereitgestellten TV-Programme über ein eigenes Netz heran. Im Zuge der Innovationspartnerschaft wurde das bisher genutzte Versorgungsnetz innerhalb von rund 18 Monaten durch ein neues Glasfasernetz der Deutschen Telekom vollständig ersetzt.

Ausgehend von einer bereits vorhandenen Glasfaserinfrastruktur der Telekom fand nach deren Vorgaben im März 2012 eine Ausschreibung für die Planung und Realisation des Netzzuschnitts der sogenannten Netzebene 3 (NE-3) für die Zuführung lokaler Pakete mit analogen und digitalen TV-Programmen sowie UKW-Rundfunksendern zu unterschiedlichen Standorten statt. Im Juni 2012 entschied sich die Telekom für das Angebot des badischen Technologieunternehmens WISI: „Das technische Konzept der WISI, das Preis-Leistungsverhältnis sowie die tech­nische Kompetenz haben von Anfang an überzeugt. Auch die Umsetzung und der Anschluss der über 42.000 Wohneinheiten wurde durch das Haus WISI in hoher Qualität und zeitgerecht umgesetzt“, erklärt Guido Schwarzfeld, Leiter Produktmanagement/Projektierung Competence Center Wohnungswirtschaft der Deutschen Telekom.

Regionale Kopfstellen

Das Konzept sah den Aufbau von zwei regionalen Kopfstellen in Duisburg und Dortmund vor. Über diese werden die TV- und Radiosignale an die Wohnungsstandorte der DAIG im Ruhrgebiet verteilt. Jede dieser regionalen Kopfstellen ist für die Programmzuführung über zwei Glasfaserstrecken an die Masterkopfstelle der Telekom in Usingen im Taunus angeschlossen. Diese Doppelanbindung sorgt für Sicherheit und zuverlässigen Betrieb des Netzes. Für das Umwandeln, das Bündeln und die Weitergabe der Rundfunksignale in die Übertragungsformate PAL, QAM und FM stattete WISI diese beiden regionalen Kopfstellen mit der eigenentwickelten technischen Plattform Tangram aus. Für die Übertragung der optischen Signale im Netz setzte WISI zudem auf die eigene neue, energieeffiziente Zugangsplattform Optopus.

Der Ausbau des optischen Netzes vollzog sich in zwei Schritten. Zunächst wurde die regionale Kopfstelle Duisburg und dann im zweiten Schritt die regionale Kopfstelle Dortmund ausgebaut. Insgesamt schloss WISI dabei im ersten Projektschritt 261 Übergabepunkte an das optische Netz der NE-3 an, die seit Februar 2013 den Übergang in die NE-4 zum Haus bilden. Im zweiten Ausbauschritt erfolgte Anfang September der Anschluss von weiteren 191 Übergabepunkten in 16 Städten in Nordrhein-Westfalen.

Programm-Bouquets und Netzüberwachung

Besondere Herausforderungen beim Ausbau stellten die unterschiedlichen regionalen Paketierungen der Programme, deren Übertragung über nur eine vorhandene Glasfaser zu den einzelnen Hauptverteilerpunkten (HVts) sowie die teilweise erforderliche Rückführung der UKW-Programme zu den Regio-Kopfstellen über die gleiche Faser dar. So wurden zum Beispiel zunächst lokale UKW-Programme am Standort in Düsseldorf empfangen und über das Netz rund 40 km an die regionale Kopfstelle Duisburg geführt. An dieser Kopfstelle wurden zudem die regionalen UKW-Programme für Duisburg und Essen empfangen und für die Einspeisung aufbereitet. Anschließend erfolgte eine Paketierung und das Multiplexing der zugeführten TV-Programme inklusive der lokalen Programme des WDR sowie der aufbereiteten lokalen Radiosender in die drei regionalen Bouquets Duisburg, Düsseldorf und Essen.

Für die Überwachung rund um die Uhr und, falls notwendig, Entstörung der aktiven Bauteile des Netzes hat WISI ein spezielles Netzwerk Management System (NMS) entwickelt. Das System empfängt von allen aktiven Bauteilen Daten. Über geschaltete VPN-Leitungen gelangen diese Daten an einen zentralen Ort. Dort werden die empfangenen Informationen vorher definierten Gewichtungen zugeordnet und für den Helpdesk mit entsprechender Dringlichkeitsinformation dargestellt. Dabei sendet das NMS nur die servicerelevanten Daten direkt an das Überwachungssystem der Telekom, das dann sofort auf Störungen reagieren und für den einwandfreien Betrieb des Netzes sorgen kann.

Attraktive TV-Programme, moderne Telefondienste und Highspeed-Internet zählen auf dem konkurrenzbelebten Wohnungsmarkt zu den Erfolgsfaktoren.