Umfrage unter Bau- und Immobilienexperten: Bezahlbarer Wohnraum ist bedarfsgerechter Wohnraum

Wohnraum muss bedarfsgerecht werden, um bezahlbar zu sein: Immobilienexperten aus Köln und dem Rheinland fordern, nötige Baustandards flexibler zu gestalten. Etwa durch geringere technische Anforderungen, bauliche Flexibilität bei der Barrierefreiheit und den Verzicht auf kommunale Stellplatzvorgabe soll Bauen nach Experteneinschätzung günstiger werden.


Dies ist das Kernergebnis der Branchenumfrage „Wie kann Bauen günstiger werden?“, für die die Kölner Immobilienrechtskanzlei Jennißen und Partner im Frühjahr 2019 54 hochkarätige Vertreter der Kölner Immobilienbranche befragt hat.

„Wir sollten uns davon lösen, dass jedes Objekt einen Maximalstandard erreichen muss. Stattdessen liegt die Zukunft im generations- und bedarfsgerechten Bauen. Wohnraum kann so schneller errichtet werden und bleibt bezahlbar“, sagt Florian Gutermuth, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie für Bau- und Architektenrecht bei der Immobilienrechtskanzlei Jennißen und Partner.

Viel Potential für günstigeres Bauen

Ein Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt die Top-10-Maßnahmen, die die Immobilienexperten, welche an der Umfrage teilgenommen haben, für günstigeres Bauen aufgestellt haben. Ganz vorne mit dabei: Die Reduzierung von technischen Anforderungen – und damit ein Lösungsansatz für bedarfsgerechteres Bauen. Die Verringerung der Anforderungen an die Wärmedämmung und an mechanisches Lüften ist die in der Umfrage am drittstärksten gewichtete Maßnahme (365 von 2555 Punkten). 

Nur einen Platz dahinter folgt die Forderung nach mehr baulicher Flexibilität bei der Barrierefreiheit – und damit ebenfalls nach bedarfsgerechtem Bauen. Laut den Umfrageergebnissen würde eine flexiblere Quote beim barrierefreien bzw. rollstuhlgerechten Ausbau Baukosten senken (287 von 2555 Punkten).  Der Verzicht auf die kommunalen Stellplatzvorgaben belegt unter den Top 10 Maßnahmen den achten Platz (155 Punkte von 2555 Punkten) und schließt sich so an den Lösungsansatz an.

„Für günstigere Baukosten, mehr Wohnraum und gedeckelte Mieten schlagen wir vor, dass Bauherrn wählen dürfen, ob sie die Mieten beispielsweise für zehn Jahre in einer bestimmten, bei Bauantrag vereinbarten Höhe festschreiben. Im Gegenzug könnten sie dafür von nicht unbedingt notwendigen Bauvorschriften befreit werden. Das ist keine Frage der Diskriminierung, sondern es geht um preiswertere Alternativen“, fasst Florian Gutermuth zusammen.

Präsentation der Ergebnisse auf dem 46. Kölner Immobilienzirkel

Erstmals präsentiert wurden die Ergebnisse beim 46. Kölner Immobilienzirkel, der am 17. Juni 2019 stattfand. Jennißen und Partner stellte die aus der Umfrage hervorgehenden Maßnahmen für günstigeres Bauen vor rund 120 Gästen aus der Immobilienbranche vor. Teilnehmerin und Gastrednerin zum Thema „Flächenentwicklung, Wohnungsbau, Modernisierungsförderung: Nordrhein-Westfalen investiert in das neue Wohnen“ war Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, der die Ergebnisse überreicht wurden.

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