Elektromobilität braucht neue Stromtarife – Wunsch und Wirklichkeit in Deutschland

Wenngleich mit starkem Wachstum führt die Elektromobilität in Deutschland auch in 2018 noch immer ein Nischendasein. Für die Energieversorger öffnet sich mit der Stromversorgung von Elektromobilen ein neues Marktsegment. Analysen vom Bonner Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EuPD Research (www.eupd-research.com) zeigen, dass die deutschen Energieversorger bislang kaum sogenannte Autostromtarife anbieten. Für Endkunden hingegen ist das Angebot spezifischer Stromtarife für Elektromobilität überwiegend wichtig.  

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes hat sich der Absatz von rein elektrisch betriebenen Personenkraftwagen (PKW) im ersten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert. Absolut gesehen, ist die Elektromobilität in Deutschland aber nach wie vor ein Nischenmarkt. Von 878.611 PKW-Fahrzeugzulassungen in den ersten drei Monaten 2018 betrug der Anteil mit 9.102 rein elektrisch betriebenen PKW lediglich 1 %. Mittelfristig wird sich die Elektromobilität als notwendiges Element einer umfassenden Energiewende etablieren.

Die in 2017 erstmalig durchgeführte Untersuchung aller Energieversorger in Deutschland zu deren Engagement rund um die Energiewende hat ergeben, dass bereits knapp ein Drittel der Stromanbieter eigene Stromtankstellen betreibt. Das Angebot spezifischer Stromtarife, d. h. Autostromtarife, ist bislang noch ein Nischenmarkt. Eine Analyse von EuPD Research hat hier zu Beginn des Jahres offengelegt, dass gegenwärtig erst knapp 100 Energieversorger spezifische Autostromtarife zum Laden am Haus oder dem mobilen „Betanken“ des Elektromobils anbieten.

Während die Angebotsseite der Energieversorger sich noch in Wartestellung eines signifikanten Marktes für Elektromobilität befindet, zeigt eine jüngst umgesetzte Befragung von 541 Hausbesitzern in Deutschland die potentielle Nachfrageseite. Generell wird ersichtlich, dass Elektromobilität ein verändertes Produktangebot beim Energieversorger bedingt. Der Stromkunde wünscht sich spezielle Stromtarife für Elektromobile. Während sich 70 % der befragten Haushalte für Autostromtarife aussprechen, sind von Haushalten, die sich konkret mit der Anschaffung eines Elektromobils beschäftigen, immerhin 84% an einem derartigen Stromtarif interessiert. Die Tatsache, dass ein Elektromobil im Unterschied zu anderen Stromverbrauchern im Haushalt eine eigene Infrastruktur benötigt, hat der Endkunde verstanden. Entsprechend geben 92 % der Hausbesitzer, die ein Elektromobil erwerben wollen, an, auch den Kauf einer Wallbox zu beabsichtigen.

Thematisch passende Artikel:

EuPD Research-Studie: Photovoltaik als erneuerbare Energie am häufigsten im Portfolio der Energieversorger

Eine aktuelle Studie von EuPD Research www.eupd-research.com zeigt, dass deutsche Energieversorger Photovoltaik im Rahmen der Energiewende häufiger anbieten als andere Produkte. 27 % der...

mehr

Ökoenergieversorger Polarstern: Immer mehr Elektroautos, aber wenige Autostromtarife

In den Diskussionen zur mobilen Zukunft geht es um Elektro- und Hybridautos, Brennstoffzellen- und Erdgas-Fahrzeuge, um E-Roller und E-Bikes, um Flugtaxis und Car Sharing. Sie alle sollen die...

mehr

Energieversorger: Angebot an Photovoltaik und Speicher wird wichtiger

Der Beitrag der Photovoltaik zum deutschen Strom-Mix steigt stetig. Aktuelle Zahlen belegen einen signifikanten Anteil des Solarstroms von 17 % im April 2020. Und nur Solarenergie kann von...

mehr

Umfrage: Solarstrom und Elektromobilität sind Partner für die Energiewende

Auch in der Hochphase der COVID-19-Krise konnten die Branchen Elektromobilität und Photovoltaik in Deutschland durchweg positive Entwicklungen verzeichnen. Eine Befragung des unabhängigen...

mehr

Solarbranche auf Kurs: Bundesverband rechnet erneut mit zweistelligen Wachstumsraten

Deutschlands Solarwirtschaft blickt optimistisch in die Zukunft. „Wachsende Märkte und ein deutlich gestiegenes Klimaschutzbewusstsein bei Verbrauchern, Wirtschaft und auch in der Politik stimmen...

mehr