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Aus der Region für die Region

Die Wohnungsbaugenossenschaft Lengerich stand vor der Frage, ob sie in puncto Internet, Telefonie und TV weiter auf eine bestehende Zusammenarbeit setzen soll. Sie entschloss sich für einen neuen Partner und gab damit den Impuls für den Auf- und weiteren Ausbau des Glasfasernetzes, das von einem regionalen Anbieter verlegt und betrieben wird.

Die Bundesregierung hat das Ziel Breitband für jeden mit 50 Mbit/s bis 2018 vorgegeben. Dieses Ziel gilt als ambitioniert, denn gerade in Randregionen und ländlichen Gebieten nimmt die digitale Kluft gegenüber den überversorgten Metropolen zu. Oft fehlt es an Geld und die großen Betreiber von Fest-, Kabel- und mobilen Netzen sehen keine wirtschaftliche Basis für einen Ausbau. Dies stellt in den betroffenen Gebieten zunehmend auch die Wohnungswirtschaft vor Herausforderungen. Einerseits möchte sie die eigenen Immobilien durch eine gute Medienversorgung aufwerten und sich so gegen den örtlichen Wettbewerb abgrenzen. Andererseits muss sie steigende Ansprüche der Mieter erfüllen und bei alledem die Kosten im Auge behalten. Ein bundesweit sehr seltenes Beispiel, bei dem ein wohnungswirtschaftliches Unternehmen den entscheidenden Anstoß für den Glasfaserausbau gibt, ist Lengerich.

TV-Versorgung für 60 Mietobjekte

Die Mittelstadt liegt in der Region Tecklenburger Land im Kreis Steinfurt im nördlichen Teil von Nordrhein-Westfalen liegt. In den zwölf Stadtteilen leben rund 23.000 Einwohner. Die Stadtwerke Lengerich (SWL) versorgen in der Stadt und in der angrenzenden Region Haushalts- und Gewerbekunden mit Strom und Gas.

Die Versorgung mit schnellen Breitbandzugängen ähnelte in Lengerich bis Anfang 2014 vielen deutschen Kommunen und beschränkte sich weitestgehend auf kupferbasierte DSL-Angebote im Stadtkern. Da auch aus den Ausbauplänen der großen Fest- und Kabelnetzbetreiber keine richtungsweisenden Impulse absehbar waren, reiften bei dem Strom- und Gasversorger erste Pläne für den Betrieb eines eigenen Glasfasernetzes. 2012 wurde die Tochtergesellschaft Teutel GmbH gegründet. Diese verfolgt nach dem Motto „Aus der Region für unsere Region“ das Ziel, äußerst leistungsfähige Breitbandanschlüsse in der Region anzubieten, um Lengerich und die angrenzenden Kommunen für die digitale Zukunft zu rüsten. Für die Versorgung mit schnellem Internet, Telefonie und vielfältigem TV setzt Teutel dabei auf Glasfaserleitungen und auf den langfristigen und zukunftsfähigen FTTH/B Ausbau der Glasfaser bis zum und ins Gebäude. Neben den inzwischen klassischen Triple Play-Anwendungen (Fernsehen, Telefonie und Internet) schaut das Unternehmen für die Zukunft auch auf neue Dienste im Rahmen der Hausvernetzung und Energieeinsparung.

Der letztlich entscheidende Impuls für die Einführung innovativer Breitbanddienste kam dann in der zweiten Jahreshälfte 2013 von der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaft Lengerich. Diese stand, wie viele wohnungswirtschaftliche Unternehmen, vor der Frage, ob sie in Zukunft weiter auf eine seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit einem Kabelnetzbetreiber setzen soll. Mit diesem Partner, einem überregional tätigen Unternehmen, war die Genossenschaft nicht mehr zufrieden. Da der Versorgungsvertrag gegen Ende 2013 auslief, sprang Teutel mit dem Angebot in die Bresche, kurzfristig die 60 Objekte der Wohnungsbaugenossenschaft über Glasfaser-Technologie mit einem umfangreichen TV-Angebot von über 400 Programmen zu versorgen und darüber hinaus etwas später auch schnelle Internetzugänge und Telefoniedienste zu ermöglichen. Die Umrüstung sollte nach dem schnell erfolgten Zuschlag durch die Wohnungsgenossenschaft und deren strikte Vorgaben in knapp drei Monaten im Januar 2014 abgeschlossen sein.

Eigenversorgung

Die Teutel GmbH hatte schon kurz zuvor den Aufbau einer eigenen Empfangs- und Kopfstelle am Standort Dyckerhoffstraße der SWL in Lengerich geplant und dabei auf eine eigenständige TV-Versorgung gesetzt. Diese bietet eine Reihe von Vorteilen. Hierzu gehören die Unabhängigkeit von Signallieferanten und langfristige Kosteneinsparungen durch eigene Erzeugung der Signale. Zudem erhält Teutel mehr Flexibilität und kann schneller auf Wünsche der wohnungswirtschaftlichen Partner reagieren, wenn es um Änderungen oder Neueinspeisung von Programmen geht. Bei der Technik entschied sich Teutel für eine Gesamtlösung des badischen Anbieters WISI, der zuvor schon bundesweit zahlreiche Aufrüstprojekte bei City-Carriern erfolgreich realisiert hatte. Zu dieser Lösung aus einer Hand gehörten nicht nur die technischen Komponenten, sondern auch Planungs- und umfangreiche Serviceleistungen beim Aufbau der TV-Versorgung über das Glasfasernetz.

Am Standort Dyckerhoffstraße wurden zunächst mit dem WISI-Partner Dakum Kommunikationssysteme drei große Antennen für den Empfang digitaler TV-Programme, zum großen Teil in HD, über die Satellitenpositionen ASTRA 19,2° Ost, Eutelsat 13° Ost und Eutelsat 9° Ost eingerichtet. Die empfangenen TV- und Hörfunk-Signale werden zu einem in rund 100 m entfernten Gebäude untergebrachten Headend weitergeleitet. Dieses dient als lokales Playout-Headend für Lengerich und später die Region. Es besteht aus einem modular aufgebautem und sehr kosteneffizient arbeitenden Tangram Kopfstellen- und Edge System von WISI.

In der Kopfstelle werden zunächst die empfangenen hunderte TV-Kanäle in IP-Multicast-Signale für den Transport im Glasfasernetz transformiert. Darunter befinden sich auch verschlüsselte Programme von Sky sowie des KabelKiosk der M7 Deutschland. Diese Signale werden anschließend entsprechend dem Bedarf von Teutel für die dahinter angeschlossenen zu versorgenden Haushalte umgesetzt. Für die Übertragung der Signale im Glasfasernetz setzt Teutel auf die energieeffiziente WISI-Zugangsplattform Optopus. Durch das jederzeit erweiterbare Tangram-System erhält Teutel noch mehr Flexibilität für den weiteren Ausbau des TV-Angebots und konnte auf Wunsch der Wohnungsbaugenossenschaft auch eine Basisversorgung mit analogen Programmen anbieten.

Anschluss in nur drei Monaten

Der Aufbau des Headends, der Empfangsstelle sowie der Anschluss der 60 Mietobjekte an die Glasfaser mussten in knapp drei Monaten erfolgen. Durch das enge Zusammenspiel der Teutel mit WISI konnten alle avisierten TV-Anschlüsse der Wohnungsgenossenschaft pünktlich im Januar angeschlossen werden. Das TV-Angebot für die Mieter erhöhte sich dabei von vormals 60 auf über 400 Programme, darunter über 20% in hochauflösender Bildqualität. Zeitgleich liefen erste Tests mit Internet- und Telefoniediensten an. Nachdem diese erfolgreich beendet waren, begann Teutel Mitte April 2014 mit der Vermarktung von bis zu 1.000 Mbit/s schnellen Internetzugängen und Telefonie in Kombination mit dem bereits existierenden TV-Angebot an Haushalte und Gewerbekunden.

Weitere Ausbauschritte

Der Anschluss der 60 Objekte der Wohnungsbaugenossenschaft war der erste Schritt für den Auf- und weiteren Ausbau des Glasfasernetzes. Teutel will nun bis 2022 Zug um Zug etwa 80% Lengerichs, Ladbergens, Lienens, Tecklenburgs und weitere Gemeinden abdecken. Begonnen werden soll in den Ortsteilen in Lengerich. Dabei nutzt Teutel für die Verlegung der Glasfaser laufende Erdarbeiten bei Modernisierungsmaßnahmen der Mutter SWL. Für den schnellen Anschluss an die Glasfaserinfrastruktur hat Teutel zunächst sechs Cluster vorgesehen. Hierzu gehören die Bereiche Lengerich West I und Lengerich West II und III nördlich und südlich der Tecklenburger Straße mit zusammen 930 Haushalten, der Bereich Wiesenstraße/Hans-Sachs-Straße (450 Haushalte) und Lengerich Ost (275 Haushalte) sowie Lengerich Hohne (mit rund 800 Haushalten). Beim Ausbau der Cluster geht Teutel nach dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit vor. In den vorgesehenen Anschlussgebieten muss sich abhängig von geografischen und topologischen Gegebenheiten jeweils ein bestimmter Prozentsatz der erreichbaren Haushalte vorab für einen Anschluss entscheiden (Mindestteilnehmerquote).

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