Studie: Bundesweiter Sanierung- und Renovierungsstau in Wohnungseigentümergemeinschaften

Die Uhr für die Sanierung ineffizienter Gebäude tickt – gemäß EU-Richtlinie soll bis 2050 der gesamte Gebäudesektor emissionsfrei sein und möglichst ohne fossile Energieträger auskommen. Wer beispielsweise eine eigene Wohnung besitzt, die in einem Haus der EU-Energieeffizienzklasse G oder H liegt – der schlechtesten Kategorie – muss bis 2030 sanieren. Das betrifft in Deutschland flächenmäßig etwa ein Drittel der Wohngebäude. Eine bundesweite, repräsentative Umfrage von Matera (www.matera.eu) zeigt nun: mehr als einem Drittel (34 Prozent) der bundesweiten Wohnungseigentümer:innen bereiten Verzögerungen bei Sanierungsarbeiten große Sorgen. Weitere 34 Prozent der Eigentümer sind aufgrund anstehender Renovierungsarbeiten beunruhigt.

Uneinigkeit und Mangel an Information Grund für Verzögerung

Trotz der Sorgen, die mehr als die Hälfte der Wohnungseigentümer:innen umtreibt, hakt es bei der Umsetzung. Knapp die Hälfte (45 Prozent) der Eigentümer:innen geben an, dass sich Baumaßnahmen wie Renovierungsarbeiten in ihrer Wohnanlage verzögern. Die Gründe hierfür liegen mit 43 Prozent bei Uneinigkeit innerhalb der Hausgemeinschaft und mit 29 Prozent bei Verzögerungen von Seiten der externen Hausverwaltung. „Wir wissen, dass viele Eigentümer:innen größere Investition ins Gemeinschaftseigentum einfach scheuen, weil sie zu wenig Informationen haben, um die richtige Entscheidung zu treffen“, berichtet Gero Graf, deutscher Geschäftsführer von Matera.

Steigende Kosten sorgen vor allem ältere Wohnungseigentümer:innen

Energiepreise, Kreditzinsen oder Materialkosten: Die Preise kennen seit Monaten nur den Weg nach oben. Und 74 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Kosten für Wohnungseigentümer:innen langfristig hoch bleiben werden. Vor allem ältere Eigentümer:innen sind besorgt: 85 Prozent der über 55-Jährigen sind der Meinung, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die Kosten noch weiter steigen werden. „Diese Ängste tragen natürlich ebenfalls dazu bei, dass anstehende Renovierungen oder auch Sanierungspläne nicht umgesetzt werden“, kommentiert Graf die Erkenntnis. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass hier nur echte Aufklärungsarbeit hilft und die Verwaltung von Geldern und Angeboten so transparent wie möglich erfolgen sollte, so dass alle das Gefühl haben, die Kontrolle und Übersicht über die Ausgaben zu haben“.

Fehlende Kommunikation und Intransparenz auch bundesweit ein Problem

Mangelhafte Kommunikation, schlechte Erreichbarkeit und Intransparenz sind gemäß der Studie die größten Herausforderungen, die WEGs mit ihren externen Verwaltern haben. So geben rund ein Drittel (33 Prozent) der Befragten an, dass sie fehlende Kommunikation und Intransparenz an ihrer aktuellen Hausverwaltung stört. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der jüngeren Befragten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren bemängeln darüber hinaus die unzureichende Digitalisierung von Hausverwaltungen. „Wir hören immer wieder von unseren Kunden, dass mangelnde Transparenz einer der Hauptkritikpunkte von Wohnungseigentümer:innen an ihren externen Verwaltern ist“, so Graf. Damit decken sich die Ergebnisse der Matera-Studie mit einer Befragung, die jüngst von „Wohnen im Eigentum” durchgeführt wurde, und laut der sich 86 Prozent der Befragten mehr Transparenz bei der Jahresabrechnung wünschen.

Kostenmanagement in Zeiten steigender Preise

Wie können Eigentümer in der aktuellen Situation tun? „Gerade vor dem Hintergrund der explodierenden Kosten ist es für Eigentümer:innen umso wichtiger, laufende Kosten so niedrig wie möglich zu halten und Transparenz zu schaffen“, sagt Graf. “Bei vielen Eigentümer:innen besteht noch Luft nach oben, wenn es um die Kostenoptimierung des Gemeinschaftseigentum geht. Dazu gehört auch, zu prüfen, ob sich die Zusammenarbeit mit der externen Hausverwaltung rentiert. Für viele Eigentümergemeinschaften – gerade kleinere Einheiten – kann Selbstverwaltung eine sinnvolle Alternative sein.” 

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