Studie: Klimaschutz im Gebäudebestand ist nur mit messbaren Zielwerten und darauf abgestimmten Controlling-Methoden möglich

Die Stiftung Energieeffizienz (www.stiftung-energieeffizienz.org) und die Ludwig-Bölkow-Stiftung (www.ludwig-boelkow-stiftung.org) führen seit 2017 mit derzeit zehn Wohnungsunternehmen das Langzeitprojekt ReConGeb zur Steuerung der Wärme-Energiewende für Wohngebäude durch. Im Projekt werden Werkzeuge zur Begrenzung von CO2-Emissionen und Heizkosten entwickelt und angewandt. Begleitend wurde, anhand der ersten 35 teilnehmenden Gebäude, eine durch das Land NRW geförderte Vorstudie erstellt, deren Ergebnisse nun veröffentlicht werden. Die Vorstudie zeigt, wie mit einem Set aus Klimaschutz-Zielwerten und darauf abgestimmten Controlling-Methoden eine Energiewende für Wohngebäude noch gelingen kann.

In NRW-Landesprogrammen liegen seit 1997 Klimaschutz-Zielwerte vor. Im Programm „100 Klimaschutzsiedlungen NRW“ betragen in Übereinstimmung mit internationalen Klimaschutzzielen die Maximal-Werte für CO2-Emissionen für Neubauten z. B. 9 kg CO2 je m² Wohnfläche und Jahr. Trotzdem emittieren derzeit bundesweit hocheffiziente gas- und stromversorgte Mehrfamilienhäuser durchschnittlich doppelt so viel CO2 wie zum Einhalten der Klimaschutz-Ziele zulässig ist.

Eine wesentliche Ursache der Zielverfehlung liegt darin, dass die für das nationale Baugeschehen maßgebliche Energiesparverordnung, die KfW-Programme, der Energieausweis und z. B. der Passivhausstandard keine Information über Klimaschutzziele und deren Einhaltung im Betrieb geben. Neubauten und Sanierungen, die in der Theorie hocheffizient sind, werden im Hinblick auf ihren Beitrag zum Klimaschutz bislang nicht hinterfragt. Investitionen zeigen unzureichende Wirkung für Heizkosten und Klimaschutz.

Für professionell bewirtschaftete Mehrfamilienhäuser (MFH) zeigt die Vorstudie, dass eine gezielte Steuerung der Wärme-Energiewende anhand von Klimaschutz-Zielwerten möglich ist. Mit den Projektteilnehmern erfolgte hierzu die Definition der Wirtschaftlichkeit als dem maßgeblichen Indikator. Projektziel ist, die Gebäude zu identifizieren, die mit geringstem wirtschaftlichem Aufwand die Klimaschutzziele und Begrenzung der Heizkosten einhalten und diese als Standard einzuführen.

Durch die systematische Rückkopplung der Ergebnisse wurden im Laufe der Vorstudie bereits erste Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bewirkt. Als ein wesentlicher Erfolgsparameter für zielgerichtetes Handeln wurden auf der Ebene von Effizienzparametern periodisch wiederkehrende, transparente Vergleichsdarstellungen identifiziert. Im Bereich der professionellen Wohnungswirtschaft kann über die Gruppe der ReConGeb-Projektteilnehmer hinaus das Zielpublikum erreicht werden.

Kritisch sind die Ergebnisse im Bereich der, laut dena mit ca. 40 % des Energieverbrauchs dominanten, Ein- und Zweifamilienhäuser (MFH ca. 25 %). Hier wurden Endverbraucher-Bedürfnisse, Hemmnisse und Wirkmechanismen im Hinblick auf „klimaschutzgerechte“ Gebäude untersucht. Die Machbarkeit ist im Bereich mit privaten Nutzern ohne strukturierte Vernetzung und wiederkehrende Bau- und Sanierungstätigkeit grundsätzlich in Frage zu stellen. Ein Haupthindernis ist der fehlende Zugang zu zuverlässigen und zum „privaten Klimaschutz“ befähigenden Informationen. Die Gebäude-Energiewende droht hier dauerhaft zu scheitern, insofern nicht, z. B. im Gebäudeenergiegesetz und Förderprogrammen, realistische Informations- und Anreizmethoden eingeführt werden.

Die Vorstudie zeigt den Bedarf an einer langfristig ausgerichteten, unabhängigen Unterstützung der Politik auf. Um Investitionen und Fördermittel auch zur Begrenzung von Emissionen und Heizkosten einzusetzen, gibt sie Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

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