BFW-Umfrage zur Digitalisierung: Mittelständische Immobilienunternehmen drohen sich selbst auszubremsen

„Es gibt keinen Königsweg bei der Digitalisierung, den die Immobilienunternehmen gehen können. Je länger wir mit den notwendigen Investitionen warten, desto größer werden Investitionskosten und -risiken. Deshalb müssen die Unternehmen jetzt den Aufbau von internem digitalen Know How angehen", appellierte BFW-Präsident Andreas Ibel in Berlin an die mittelständische Immobilienbranche. Ibel stellte die Ergebnisse einer BFW-Umfrage zur Digitalisierung unter mittelständischen Immobilienunternehmen mit dem Titel „Das Digitalisierungsparadoxon" vor.

Diese hat der BFW gemeinsam mit dem BFW-Digitalisierungsbeirat erstellt, der durch Andreas Beulich (BFW), Dr. Thomas Götzen (Interboden) und Raymon Deblitz (T-Systems) vertreten wurde.

„Abgesehen von einer kleinen Gruppe digitaler „Frontrunner" haben die meisten Unternehmen erst digitale Grundlagen umgesetzt", so Ibel. Als größte Hürden geben die Unternehmen hierfür hohe Kosten, Zeitmangel und fehlendes qualifiziertes Personal an. Trotzdem wollen 77% der Unternehmen derzeit keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen; 54% haben keinen Umsetzungsplan für die Digitalisierung. Die Budgets sehen ebenfalls nur geringe Investitionen in diesem Bereich vor.

„Die Umfrage ergibt, dass die Unternehmen große Erwartungen an die Digitalisierung haben. Sie investieren aber noch zu wenig in eigene Spezialisten und in die notwendigen Technologien. So können die vorhandenen Potentiale nicht erkannt und genutzt werden", resümierte Ibel.

Dieses „Digitalisierungsparadoxon" zeigt: „Die Umsetzung der Digitalisierung in der Immobilienbranche ist von Widersprüchen geprägt. Die Unternehmen drohen sich selbst auszubremsen. Dabei verkennt die Mehrheit das große Potenzial, das die Digitalisierung für das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle bietet", so Ibel weiter. So glauben 70 % der Verwalter und Bestandshalter sowie 56 % der Bauträger und Projektentwickler nicht daran, dass sie durch die Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschließen können.

Ibel plädierte für einen stärkeren Austausch mit anderen Immobilienunternehmen und anderen Branchen, die sich als digitale Vorreiter hervorgetan haben. „Vor allem aber brauchen wir eine neue Fehlerkultur und Mut zur Veränderung! Nur so können wir die notwendigen Veränderungen in Angriff nehmen, bevor wir durch äußere Umstände dazu gezwungen werden."

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