Internationale Wärmetagung: Pumpenlösungen für Siedlungen und Quartiere

Auf der diesjährigen internationalen Wärmetagung (Bundesverband Wärmepumpe, Wärmepumpe Austria und Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz) in Köln fachsimpelten mehr als 80 Experten aus Politik, Industrie, Verwaltung und Handwerk engagiert über Möglichkeiten und Hindernisse von Großwärmepumpen und Nahwärmenetzen und über bereits realisierte Projekte in Europa und insbesondere in Deutschland. „Gerade Kommunen, Projektentwickler, Stadtwerke und andere Energieversorger haben bei der Errichtung oder Modernisierung von Quartieren und Siedlungen die Chance, den Klimaschutz massiv voranzutreiben – und ganz nebenbei zukunftsfähige Geschäftsmodelle mit langfristigen Kundenbeziehungen zu etablieren“, erklärte BWP-Vorstandsvorsitzender Paul Waning auf der Veranstaltung.

Klassische Nahwärme oder kalte Nahwärme

Für Wärmepumpenlösungen in Siedlungen und Quartieren stehen vor allem zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Bei der klassischen Nahwärme wird die gewonnene Wärme mittels Großwärmepumpe zentral auf das benötigte Temperaturniveau gehoben und dann per Übergabestationen in die Heizsysteme der Häuser eingespeist. Die Temperaturen im Nahwärmenetz sind daher entsprechend hoch. Bei dieser Lösung steht im Gebäude selbst keine Wärmepumpe.

Eine Alternative ist die sogenannte kalte Nahwärme. Dabei wird die Wärme in das Netz gespeist und erst im Gebäude von einer Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau gebracht. Die Wärmepumpe ersetzt bei diesem Konzept die Übergabestation. So können die Systemtemperaturen des Netzes niedrig gehalten werden. Wärmeverluste lassen sich auf diese Weise vermeiden und eine hohe Systemeffizienz wird sichergestellt. In einigen Stadtbezirken werden auf diese Weise auch Neubaugebiete mit Bestandsquartieren verknüpft. Dabei gibt es eine Vielzahl denkbarer Wärmequellen: Erdwärme, gewonnen durch Sonden oder Kollektoren, Grundwasser, das über Brunnen nutzbar gemacht wird, Abwärme von Kühlanlagen, Industriebetrieben, Rechenzentren o. ä., Abwasser, das mit konstant hohen Temperaturen durch die Kanalisation fließt, Solarthermie, insbesondere große Freiflächenanlagen sowie Bioenergie- oder KWK-Anlagen.

Wärmenetze mit Wärmepumpe entscheidender Baustein für Klimaschutz

Der Einsatz von Wärmepumpen in Wärmenetzen, Quartieren und Siedlungen sowie in Industrie und Gewerbeprojekten ist ein entscheidender Baustein, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung und Europas zu erreichen. Das Pariser Klimaschutzabkommen erfordert es, den Wärmesektor bis 2050 CO2-frei zu machen. Bund Länder und Kommunen, Stadtwerke und Gewerbetreibende müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen und Akzente setzen. Zahlreiche Referenzprojekte zeigen, dass der Kombination unterschiedlicher Wärmequellen (Erdwärme, Grundwasser, Abwärme) und der Einbindung weiterer Energie- und Wärmeerzeuger (KWK, PV, Solarthermie) kaum Grenzen gesetzt sind. Einige Referenzprojekte finden Sie hier.

Förderung von nachhaltigen Wärmenetzen

Mit der Förderung von „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“ gibt es seit dem 1. Juli 2017 erstmals eine systemische Förderung im Bereich der Wärmeinfrastruktur. Damit sollen zukunftsfähige Wärmenetzsysteme gefördert werden, die den langfristigen Zielen der Energiewende besonders entsprechen. Gefördert werden sowohl Machbarkeitsstudien als auch die Realisierung konkreter Projekte. Dabei kann es sich sowohl um den Neubau eines Netzes als auch um die Transformation bestehender (Teil-)Netze handeln. Die zuständige Behörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA, www.bafa.de).

Thematisch passende Artikel:

2019-09 Klimaschutz-Quartier

Kalte Nahwärme und Sonnenstrom

In Reichenbach an der Fils entsteht ein Neubauquartier nach ökologischen Ansprüchen. Der Immobilienentwickler EcoShare Solutions GmbH und der Öko-Energieversorger Naturstrom setzen auf ein kaltes...

mehr

Der Verband kommunaler Unternehmen und die Agentur für Erneuerbare Energien sind sich einig: Klimaschutz braucht die Wende im Wärmesektor

In einem gemeinsamen Pressegespräch haben der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mehr politisches Augenmerk für den Klimaschutz im Wärmebereich...

mehr

Holzenergie-Branche einig: „Klimaschutz nur mit uns“

„Nur mit Holzenergie lassen sich die Klimaschutzziele erreichen“, sind sich rund 250 Teilnehmer des diesjährigen Fachkongresses Holzenergie einig. Zum Auftakt des Kongresses in Würzburg appelliert...

mehr

Stadtwerke und 1&1 Versatel bieten gemeinsam schnelles Internet für Unternehmen in Unna an

Die Stadtwerke Unna bauen in der Stadt und den Vororten ihre Glasfaser-Infrastruktur aus: Leistungsstarke Glasfaserstrecken werden gelegt, die Breitbandanschlüsse mit technisch fast unbegrenzter...

mehr
2010-03 Klimaschutz

Wer macht das Rennen?

Seit 2008 unterstützt CO2NTRA, die Klimaschutz-Initiative von Saint-Gobain Isover G+H AG, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bei ihrer Wettbewerbsreihe, in deren Rahmen Kommunen für Maßnahmen im...

mehr