Bauindustrie-Präsident Wolfgang Finck mahnt ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Bauunternehmen und öffentlichen Auftraggebern an

Der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt (BISA) beklagt weiterhin Schwierigkeiten bei der Ausschreibung und Abwicklung öffentlicher Bauvorhaben. Nach Berechnungen des Verbandes hatten etwa drei von vier Bauunternehmen in Sachsen und Sachsen-Anhalt 2016 Probleme in diesem Bereich. Vor allem die Ausschreibungspraxis im kommunalen Bereich wird von den Unternehmen immer wieder bemängelt.

BISA-Präsident Wolfgang Finck sieht bei der Vorstellung des aktuellen „Schwarzbuch Bauwirtschaft: Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe“ vor allem drei Problemfelder, die dringend behoben werden müssen, damit die Abwicklung öffentlicher Aufträge für beide Seiten weniger Frust bringt.

Erstens müsse bei der Planung öffentlicher Bauvorhaben mehr Sorgfalt walten: „Eine gute Planung ist die Voraussetzung für eine reibungslose Bauausführung. Die Fehler in der Planungs- und Ausschreibungsphase müssen letztlich die Baufirmen tragen“, so Finck. Dazu gehöre auch, dass Absprachen und einmal getroffene Entscheidungen eingehalten werden müssen. Ständige Planänderungen während des Baufortschritts führten zu Bauverzögerungen und Kostensteigerungen. Darüber hinaus müsse die Bauverwaltung ihre Bauherrenkompetenz wieder wahrnehmen und sich trauen, verbindliche und verlässliche Entscheidungen zu treffen.

Zweitens bedarf es nach Aussage von Finck endlich realistischer Kostenschätzungen: „Schöngerechnete Kostenschätzungen können zwar kurzfristig die politische und öffentliche Akzeptanz erhöhen, rächen sich aber im Ausschreibungsprozess, der Vertragsdurchführung und schließlich in der öffentlichen Meinung, wenn die Kosten überschritten werden“.

Drittens müsse es endlich wieder ohne Streit möglich sein, berechtigte Nachträge einzufordern. „Alle Bauwerke sind Unikate – daher gehören Nachträge zum normalen Bauablauf“, so Finck weiter.

Wenn es für Unternehmen immer aufwendiger werde, sich an der Ausschreibung öffentlicher Bauvorhaben zu beteiligen, bestehe die Gefahr, dass immer weniger Unternehmen bereit sind, für die öffentliche Hand zu bauen. Das wäre angesichts der großen Bauaufgaben eine katastrophale Entwicklung.

Finck dazu abschließend: „Wir verstehen das Verhältnis zwischen der öffentlichen Hand und der Bauwirtschaft als partnerschaftliches Miteinander. Wichtig dafür ist jedoch ein konstruktiver Dialog auf Augenhöhe“. 

Die wesentlichen Probleme, die den Bauunternehmen bei der Realisierung öffentlicher Aufträge entstehen, hat der BISA in seinem „Schwarzbuch Bauwirtschaft: Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe“ zusammengetragen. Download unter www.bauindustrie-ssa.de

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