Baugewerbeverband Schleswig-Holstein: Halbjahresbilanz mit mehr Aufträgen, Betrieben, Beschäftigten

Bereits im vierten Jahr in Folge ist das Konjunkturbild im Bauhauptgewerbe von einer hohen Nachfrage gekennzeichnet. Die Halbjahresbilanz zeigt sich sowohl auf Bundesebene als auch für Schleswig-Holstein positiv. Die Bauwirtschaft arbeitet intensiv die Aufträge im Hoch- und Tiefbau ab und bleibt optimistisch.

Das gesamte Baujahr 2019 wird positiv bewertet und die Baukonjunktur geht mit Schwung in die Messe NordBau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stieg der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 nominal um 10,8 % (real 5,3 %) gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Dreimonatsvergleich sank das reale Volumen der saison- und kalenderbereinigten Auftragseingänge von April bis Juni 2019 gegenüber Januar bis März 2019 um 9,6 %. Allerdings war hier von einem sehr hohe Auftragseingangsniveau ausgegangen und die Auftragsbücher sind weiterhin gut gefüllt.

Im Juni zogen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen gegenüber Mai deutlich an und lagen nominal mit rund 7,6 Mrd. Euro 2,9 % höher als im Juni 2018. Einen höheren Auftragseingang in einem Juni hatte es zuletzt vor 25 Jahren gegeben (1994: 7,9 Mrd. Euro).

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) erwartet im Hinblick auf die Orderzugänge eine Fortsetzung der intensiven Bautätigkeit. Bei zwei mehr zur Verfügung stehenden Arbeitstagen als im Vorjahresmonat haben die Unternehmen im Mai gut 7 % mehr Stunden geleistet als im Mai 2018. Die Umsätze im Bauhauptgewerbe stiegen im Mai um 13 %; (real +7,2 %). Kumulativ erreicht die Umsatzentwicklung damit knapp 32 Mrd. Euro (nominal +16 %; real +9,7 %).

Die Zahl der Beschäftigten erreichte in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten jahresdurchschnittlich ca. 480.000 Beschäftigte und liegt damit um ca. 25.100 Beschäftigte über dem Vorjahresvergleichswert (+5,5 %).

Nach der aktuellen Konjunkturumfrage des ZDB melden die Betriebe, dass eine noch höhere Bautätigkeit wegen des Mangels an Fachkräften verhindert wird. Obwohl die Unternehmen in den letzten Jahren bereits deutlich mehr Personal eingestellt haben, suchen sie weiter Fachkräfte. Zwar gelingt es den Unternehmen wieder, mehr Ausbildungsplätze zu besetzen, insgesamt aber nicht in dem notwendigen Umfang.

Laut Ausbildungsstatistik der Sozialkassen Bauwirtschaft (SOKA-BAU) waren zum Stichtag 30. Juni 2019 bundesweit 35.785 Ausbildungsverhältnisse registriert (+5,1 %). Die positive Entwicklung gilt auch beim Blick auf die Lehrlinge im ersten Lehrjahr. So hat sich deren Zahl um auf 10.887 Ausbildungsverhältnisse (+5,4 %) erhöht.

Zeitgleich stieg die Zahl der Ausbildungsbetriebe leicht: Waren es im Vorjahr noch 14.458 Unternehmen, bilden zum Stichtag 30. Juni 2019 14.653 Betriebe aus (+1,4 %). Die mittelständischen Betriebe des Baugewerbes schultern hier die Hauptlast: Vier von fünf Lehrlingen werden in einem baugewerblichen Unternehmen ausgebildet, so der ZDB.

Die Lage in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahr auf 1,1 Mrd. Euro (+14 %). Im öffentlichen und Verkehrsbau gab es einen Zuwachs der Auftragseingänge auf 451 Mio. Euro (+26 %). Im Wohnungsbau stiegen die Auftragseingänge auf 344 Mio. Euro (+14 %). Im gewerblichen und industriellen Bau fiel das Wachstum mit 346 Mio. Euro (+2 %) dagegen eher gering aus.

Der baugewerbliche Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um auf 1,2 Mrd. Euro (+34 %). Die Zuwachsrate war am deutlichsten im Wohnungsbau auf 535 Mio. Euro (+38 %). Im gewerblichen und industriellen Bau auf 348 Mio. Euro (+ 31 %) und im öffentlichen und Verkehrsbau auf 356 Mio. Euro (+30 %) gab es ebenfalls starke Steigerungen.

„Die Programme aus dem Bauministerium, die Mittel aus dem Impulsprogramm für den öffentlichen Bau sowie die Maßnahmen aus dem Verkehrsministerium zur Instandsetzung der Landesstraßen tragen zu der guten Auftragslage bei und geben unseren Betrieben Planungssicherheit“, lobt Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein. Allein das große Minus im gewerblichen und industriellen Bau bereite Sorge, sei es doch ein Indikator für eine schwächer werdende Wirtschaft; die Lokomotive Bauwirtschaft werde im privaten Wohnungsbau und im Straßenbau jedoch noch längere Zeit unter Dampf stehen.

Schleswig-Holsteins Bauminister, Hans-Joachim Grote, hob in seiner Ansprache zum Sommerempfang von „Handwerk Schleswig-Holstein“ am 28. August hervor, dass das Bundesland nicht nur wegen des sogenannten Glücksatlasses zu den Gewinnern gehöre, sondern auch die gute Lage der Bauwirtschaft zurzeit gegen den Trend einer bundesweit drohenden Rezession laufe. 

Die Betriebe haben noch immer einen Überhang an Aufträgen mit Wartezeiten von mehreren Monaten im Hoch- und Tiefbau sowie Brunnenbau zu verzeichnen. Sie unternehmen verstärkt weitere Anstrengungen, um diesen Überhang an Aufträgen abzuarbeiten und stellen, soweit zu bekommen, weitere Mitarbeiter ein. „In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Betriebe und Mitarbeiter kontinuierlich gestiegen, von 2.400 Betrieben mit gut 24.000 Beschäftigten auf mehr als 3.000 Betriebe mit mehr als 30.000 Beschäftigten“, sagt Schareck.

Auch 2019 ist die Zahl der größeren Betriebe und damit auch die Zahl der dort Beschäftigten deutlich gestiegen. Mehr als 15.800 Personen waren in den ersten sechs Monaten 2019 baugewerblich tätig. Gegenüber dem Vorjahreshalbjahr ist das ein Plus von 15 Prozent. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden stieg um 19 Prozent auf 9,1 Mio. Stunden, so das Statistikamt Nord.

Bei diesen statistischen Daten werden Betriebe im Bauhauptgewerbe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen erfasst. Im ersten Halbjahr 2019 waren dies in Schleswig-Holstein 362 Betriebe. Aus den Werten lassen sich Tendenzaussagen treffen, die für die gesamte Bauwirtschaft gelten.

Allerdings macht sich auch in Schleswig-Holstein der Fachkräftemangel, insbesondere bei der Nachwuchsgewinnung, bemerkbar. Hier sind im Bauhauptgewerbe in den verschiedenen Berufen (Maurer, Beton- u. Stahlbetonbauer, Zimmerer, Straßenbauer, Fliesenleger, Brunnenbauer, Estrichleger, Hoch- und Tiefbaufacharbeiter) 1.785 Lehrlinge zum Jahresende 2018 und 1.719 zum Jahresende 2017 beschäftigt gewesen.

„Die im Bundesvergleich relativ zurückhaltende Einstellungsquote ist aber auch auf die geringe Umsatzrendite zurückzuführen“, erklärt Schareck. Das Baukostengutachten „Gutachten zum Thema Baukosten und Kostenfaktoren im Wohnungsbau Schleswig-Holstein“ der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen ARGE vom Mai dieses Jahres belegt, dass die Baubetriebe ausdrücklich nicht zu den Kostentreibern bei den gestiegenen Bauwerkskosten zählen. Demnach entfällt die niedrigste Kostensteigerung mit 41 % von 2000 bis 2018 auf den Rohbau, neben steigenden Kosten bei Material, Rohstoffen, Entsorgungskosten, Energiepreisen und Maschinenkosten sind es vor allem die gestiegen Sozialabgaben und Lohnkosten (+ 21 %).

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