Ziegelbauweise

Urban. Grün. Bezahlbar.

Dass zentrales Wohnen in grüner Umgebung zu bezahlbaren Mieten möglich ist, beweist das Wohnprojekt „Atrium Senefelder“ in Offenbach. Auf dem ehemaligen MAN-Werksgelände baute die GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen fünf Mehrfamilienhäuser aus Ziegelmauerwerk. Es entstanden 94 Mietwohnungen zu Nettokaltmieten von 11 Euro pro Quadratmeter.

„Bezahlbarer Wohnraum beginnt mit der Wirtschaftlichkeit der Bauweise. Massives Ziegelmauerwerk bietet aufgrund seiner einfachen Verarbeitung und dem geringen Instandhaltungsaufwand deutliche Preisvorteile, die sich kostensenkend auf die Mieten auswirken“, macht Christian Wedler, Geschäftsführer GWH Bauprojekte, deutlich. Laut einer Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) ist massives Mauerwerk 13 Prozent günstiger als Beton und 18 Prozent günstiger als Holz. Durch die zweischalige Ausführung konnte außerdem auf eine zusätzliche Außendämmung verzichtet werden, was die Kosten zusätzlich gesenkt hat. Zudem wurde die Wohnanlage als KfW-Effizienzhaus 55 gebaut – und verbraucht somit 45 Prozent weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau.

Exzellenter Wärme- und Schallschutz

Das Neubauprojekt Atrium Senefelder wurde vom Architekturbüro Karl Dudler Architekten geplant. „Aufgrund der Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit haben wir uns für eine Fassadenkonstruktion aus verfüllten Ziegeln entschieden“, erklärt Projektleiter Johannes Dürrbeck. Die Außenwände bestehen aus 42,5 cm starkem, hochwärmedämmenden Poroton-Ziegel, die Innenwände und Decken aus Stahlbeton. Mit dem Poroton S8-MW wurde ein Ziegel mit integrierter Dämmung gewählt, der durch seine optimierte Lochgeometrie Wärmeschutz bietet und mögliche Wärmeverluste über die Stoßfuge vermindert. Bei sommerlichen Hochtemperaturen hingegen wirkt die hohe Speichermasse der Ziegelkonstruktion einer Überhitzung der Innenräume entgegen. Die hochwärmedämmenden Hintermauerziegel konnten auf der Baustelle so mit Systemzubehör kombiniert werden, dass die gesamte Außenwandkonstruktion – von der Ringbalkenschalung bis zur Deckenrandschale monolithisch hergestellt wurde.

Ein wichtiger Faktor beim innerstädtischen Bauen ist der Schallschutz. Denn aufgrund der Einwohnerdichte und des Verkehrsaufkommens ist die Lärmbelastung in urbanen Gebieten deutlich höher als in der Peripherie. Hier sind Ziegelbauten aufgrund ihrer hervorragenden Schallschutzeigenschaften anderen Bauweisen deutlich überlegen. 

Modern interpretierte Gründerzeit

Das Entwurfskonzept der Frankfurter Architekten lehnt sich an die gründerzeitliche Bebauung in der Umgebung an. Die modernen Neubauten sind eine zeitgemäße Interpretation des vorhandenen Stadtbildes. Die u-förmige Blockrandbebauung gruppiert sich um eine bepflanzte Freifläche, die sich mit dem neuen Park zu einem innerstädtischen Grünzug verbindet. Durch die aufgelöste U-Form haben fast alle Wohnungen einen freien Blick in die Grünanlagen.

Damit sich der Gebäudekomplex harmonisch in die Nachbarbebauung einfügt, wurde der relativ große Wohnblock in fünf klar definierte Gebäudeteile aufgelöst. Dies unterstreichen die Architekten bewusst durch eine Kleinteiligkeit der Fassaden: Mit verschiedenen Klinkerriemchen und Fassadenfarben sowie unterschiedlich gestalteten Hauseingängen geben sie jedem der fünf Gebäudeteile ein eigenes Gesicht, was die Adressbildung für die Mieter erleichtert.

Die fünfgeschossigen Häuser plus Staffelgeschoss sind als Mehrspänner organisiert. Fünf Treppenhäuser erschließen zwei bis sechs Wohnungen, deren Größe zwischen 41 und 120 Quadratmeter variiert. Die 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen sind modern geschnitten und alle mit einem großzügigen Balkon oder Loggia bzw. mit Terrasse oder Dachterrasse ausgestattet. In allen Wohnungen sorgt Fußbodenheizung für angenehme Strahlungswärme. Kontrollierte Wohnraumlüftung garantiert gute Luft in den Aufenthaltsräumen. Große Fenster lassen viel Tageslicht hinein, die Dreifach-Verglasung gewährt hohen Schall- und Wärmeschutz. Für zusätzlichen Sonnen- und Blendschutz sind alle Fenster mit Rollläden ausgestattet.

„Massives Ziegelmauerwerk bietet aufgrund seiner einfachen Verarbeitung und dem geringen Instandhaltungsaufwand deutliche Preisvorteile, die sich kostensenkend auf die Mieten auswirken“

BAUTAFEL

Objekt
Atrium Senefelder, Christian-Pleß-Straße,
Offenbach
Bauherr
GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen,
Frankfurt / Main
Architekturbüro
Karl Dudler Architekten, Frankfurt / Main
Tragwerksplanung
Rummel + Rummel VBI, Darmstadt
Investitionsvolumen
18,02 Millionen Euro (KG 300 + 400)
Konstruktion
Massivbauweise, fünf Gebäude – vier davon mit fünf Vollgeschossen, 94 Wohneinheiten, drei Gewerbeeinheiten und eine Kita, 63 Tiefgaragenstellplätze
Außenwände
Monolithische Außenwand aus dämmstoffverfüllten Poroton S8-MW, 42,5 cm, U-Wert der Außenwand 0,18 W/m2K, 90 Prozent Putzoberfläche, 10 Prozent Klinker
Effizienzhausstandard
KfW 55
Jahresprimärenergiebedarf
46,75 kWh/(m2a)
Haustechnik
Fernwärme (überwiegend erneuerbar), zentrale Abluftanlage, Fußbodenheizung, zentrale Trinkwassererwärmung
Besonderheiten
Tiefgarage, Bebauung in U-Form, Übergang Innenhof zu öffentlicher Grünfläche, begrünte Flachdächer
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