Quartiersentwicklung: Die Zeit der solitären Stadien ist vorbei

Der Immobiliendienstleister Drees & Sommer greift Themen auf, die die Branche bewegen.

Stadien- und Arenenbauten sind in der Regel großmaßstäbige und komplexe Projekte. Sie können die urbane Umgebung stark verändern, aber auch einen enormen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten. Bisher stehen viele Stadien jedoch als Solitäre da, deren Umgebung an eventfreien Tagen oft menschenleer ist. Dass muss nicht sein. Vielmehr sollten die Beteiligten über eine optimale Integration von Sportstätten in Stadtquartiere nachdenken und diese bei Stadt- und Quartiersentwicklungsmaßnahmen berücksichtigen.

Im Schnitt finden in einem Sportstadion 17 bis 20 Heimspiele, ein paar Konzerte und vielleicht 30 Konferenzen pro Jahr statt. In der übrigen Zeit bleibt das Stadion ungenutzt, während sämtliche Betriebskosten weiterlaufen. Das zu refinanzieren, schaffen nur die Top-Vereine aus der ersten Bundesliga, die über die entsprechenden Ticketeinnahmen und Sponsorengelder verfügen. Bei einem Abstieg geht dieses Geschäftsmodell nicht mehr auf.

Eine der größten Herausforderungen für Investoren, Betreiber und Kommunen ist es daher, die Wirtschaftlichkeit von Stadien zu sichern beziehungsweise zu optimieren. Der Fokus sollte dabei auf eine multifunktionale Nutzung der Arenen – und zwar an 365 Tage im Jahr – gelegt werden. Ob Integration von Hotels, Reha-Zentren und Kindertagestätten oder Nutzung von Stadien als Start up-Locations – die Bandbreite an Möglichkeiten ist hier sehr groß.

Offenheit und Kooperation sind gefragt

Entscheidend für die erfolgreiche Planung und Umsetzung solch innovativer Stadionkonzepte sind die Offenheit und die Bereitschaft mit anderen zusammenzuarbeiten. Kommunen, die sich für externe Investoren und Berater öffnen, können gemeinsam mit den Vereinen sichere Geschäftsmodelle entwickeln, die die Risiken des sportlichen Misserfolgs minimieren. Tauschen sie sich interdisziplinär aus und entwickeln ein ganzheitliches Konzept, ist eine wichtige Grundlage für eine wirtschaftlich erfolgreiche und für Besucher attraktive Sportstätte geschaffen.

Wenn es dann konkreter wird, gilt es herauszuarbeiten, welche Bausteine zu einem attraktiven Stadionumfeld passen. Reine Wohngebiete kommen da vielleicht weniger in Frage, dafür aber Nutzungen aus den Bereichen Medizin, Handel, Hotel, Büro- und Kongressräume oder auch sportaffine Angebote wie Fitnessstudios oder andere Freizeitnutzungen.

Wichtige Faktoren für die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und die Integration von Stadien in Quartiersentwicklungen sind auch die Themen Digitalisierung und Mobilität. Diese reichen von der bequemen Ticketbestellung per Mausklick über die schnelle und reibungslose Anfahrt zum Stadion, bargeldlose Bezahlsysteme in der Arena, Apps, die zum richtigen Sitzplatz leiten, bis hin zu schnellem WLAN, um etwa die Atmosphäre im Stadion während eines Spiels über soziale Netzwerke zu teilen.

Kurzum: Durch multifunktionale Entwürfe, Drittnutzungen und vielseitigen Angebote können Stadien zu lebendigen und attraktiven Aufenthaltsorten innerhalb einer Stadt oder eines Viertels gestaltet werden und über das ganze Jahr hinweg zusätzliche Einnahmen erzielen.

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