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BBB-Exklusiv: Natürlich herausgeputzt

Algen- und Pilzbewuchs an Hausfassaden ist immer wieder ein Ärgernis. Eine neue Putztechnik, die auf natürlichen Wirkprinzipien basiert, hält Hauswände länger algenfrei. Über die neue Putz-Technologie sprach BundesBauBlatt-Mitarbeiterin Jola Horschig mit Christian Poprawa, Marketingdirektor von Saint-Gobain Weber.

Viele Immobilienbesitzer kennen die Situation: Saubere Fassadenoberflächen werden innerhalb weniger Jahre von einem grau-grünen Schleier bedeckt. Es handelt sich dabei um Algen und Pilze, die im Zuge veränderter Klima- und Umweltbedingungen immer besser gedeihen können. Weil dem unerwünschten Bewuchs selbst mit aggressiven Reinigungsmitteln nur kurzfristig beizukommen ist, steht häufig in verhältnismäßig kurzen Abständen eine Sanierung der Oberflächen an.

Bislang galt der Einsatz von Bioziden in hydrophoben Putzen als wirksamste Methode, um Algen- und Pilzbewuchs an der Fassade zu verhindern. Diese Lösung hat jedoch einen Nachteil: Auf wasserabweisenden Putzen sammeln sich Regen und Tauwasser und bieten so den Mikroorganismen einen perfekten Nährboden. Durch biozide Zusätze werden die Algen- und Pilzsporen zwar abgetötet, doch der Regen wäscht die wasserlöslichen Chemikalien im Laufe der Zeit aus. So verliert der Fassadenputz seine Schutzwirkung und kann ungehindert von den Mikroorganismen besiedelt werden. Zudem gelangen auf diesem Weg jedes Jahr mehrere hundert Tonnen der gesundheits- und umweltschädlichen Biozide in unser Grundwasser und in den Wasserkreislauf.

Der Baustoffhersteller Saint-Gobain Weber hat eine Putztechnik vorgestellt, die auf den Einsatz von auswaschbaren Bioziden verzichtet. Die hydrophilen AquaBalance-Fassadenputze schützen die Fassade auf Basis natürlicher Wirkprinzipien und halten sie langfristig und auf umweltschonende Weise algenfrei.

Herr Poprawa, auf was für einem Wirkprinzip basiert die Putz-Technologie?

Poprawa: Voraussetzung für das Wachstum von Algen und Pilzen ist Feuchtigkeit. Hier setzen die AquaBalance-Fassadenputze an. Sie basieren auf einem hydrophilen Wirkprinzip. Wassertropfen, die an der Fassade haften, werden in feine Putzkapillare gezogen. Dort wird die Feuchtigkeit vorübergehend gespeichert und, sobald die Luftfeuchtigkeit sinkt, wieder an die Atmosphäre abgegeben. Dadurch trocknet die Oberfläche des Putzes schneller ab, Algen und Pilze finden keinen Nährboden. Zudem werden Wassertropfen auf dem Putz gedehnt, wodurch sie schneller verdunsten.

Die Produkte sind neu, d.h. es liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor. Wie lange werden die Putze den Bewuchs von Algen und Pilzen voraussichtlich verhindern?

Poprawa: Da AquaBalance auf einem physikalischen Prinzip basiert, ist die Schutzwirkung zeitlich unbegrenzt. Das kann man auch sehen, denn es stimmt nicht ganz, dass keine Langzeiterfahrungen vorliegen. Die AquaBalance-Technologie, wie wir sie im Frühjahr 2013 vorgestellt haben, ist neu. Aber sie basiert auf einer Vorgängertechnologie; der pas top-Technologie, die Weber bereits 2006 entwickelt hat. Diese Technologie war auf pastöse, also organische Fassadenputze beschränkt. Objekte, die wir vor nunmehr acht Jahren mit diesen Putzen ausgeführt haben, weisen keinen sichtbaren Algenbewuchs auf – das spricht für sich. Diese Technologie haben wir weiter entwickelt und auf mineralische Putze ausgeweitet. Der Kunde profitiert daher von einem innovativen und zugleich bewährten Produkt.

Worin sehen Sie den Nutzen für die Wohnungswirtschaft?

Poprawa: Der Hauptvorteil liegt sicher in den verlängerten Wartungsintervallen. Gängigen Fassadenputzen werden Biozide beigemengt, um die Algen- und Pilzsporen abzutöten. Diese Wirkstoffe werden vom Regen aus­gewaschen. Die Fassade ist nicht mehr geschützt, Algen und Pilze können ungehindert sprießen. Nur ein erneuter Anstrich mit biozidhaltigen Produkten tötet sie wiederum für einige Zeit ab. Die AquaBalance-Produkte schützen dauerhaft vor Algen- und Pilzbefall. Das Erscheinungsbild von Immobilien bleibt langfristig attraktiv, die Wartungsintervalle verlängern sich. Zudem profitieren Wohnungsgesellschaften bei Verwendung der mehrfach ausgezeichneten AquaBalance-Fassadenputze von einem Image-Bonus als umweltbewusster Bauherr.

Müssen die Putze anders als herkömmliche Putze verarbeitet werden und mit welchen Kosten müssen Bauherren pro Quadratmeter rechnen?

Poprawa: Die AquaBalance-Putze werden genau wie Putze ohne AquaBalance-Technologie verarbeitet. Besonders erfreulich für Bauherren: Für AquaBalance-Putze fallen kaum Mehrkosten an. Die Kosten für die Entwicklung der neuen Technologie, die in den Preis einfließen, werden nahezu kompensiert durch den Wegfall des Zuschlags, der bei herkömmlichen Putzen in der Regel für die biozide Ausstattung gefordert wird. In Kombination mit den verringerten Aufwendungen für die Wartung sind AquaBalance-Produkte daher auch unter wirtschaftlichen Aspekten sehr interessant.

In welchen Farben gibt es die Putze und sind sie mit WDV-Systemen kombinierbar?

Poprawa: Aktuell bieten wir dreizehn Produkte mit AquaBalance-Technologie an, vom mineralischen Edelkratzputz über Dispersions-Reibeputz bis zur silikatischen Egalisierungsfarbe. Der Bauherr kann aus unseren 162 Farbtönen in verschiedenen Strukturen auswählen. Die AquaBalance-Putze sind sowohl auf mineralischen weber.dur Unterputzen als auch auf allen weber.therm Wärmedämm-Verbundsystemen zugelassen. Planer und Bauherren verfügen somit über eine nahezu unbeschränkte Gestaltungsfreiheit.

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