Leben in „Crowd und Cloud“

Ein Lebensgefühl als Chance: Wie Wohnungsbaugesellschaften „Smarte Mieter“ auf sich aufmerksam machen können. Interview mit Dr. Peter Schaffner, Managing Director Wohnungswirtschaft der Aareal Bank AG.
Ein Lebensgefühl als Chance: Wie Wohnungsbaugesellschaften „Smarte Mieter“ auf sich aufmerksam machen können. Interview mit Dr. Peter Schaffner, Managing Director Wohnungswirtschaft der Aareal Bank AG.

Herr Dr. Schaffner, müssen Wohnungsgesellschaften großflächig umbauen, um smarte Mieter anlocken zu können?

Dr. Schaffner: Die digitalen Megatrends, welche die Aareal Bank Gruppe über Angebote für Wohnungsgesellschaften, Dienstleister und Mieter bereits heute aufgreift, sind jedenfalls ein wichtiger Aspekt, den man als Stadt- und Strukturplaner künftig mitdenken kann. Das steht nicht im Gegensatz zur klassischen „Wohnschöpfungskette“, also dem Wecken von Aufmerksamkeit, dem Vermieten/Verkaufen und schließlich dem Wohnen. Aber wenn ich das Ziel habe, gerade junge Leute anzuziehen, dann muss ich die digitalen Megatrends sicherlich als Gestaltungs- und Entwicklungsaspekt meines Bestandes einbeziehen. Der Aufwand kann sich auch lohnen, indem ein Unternehmen in diesem Umfeld seine Angebots-

palette ausbaut.


Was wäre hierfür denn ein konkretes Beispiel, etwa im Bereich der digitalen Vernetzung?

Dr. Schaffner: Für die jüngeren Generationen ist es normal, Informationen aus dem Netz zu beziehen und sich dort zu Aktivitäten anregen zu lassen. Das ist eine Chance für Wohnungsunternehmen, die es verstehen, Kommunikation innerhalb ihres Bestandes zu kanalisieren und zu bündeln, was auch heißen kann: zuzulassen. Einem Schwarmstädter gegenüber wäre ein Online-Portal ein klares Kundenbindungsinstrument, wenn es ihm zeigt, welche Aktivitäten im Wohn-Haus angeboten werden, und wenn er dort gleich darüber kommunizieren kann. Eine solche Online-Community entspricht dem Leben in „Crowd und Cloud“ und trifft das entsprechende Lebensgefühl.

Gilt das auch im realen Leben? Kann das Wohnungsunternehmen etwa selbst „Sharing“-Partner werden?

Dr. Schaffner: Natürlich. Erste Neubauprojekte in Frankfurt, Berlin oder München setzen bereits erfolgreich Ideen von gemeinschaftlich nutzbaren Küchen, Dachterrassen oder Clubräumen um. Im Ideal ergibt sich ein Zusammenspiel privater Bereiche und optionaler Räume, die je nach Lebensstil und Bedarf arrangiert werden können. Kleine Apartments werden ergänzt durch dazu gehörige Gemeinschaftsräume oder auch nutzenfreie Flächen, die sich die Haus-Community nach eigenem Verlangen gestalten kann. Damit sich ein Mieter nicht mehr über „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ definiert, sondern über „unser Garten, unsere Werkstatt, unser Club“. Und das Wohnungsunternehmen bietet Serviceleistungen dazu an, die variabel abgerufen werden können.

Wäre der nächste logische Schritt dann das Angebot zur gestaltenden Mitwirkung?

Dr. Schaffner: Genau. Gibt es Möglichkeiten, Räume und Flächen im  Sinne einer Gemeinschaftsnutzung umzuplanen und umzuwidmen? Wenn ja, warum sollte man nicht die Mieter frühzeitig einbinden durch Ideenwettbewerbe – natürlich im Online-Portal. Idealerweise treffen sich sogar die Wünsche von alternder Bevölkerung und Schwarmjugend, weil beiden an einer flexiblen Konzeption von Wohnungsangeboten gelegen sein muss. Das ist dann eine Konzeption, die sich nicht an „ein Leben lang“, sondern an „so lange es passt“ orientiert, und die sich nicht nur auf die private Wohnung, sondern auf eine Gemeinschaftserfahrung im Quartier bezieht. Auch das übrigens durchaus ein Argument für „Schwärmer“ und alternde, alleinstehende Menschen.

Habe Sie noch eine abschließende Vision, wie weitreichend die Wohnungswirtschaft das digitale Lebensgefühl aufnehmen kann?

Dr. Schaffner: Wohnungsunternehmen können Begegnungsplätze auch außerhalb der eigenen vier Wände schaffen. Stellen Sie sich „Urban Gardening“-Beete auf Brachflächen und Dächern vor. Parks, attraktiv gestaltet mit Laufparcours und ähnlichem, bieten Räume für „Urban Fitness“ oder einfach als Treffpunkt. Ehemalige, nahegelegene Industrieflächen können so für Kommunen als Betätigungsfelder attraktiv werden und aus dem Großstadtdschungel eine Wohnlandschaft entstehen lassen. Ein Vorteil für die Quartiersentwicklung: Wer sich sein Wohnzimmer gestaltet – und liegt es auch außerhalb der eigenen gemieteten Wohnung –, wird dabei engagiert zur Entwicklung eines gemeinsamen Verantwortungsgefühls für die Nachbarschaft beitragen. Und wieder kann die Wohnungsgesellschaft Dienstleistungsangebote entwickeln, etwa Trainer und Gärtner bereitstellen. Oder gleich technisch hochwertige Arbeitsplätze anmieten lassen: wohnungsnah ein echter Wettbewerbsvorteil.

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