Bauen im Bestand

Flachdach – aber sicher

Regen und Hagel, Kälte und Hitze – das Wetter stellt Anforderungen an Flachdächer. Ein Systemaufbau, der in seinen Komponenten auf das Dach abgestimmt ist, bietet Sicherheit. Gleichzeitig erlaubt er gewinnbringende Nutzungsänderungen.

Flachdächer sind Wind und Wetter ausgesetzt und müssen Häuser und Bewohner zuverlässig schützen. Werden Wartung und Sanierung vernachlässigt, können Wasser- und Gebäudeschäden die Folge sein. Dabei führen regelmäßige Inspektionen und – falls notwendig – eine gut geplante Sanierung mit der bedarfsgerechten Qualität des Aufbaus und einer fachgerechten Verarbeitung bis ins Detail zu einem dauerhaft sicheren Dach. Auch Nutzungsänderungen bieten sich an. Neu angelegte Dachbegrünungen verbessern das Wohnklima, reduzieren die Abwasserspitzen bei Starkregen und schützen die Abdichtung. Eine sinnvolle Ergänzung ist auch eine Fotovoltaik-Anlage, idealerweise in Kombination mit einem Gründach. Und noch relativ jung: Urban Gardening, das vielen Bewohnern großes Vergnügen bereitet und den Immobilienwert steigert.

Wartung einmal pro Jahr

Flachdächer bedürfen jährlicher Pflege, um das darunter liegende Bauwerk vor Wassereintritt und Wärmeverlust zu schützen. Dabei muss das Entwässerungssystem des Dachs sauber gehalten werden. Um Wasserrückstau zu vermeiden, geht es vor allem darum, Ablaufgitter, Entwässerungsrinnen und Notüberläufe zu reinigen. Schmutzablagerungen aber auch Flugsamen und resultierender Pflanzentrieb sind zu entfernen, Nahtverbindungen und Durchdringungen müssen überprüft werden.

Informationen über die wichtigsten Wartungs- und Pflegearbeiten sind in den Fachregeln aufgeführt. Dachinspektionen, Wartung und Instandsetzung sind in Teil 4 der DIN 18531 geregelt. Für begrünte Dächer gilt die Dachbegrünungsrichtlinie. Die Anzahl der Wartungsgänge ist abhängig von der Beanspruchung der Dachabdichtung durch thermische, mechanische, biologische oder chemische Einwirkungen. Auch Alter der Dachabdichtung, Fläche und Neigung des Dachs und die Art der Dachkonstruktion sind entscheidend für die Festlegung der Wartungsintervalle. Generell gilt jedoch, dass die Wartung mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden sollte.

Bei regelmäßigen Wartungsgängen lässt sich auch ein Schaden am schnellsten erkennen. Kleinere Reparaturen können im Rahmen der Instandhaltung ausgeführt werden. Bei größeren Schäden ist in der Regel eine Sanierung

notwendig, um die Funktionsfähigkeit der Dachabdichtung oder des gesamten Dachaufbaus wieder herzustellen. Eine zu geringe Dämmung erfordert eine energetische Sanierung nach der Energieeinsparverordnung (EnEV). Für die Sanierung gibt es keine allgemeingültige Patentlösung. Hier ist der Fachberater der richtige Ansprechpartner. Er kennt Materialien und Dachsysteme, die entsprechenden Bestimmungen und Richtlinien.

Bevor ein Flachdach saniert wird, muss es detailliert untersucht und eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden. Dazu gehört die Überprüfung des vorhandenen Dachaufbaus von der Unterkonstruktion über die Dämmung bis zur Abdichtungsoberlage. Bei einem Dachcheck wird das Dach an verschiedenen Punkten geöffnet und der vorhandene Dachaufbau überprüft und folgende Fragen beantwortet:

Funktioniert der Dachaufbau noch oder ist ein kompletter Neuaufbau erforderlich?

Luftdicht ja oder nein? Luftdicht ist ein Muss. Durch Undichtheiten oder fehlende Dampfbremsen können enorme Wärmeverluste und zudem erhebliche Bauschäden entstehen.

Welche Aufbauhöhen sind möglich und welche Last erlaubt die Statik?

Welches Dämmmaterial passt am besten zu Dachgegebenheiten und gewünschtem U-Wert?

Schlanke Dämmung für den Bestand

Hat die Wärmedämmung schon Schaden genommen, lässt sich ein Totalabriss nicht vermeiden. Besser ist es daher, das bestehende Dach frühzeitig energetisch fit zu machen. Dabei wird der funktionsfähige Aufbau erhalten, was Abriss- und Entsorgungskosten spart und zusätzliche Dämmleistung bringt. Zur Erhöhung der Energieeffizienz wird auf den bestehenden, noch funktionstüchtigen Dachaufbau mit einer Dampfsperre (sd > 1500m) ein zusätzliches Abdichtungs- und Wärmedämmpaket aufgebracht. Um Problemen mit großen Aufbauhöhen an der Attika zu entgehen, ist in jedem Fall ein effizienter Dämmstoff mit geringster Dicke und besten Dämmwerten gefragt.

Die Vorgaben der EnEV erfordern auch ein Umdenken beim Dämmen im Gebäudebestand. Mit einer effizienten Dachdämmung lässt sich viel Energie einsparen. Eine vorausschauende bessere Dämmung macht Sinn und ist eine lohnende Investition. Im Bestand kommt es besonders auf eine dünne Dämmung an, um den Gegebenheiten in Konstruktion, Statik, Aufbauhöhe und Details ohne Folgekosten genügen zu können. Dabei gilt zu berücksichtigen: Welche Aufbauhöhen sind möglich und welche Last erlaubt die Gebäudestatik? Welches Dämmmaterial passt am besten zu Dachgegebenheiten und gewünschtem U-Wert?

Je höher die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz sind, umso leistungsfähiger muss der eingesetzte Dämmstoff sein. Hohe Dämmkraft ist hier das oberste Ziel. Sie wird mit der Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) be­­­wertet: je niedriger die WLS eines Dämmstoffs ist, umso besser ist der erreichbare Wärmeschutz und umso einfacher lässt sich der von der EnEV geforderte oder der ge­­­wünschte U-Wert erreichen.

Die Unterschiede sind enorm: Der Hochleistungsdämmstoff Polyurethan-Hartschaum PUR/PIR besitzt mit der niedrigsten WLS 023 den besten Dämmwert im Vergleich zu gebräuchlichen Wärmedämmstoffen, also höchste Dämmleistung bei geringster Dämmstoffdicke. Soll beispielsweise ein U-Wert ≤ 0,19 W/m²K erzielt werden, genügt bereits eine 120 mm dünne PUR/PIR-Wärmedämmung mit Aluminiumkaschierung. Holzfaser oder Schaumglas mit ihrem viel höheren WLS 045 dämmen weitaus schlechter und benötigen deshalb mit 220 mm für das gleiche Ergebnis fast die doppelte Dicke. Styropor EPS und Mineralfaser der WLS 035 erreichen den Wert mit 180 mm Aufbauhöhe.

Das Doppelte oder ein Drittel mehr Aufbauhöhe bedeutet aber nicht nur einen weit größeren Aufwand an Transport und in der Verarbeitung, sondern auch bei der Ausgestaltung von Details entstehen Probleme, die Arbeitszeit und Fehlerpotenzial erhöhen. PIR ist schlank und kann mit dem Messer oder mit der Säge exakt zugeschnitten und damit passgenau an Durchdringungen angeschlossen werden. Die leichten Elemente sind zudem schnell und sicher wärmebrückenfrei zu verlegen. Mit Gefälledämmplatten lässt sich beim Verlegen ein z.B. zweiprozentiges Gefälle für einen sicheren Wasserabfluss des Daches herstellen. PIR-Dämmstoffe sind druckfest genug, um den Abdichtungsarbeiten und den späteren Wartungsarbeiten auf den Dachflächen standzuhalten, mit der hohen Druckfestigkeit von 120 bis 150 kPa ist PIR selbst auf genutzten Dachflächen wie Terrassen uneingeschränkt einsetzbar. Auch der Aufbau einer geeigneten Fotovoltaik Anlage ist problemlos möglich. Dabei ist PIR schimmel- und fäulnisfest und unverrottbar, sodass seine Funktion über viele Jahrzehnte sichergestellt ist.

Hochwertige Abdichtungsbahnen für langfristige Sicherheit

Ausgereifte, praxisorientierte Abdichtungssysteme erreichen eine doppelt so lange Lebensdauer im Vergleich zu normalen Abdichtungen. Das gibt nicht nur Sicherheit, sondern ist weitaus günstiger als eine kurzfristig billige Lösung, die frühzeitigen Sanierungsbedarf und gegebenenfalls Gebäudeschäden durch minderwertigen Materialeinsatz und schlechte Verarbeitung hervorruft.

Auf Betonuntergründen werden gerne Dachpakete mit all ihren Schichten aufgeklebt bzw. mit Bitumen verschweißt. Der große Sicherheitsvorteil von Bitumenbahnen liegt in ihrer zweilagigen Verlegung bei versetzter Anordnung der oberen Bahn zur unteren. Ihre Gesamtdicke, die hohe Elastizität und die Widerstandsfähigkeit ermöglichen eine hohe mechanische Stabilität.

Urban gardening oder einfach grün

Wenn die Basis stimmt, also trittfest und effizient gedämmt und hochwertig abgedichtet ist, dann hängt der weitere Dachaufbau von den Wünschen nach Be­­grünung, Belag und/oder Fotovoltaik ab. Dachbegrünungen gehören vor allem in Ballungsgebieten immer mehr zu einem guten Leben. Die weitläufigen Dachflächen von Wohnanlagen erlauben vielfältige Zu­­­satznutzen auf bereits bebautem Grund. Ein Geschenk mit Wertzuwachs, das nicht vernachlässigt werden sollte: Grünflächen halten auf natürliche Weise Wasser zurück, verbessern dabei das Mikroklima und schützen die Abdichtung und verlängern so ihre Nutzungsdauer. Der Dachgarten, Urban Gardening oder ein Dachbiotop zum Artenschutz gehören zu den vielfältigen Möglichkeiten, Flächenversiegelung auszugleichen und dabei einen Zusatznutzen zu erzielen. Auch eine durchdringungsfrei zu montierende Fotovoltaik-Anlage ist eine sinnvolle Ergänzung, idealerweise in Kombination mit einem Gründach.

Fazit

Hochwert in Planung, Material und Verarbeitung lohnt sich in jedem Fall. Ein Flachdach mit dem dachspezifischen Systemaufbau aus Dichten und Dämmen kann bei fachgerechter Verlegung und Wartung ein Gebäudeleben lang halten.

Um Fehler zu vermeiden, bieten Hersteller Fachberatung und die Planung individueller Systeme zum Dichten und Dämmen, gegebenenfalls zum Begrünen und Energie gewinnen. Ein Dachsystem aus einer Hand spart viel Zeit und macht Dächer sicher.

Bester Zeitpunkt für einen vorsorgenden Dachcheck ist das Frühjahr.

Bei einer Nutzungsänderung ist auch eine Prognose notwendig, ob die vorgesehene Nutzungsdauer ohne aufwändige Sanierung möglich ist.

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