Feuerbacher Balkon: Ein Quartier für alle Generationen

Urban in der Stadt leben und wohnen ist zu einem festen städtebaulichen Begriff geworden. So auch im Stuttgart, Stadtteil Feuerbach. Das ortsansässige Siedlungswerk, Wohnungs- und Städtebau GmbH, hat auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses ein sozial gemischtes und urbanes Wohnquartier errichtet, mit einem breiten Spektrum unterschiedlicher Wohn- und Begegnungsformen.

„Während noch vor einigen Jahren das Leben auf dem Lande eine gesuchte Wohnform war, entscheiden sich heute immer mehr Menschen für das Wohnen in der Stadt“, erläutert Jochen Wassner, Prokurist, Geschäftsbereichsleiter Verkauf Siedlungswerk Stuttgart (www.siedlungswerk.de).

Bessere Karrierechancen und Freizeitangebote wie auch Einkaufsmöglichkeiten seien nur drei Argumente, um der Provinz den Rücken zu kehren. „Darum ­konzentrieren wir uns mit unseren Wohn­konzepten auf den städtischen Raum.“ Hier investiere man zukunftsorientiert. Ein Erfolgsrezept beim Stuttgarter Wohnquartier Feuerbacher Balkon sei die Vielfalt der unterschiedlichen Wohnformen gewesen, „die wir in einem städtebaulich orientierten Konzept mit unterschiedlichen Gebäudeformen zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefasst haben“.

Generationsübergreifend finden in 168 Wohnungen auf einer Wohn- und Nutzfläche von ca. 15.500 m² alle Bevölkerungsschichten zu­­sammen – von Singles über Familien mit und ohne Kinder über Senioren, die hier einen stadtnahen Ruhesitz gefunden haben bis zu Menschen mit Behinderungen in speziellen Wohngruppen. Auch die Mixtur von Miet- und Eigentumswohnungen sorgt dafür, dass ein vielseitiges Neubauensemble mit einer lebendigen und sozial gemischten Bewohnerstruktur entsteht. Die vermieteten Wohnungen befinden sich zum größten Teil im Besitz des Siedlungswerkes.

Konzept eines urbanen, sozial ausgerichteten Wohnquartiers

Zunächst hat die Landeshauptstadt Stuttgart (LHS) für die Bebauung des ca. 23.200 m2 großen Hanggrundstückes ein Investorenwettbewerb ausgelobt, an dem sich das Siedlungswerk mit der Samariter-Stiftung Nürtingen beteiligten. Auf Grundlage einer Marktuntersuchung ist eine städtebaulich-architektonische Konzeption entwickelt worden, die neben zahlreichen Neubauten auch die Umnutzung des ehemaligen Bettenhauses der Klinik zu einem Gästehaus vorsah. Mit diesem Konzept eines urbanen, sozial ausgerichteten Wohnquartiers mit Dienstleistungen sowie einer „Mitte der Generationen“ gingen das Siedlungswerk und die Samariter-Stiftung als Sieger hervor.

Anschließend erfolgte in Eigenregie ein Einladungswettbewerb, den das Tübinger Architekturbüro Architekten Hähnig | Gemmeke Freie Architekten BDA in Zusammenarbeit mit Stefan Fromm Landschaftsarchitekten BDLA gewann. Es ist ihnen gelungen, ein in sich stimmiges, städtebauliches Gesamtkonzept für alle Bereiche des Wohnungsbaus zu entwickeln, das klar und übersichtlich gegliedert ist. Die wertvollen Baumbestände blieben erhalten und sind über einen grünen Platz miteinander verbunden. Der „grüne Platz“ wiederum überwindet über eine Sitzstufenanlage und kleinen Spielplätzen den Höhenunterschied zwischen dem oberen und unteren Geländeniveau.

Insgesamt wird eine variantenreiche, architektonische Gestaltungsvielfalt deutlich, die die Weiträumigkeit des Geländes und die vielfältigen Wünsche der Bewohner berücksichtigt.
Für die gesamte Bebauung sind ca. 55. Mio. € investiert worden.

Das urbane Zentrum des Quartieres bildet die „Mitte der Generationen“, ein geräumiger, lang gestreckter Platz, um den sich mehrere Wohn- und Geschäftsgebäude gruppieren. Ein Teil der Wohnungen sind barrierefrei nach DIN18025 (alt), mit schwellen­losen Zugängen von der Tiefgarage ins ­Treppenhaus und zu den Balkonen / Terrassen sowie mit bodengleichen Duschen.

Das Mehrfamilienhaus Mitte beherbergt 18 Mitwohnungen – teils gefördert, teils frei fi­­nanziert, eine Kindertagesstätte, die an die LHS Stuttgart vermietet ist sowie fünf barrierefreie Wohnungen des Behindertenzentrum Stuttgart (BHZ). 12 Menschen mit hohem Pflegebedarf leben hier selbstständig in einer Wohngemeinschaft.

Weiterer Bestandteil der „Mitte der Generationen“ ist das Haus am Platz. Es handelt sich um ein Wohn- und Dienstleitungsgebäude mit neun frei finanzierten Mietwohnungen, einer Bäckerei mit Tagescafé, einer Tagespflege für Senioren und einer Gewerbeeinheit.

Barrierefreies „Gästehaus“ mit 28 Mietwohnungen

Das benachbarte Bestandsgebäude „Bettenhaus“ gehört der Samariterstiftung. Es ist zu einem barrierefreien „Gästehaus“ mit 28 Mietwohnungen umgebaut worden. Neben dem reinen Wohnangebot entsteht hier auch ein Netzwerk der gegenseitigen Unterstützung und gemeinsamer Aktivitäten, die von einem Literaturkreis bis zu einer Radfahrergruppe reichen. 

Einen breiten Raum des Wohnquartiers nehmen die 136 Eigentumswohnungen in sieben Stadtvillen und acht Mehrfamilienhäusern ein. Der Ausbaustandard sei bei allen Wohnungen gleich, erläutert Dipl.-Ing. Architekt Harald Luger, Bereichsleiter der Projektrealisierung beim Stuttgarter Siedlungswerk. „Seit 2007 können sich unsere Kunden in unserer Stuttgarter Zentrale im WohnRaum die passende Innenausstattung auswählen.“ Das Angebot an Bodenbelägen, Wandfliesen und Sanitärgegenständen sei sozusagen eine erlebbare Baubeschreibung und biete jedem Kunden einen guten Überblick über die Ausstattungsqualität des Bauvorhabens.

„Preisunterschiede der Immobilien ergeben sich aus der Lage und der unterschiedlichen Ausnutzung der Grundstücke“, so Jochen Wassner. „Ein höherpreisiges Segment bedienen wir mit Wohnungen in kleinen Einheiten.“ Dazu gehörten Maisonettewohnungen – dem Wohnen über zwei Ebenen mit Gartenanteil – oder Penthäuser mit Dachterrasse und weitem Blick auf Stuttgart Feuerbach. „Ins­gesamt aber stand uns eine große Bandbreite von Wohnungen in allen Preisklassen zur Verfügung, um sämt­liche Nachfragegruppen der Be­­völkerung zu erreichen.“

Zum Standard gehört auch, dass alle Häuser mit dem Wandbaustoff Kalksandstein, Bausystem KS-QUADRO, gebaut wurden. Lieferwerk der Kalksandsteine ist das Werk Durmersheim der Heidelberger Kalksandstein GmbH (www.heidelberger-kalksandstein.de).

Höchste Anforderungen an Schall- und Brandschutz

Harald Luger: „Besonderes in einem derartig großen Wohnquartier wie diesem haben der erhöhte Schall- wie auch Brandschutz höchste Priorität.“ Mit Kalksandstein gehe man auf Nummer sicher. „Auch um den baulichen Wärmeschutz innerhalb unseres Energiekonzeptes bestmöglich zu realisieren.“ Die Außenwände aller Gebäude bestehen aus 17,5 bzw. 24 cm KS-QUADRO mit 16 cm starkem Wärmedämmverbundsystem. Der U-Wert der Kalksandstein-Außenwandkonstruktion liegt bei 0,171 W/m2K.

Beim Energiekonzept stehen Ökologie und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Die Gebäude sind nach den Vorgaben der KfW-Bank als KfW Effizienzhaus 70 erstellt (Energieeinsparverordnung 2009). Die gute Wärmedämmung der Gebäude wird durch eine effiziente Heizanlage ergänzt. „Das Nahwärmenetz der Firma ImmoTherm versorgt alle Gebäude mit Wärme aus einer zentralen Holzpelletheizung und Solarthermie“, so Harald Luger: Zwei parallel gesteuerte Pelettkessel schaffen eine Wärmeleistung von bis zu 940 kW und heizen – zusammen mit einer ca. 250 m2 großen Solarthermieanlage auf dem Dach des Gästehauses – einen 18.000 l großen Pufferspeicher auf. Pellets hätten gegenüber fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Heizöl den Vorteil, Wärme vollständig CO2-neutral bereitzustellen.

Die „Mitte der Generationen“ bildet
das urbane Zentrum.
Beim Energiekonzept stehen Ökologie und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.
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