Intelligente Vermietung

Der schnelle Weg zum Wunschmieter

Mit seinem „Matching-Algorithmus“ revolutioniert Immomio eigenen Angaben zufolge den Vermietungsprozess und beweist, dass digitale Lösungen schon heute einen echten Mehrwert für die Immobilienwirtschaft bieten können. In einer Liste werden alle Bewerber erfasst und nach ihrem Punkteergebnis sortiert. Das erspart Zeit und garantiert, den am besten geeignetsten Mieter zu finden.

Die digitale Transformation schreitet voran und ist nicht mehr aufzuhalten. Auch die Verbrauchserfassung und -abrechnung verändern sich durch die „vierte industrielle Revolution“. Innovationen in diesem Bereich schaffen neue Möglichkeiten für das Energiemanagement der Zukunft und fördern dabei die Erreichung der gesteckten Energieziele der Europäischen Union maßgeblich.

Seit dem Jahr 2013 zieht das Thema PropTech immer weitere Kreise. Auch davor gab es schon innovative Geschäftsmodelle, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie dazu genutzt haben, um Ineffizienzen in der Immobilienwirtschaft zu beseitigen. Bestes Beispiel sind die mittlerweile etablierten Online-Immobilienportale.

Doch das aktuelle, rasante Wachstum der Technologieindustrie in der Branche ist neu. Laut einer Statistik der blackprintpartners GmbH gab es im Jahr 2013 in Deutschland bereits 20 Gründungen im Bereich PropTech. 2015 waren es mit knapp 60 fast drei Mal so viele.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit, laut einer Studie von CB Insights, 2,66 Mrd. Dollar in PropTech Start-ups investiert. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat PropTech gute Chancen, die Immobilienwirtschaft zu revolutionieren. Makler, Vermieter, Mieter, Anleger und auch Unternehmen stehen vor interessanten Veränderungen.

Gefahr abgehängt zu werden

Die Immobilienbranche ist dafür bekannt, nicht sofort auf jeden neuen Trend aufzuspringen. Mit gutem Grund: Denn immobilienbezogene Projekte sind oft langfristig angelegt. Dafür braucht es verlässliche Partner. Doch die PropTech-Entwicklung ist mehr als ein Trend. Wie die oben beschriebenen Zahlen belegen, ist die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft angekommen.

Das erkennt auch Klaus Saloch, ehemaliges Mitglied der Geschäftsleitung bei Immonet und nun Berater verschiedener Unternehmen und Verbände der Branche: „Die Digitalisierung ist aus meiner Sicht optionslos. In naher Zukunft wird es dazu keine Alternative mehr geben, ähnlich der Entwicklung des Smartphones. Die Unternehmen der Immobilienwirtschaft dürfen sich gegenüber der Digitalisierung nicht verschließen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.“ Im Gegenzug können Parteien, die das rechtzeitig erkennen, die Vorteile der technologischen Entwicklung nutzen und sich so in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Vielfältige Anwendungsbereiche

Die Anwendungsbereiche der PropTech-Unternehmen sind vielseitig und decken nahezu die gesamte Branche ab. In den Bereichen Finanzierung, Entwicklung, Vermittlung, Verwaltung und Betrieb sind eine Vielzahl an Unternehmen vertreten. Den Möglichkeiten sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

So ist es beispielsweise bereits heute möglich, Immobilien zu besichtigen, ohne direkt vor Ort zu sein. Möglich macht das die sogenannte Virtual Reality. Andere Anwendungsbereiche dieser Technologie betreffen beispielsweise den Neubau. Ein virtueller Rundgang durch eine Immobilie ist dank Virtual Reality sogar noch vor oder während der Bauphase möglich, wodurch die Konstruktion erleichtert wird.

Ein weiterer Anwendungsbereich vieler PropTechs ist die Verwaltung. Unternehmen, die die Verwaltung von Immobilien digitalisieren, nehmen sich den wachsenden Ansprüchen in puncto Servicequalität an. Online-Plattformen stellen Kommunikationslösungen bereit, auf denen Neuigkeiten ausgetauscht und Dienstleister wie Handwerker oder Hausmeister, in Arbeitsprozesse integriert werden können. Gleichzeitig kann die Arbeit der Verwalter online dokumentiert werden, wodurch dem Transparenzanspruch Sorge getragen wird.

Auch Saloch sieht in der Digitalisierung der Verwaltung die Zukunft, um betreffende Abläufe transparenter und effizienter zu gestalten: „Die intelligenten Lösungen werden die Prozesse zukünftig noch weiter verfeinern und somit auch effizienter machen. Zentrale Bedeutung hat es, die digitalen Strukturen sukzessive in den Markt zu implementieren. Anwender sollten bereit sein, den Sprung von der klassischen manuellen Verwaltung hin zu vollautomatisierten Prozessen zu wagen. Gleichzeitig müssen diese innovativen Produkte dann auch richtig kommuniziert, beziehungsweise vermarktet werden.“

Durch die Digitalisierung wird die Welt schneller. Mieter fordern, wie sie es aus anderen Bereichen mitterlweile gewohnt sind, auch von ihrer Hausverwaltung ständige Verfügbarkeit. Digitale Lösungen sind die Antwort auf diese gestiegene Nachfrage.

Großes Potenzial bei digitaler Immobilienvermittlung

Die meisten Start-ups beschäftigen sich derzeit mit der Immobilienvermittlung. Der klassische Vermietungsprozess ist langwierig und geht mit einem hohen Verwaltungsaufwand einher. Für Mietwohnungen in einer begehrten Lage gibt es nicht selten hunderte Anfragen, die Wohnungsanbieter immer wieder an ihre Grenzen bringen. Durch Mieterqualifizierung schaffen es Portallösungen den Vermietungsprozess zu digitalisieren und zu automatisieren, wodurch eine enorme Zeitersparnis erreicht werden kann.

Auf eine solche Portallösung setzt mittlerweile auch die Baugenossenschaft Esslingen eG (BGE), um ihre Wohnungen zu vermieten. „Während der Recherche nach innovativen Softwarelösungen, sind wir auf das Portal Immomio gestoßen. Nach einem erfolgreichen Testlauf vermieten wir seither alle unsere Objekte mit diesem Portal. Bei 3.000 Mietwohnungen in unserem Portfolio bedeutet die Automatisierung eine enorme Zeitersparnis“, berichtet Oliver Kulpanek, Vorstand der BGE.

Kernstück der eingesetzten Software ist das sogenannte Mieter-Matching. In einem Wunschmieterprofil gibt der Vermieter seine Präferenzen in bis zu zehn Kategorien an und gewichtet sie – hierzu gehören beispielsweise die Höhe des Haushaltseinkommens oder die bevorzugte Haushaltsgröße. Anschließend geben Interessenten ihre digitalen Selbstauskünfte an und bewerben sich so auf die Immobilie.

Anhand dieser Informationen filtert ein Algorithmus die am besten geeigneten Bewerber heraus und ordnet sie mittels Punktescore in einer übersichtlichen Liste. Auch alle weiteren wichtigen Schritte, wie die Einladung zu einer Besichtigung oder eine Absage wenn der Interessent nicht berücksichtigt werden kann, übernimmt die Software.

Das Beispiel verdeutlicht, dass die Digitalisierung des Vermietungsprozesses ein enormes Effizienzsteigerungspotenzial bereithält, von dem alle Beteiligten profitieren können. Wohnungsanbieter können Zeit sparen, Makler können durch digitale Selbstauskünfte der Kunden auf Wünsche und Fragen eingehen und Mietern werden durch eine Vorqualifizierung lange Besichtigungsmarathons erspart.

Fazit

Wer die Entwicklung rund um das Thema PropTech ignoriert, läuft Gefahr, in Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Denn die aktuelle Entwicklung bedeutet möglicherweise noch nicht einmal das Ende der Veränderung. Weitere Möglichkeiten zum Wandel der Branche hält das das Internet of Things (IoT) bereit. Technologieunterstützte und miteinander verbundene Geräte wie Heizungen, Lüftungen aber auch Kühlschränke oder Spiegel, zusammen mit der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft, könnte in Zukunft den Prozess eine Immobilie zu kaufen, zu mieten oder zu bauen und auch das Wohnen grundlegend verändern.

Die Digitalisierung des
Vermietungsprozesses hält ein enormes Effizienzsteigerungs­potenzial bereit.

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