Nachgefragt

„Das geneigte Dach bietet sich für regenerative Energien geradezu an“

Steildächer können mehr als nur vor Regen, Wind und Sonne zu schützen. Es ist möglich, sie aktiv in den Schutz der Umwelt und zur Gewinnung von Energie einzubinden. Das BundesBauBlatt sprach mit Oliver Kortendiek, Leiter Anwendungstechnik bei Dachziegelwerke Nelskamp.

Herr Kortendieck, welche Dachtrends beobachten Sie aktuell in der Wohnungswirtschaft?

Bei Neubauten geht es in Richtung Flachdach. Architektonisch hat das seine Bewandtnis, auch in der Optik, keine Frage, aber wir haben die Befürchtung, dass der große Nutzen, der mit Steildächern in Zusammenhang steht, ein wenig dabei in Vergessenheit gerät. Das finden wir schade und deshalb machen wir es uns zur Aufgabe, die Vorteile des geneigten Daches zu beschreiben. Sie bestehen in der optimalen Raumnutzung, insbesondere attraktiver Räume im Dachgeschossbereich.

Außerdem kann der Bauherr das Steildach als Träger innovativer Oberflächen nutzen, etwa Energiedachsysteme oder umweltaktive Dachsteine einsetzen, selbstreinigende Oberflächen verwenden. Vor allem bietet es eine kostengünstige Wartung. Wenn eine Dachpfanne wegfällt, sieht er das sofort; wenn ein Flachdach undicht ist, muss er hohen Aufwand betreiben, um diese Leckage zu finden.

Bei der Modernisierung gibt es in der Wohnungswirtschaft den Trend, Energiedachsysteme einzusetzen oder – beispielsweise mit dem Dachstein ClimaLife – umweltaktive Deckstoffe mit einzubinden, d.h. zur Neutralisierung von Stickoxiden beizutragen.

Ein weiterer Trend ist der Einsatz unprofilierter glatter Deckwerkstoffe, d.h. plane Ziegel oder glatte Dachsteine, um möglichst flächige und linienförmig entworfene Bauvorhaben umzusetzen. Plane Dachflächen werden immer noch als sehr ästhetisch angesehen. Der Trend geht also in Richtung Bauhaus, denn es gibt ja auch Bauhausarchitektur ohne Flachdach, und da sind natürlich glatte Dachwerkstoffe gefragt. Nelskamp bietet dafür einen glatten Dachstein und zwei glatte Dachziegelmodelle an. Dieses Segment können wir hervorragend bedienen, inklusive entsprechender Energiedachsysteme, die ebenso plan und völlig unauffällig in solche Dachflächen eingebunden werden.

Welche Rolle spielen Umweltschutz und regenerative Energien bei der Entwicklung von Produkten für das Dach – aktuell und in den nächsten fünf Jahren?

Umweltschutz und regenerative Energien spielen eine sehr wichtige Rolle. Regenerative Energien vor allem deshalb, weil sich das geneigte Dach für diese Energiedachsysteme geradezu anbietet. Aus dem Grunde haben wir vor vielen Jahren ein Solarteam gegründet, das sich ausschließlich mit der Entwicklung verschiedener Energiedachsysteme befasst und wir haben sehr gute Ergebnisse vorzuweisen: den Solarziegel G 10 PV-Modul, das MS 5 PV-Modul als reinen Stromerzeuger, die Hybrid-Modulsysteme 2Power und MS 5 2Power, zwei Kombi-Systeme zur Strom- und Wärmegewinnung in einem Modul, verschiedene Photovoltaik-Systeme, auch in aufgeständerter Form, sowie das Solar-Power-Pack, ein Solar-Dachpfannen-Kollektor-Wärmepumpensystem.

Im Umweltschutz ist es mitentscheidend, dass man die Möglichkeiten nutzt, die das Steildach bietet. Um die Werte zu erzielen, die in unseren Städten gesetzlich als Obergrenze vorgeschrieben sind, hilft ein Produkt wie ClimaLife mit. Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass aktiver Umweltschutz, gemäß EnEV und weiterer EU-Richtlinien, das Dämmen der Gebäudehülle bedeutet, d.h. Energieeinsparung und Senkung der CO2-Emissionen. Denn die Gebäudehülle wird mit am effektivsten gedämmt im Dachbereich, der die höchsten energetischen Einsparpotentiale bietet.

Was bietet Nelskamp speziell für die Wohnungswirtschaft an?

Neben ClimaLife bietet Nelskamp ein weiteres umweltfreundliches Produkt der Wohnungswirtschaft an: der Dachstein EasyLife ist rund ein Drittel leichter als herkömmliche Dachsteine und daher nicht nur sehr verarbeiterfreundlich, sondern er schont als Leichtgewicht auch die Statik der Unterkonstruktion. Im vergangenen Jahr zeichnete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks den Nelskamp-Dachstein Sigma „EasyLife“ mit einem Preis für „Wegweisende Investitionen in die Zukunft“ aus.

Sehr beliebt bei der Wohnungswirtschaft ist auch der Nibra 8 ½er Großziegel mit einer Optik, die nicht überdimensioniert wirkt, und mit dem schnellster Baufortschritt zu erzielen und weniger Traglattung als bei Standardformaten erforderlich ist. Westerwälder Ton macht den Großziegel langlebig und frostbeständig: Klinkerqualität. Wegen seiner ausgeklügelten Verfalzung wird er regen- und sturmsicher bereits ab einer Dachneigung von nur 10° eingesetzt.

Welche Dienstleistungen bieten Sie Planern an und wie stellen Sie die einwandfreie Verarbeitung Ihrer Produkte sicher?

An erster Stelle unserer Dienstleistungen für Planer stehen unser Ausschreibungsservice für jegliche Steildächer, die Erstellung von Leistungsverzeichnissen, intensive Beratung in der Frühphase des Bauvorhabens – das geschieht alles durch die Sonderabteilung Anwendungstechnik.

Wir beraten Planer, Ingenieure und ausführende Betriebe in allen Fachbereichen und bei jedem Thema der Planung und Anwendung. Wir geben intensive Schulungen und Seminare, wir stellen bei Bedarf sofort ein Solarteam zur Verfügung, das sich ausschließlich mit der Planung und Ausführung unserer Energiedachsysteme befasst und wir bieten ein rundes Dienstleistungspaket, geschnürt aus Planungs-, Anwendungs- und Technikberatung an.

Des Weiteren sind Berechnungsprogramme bezüglich Sturmverklammerung und Schneesicherung Teil unserer Dienstleistung und über unsere Homepage nutzbar. Über die Plattform www.baufragen.de kann ebenso unser Know-how genutzt werden.

Unsere Qualitätssicherung in der Verarbeitung ist unsere Beratung durch Fachleute. Sie sorgt dafür, dass unsere Produkte auf dem Steildach einwandfrei verarbeitet werden. Natürlich arbeiten wir in der Herstellqualität mit den klassischen Fremdüberwachungen zusammen, die in unserem Bereich üblich sind und auch gefordert werden: regelmäßig überprüfte Güteschutzsiegel (Güteschutz Ziegel e.V.) sowie weitere Institutionen mit denen wir eng zusammenarbeiten, z.B. dem Bundesverband der Deutschen Ziegelhersteller.

Zusätzlich sind wir Mitglied im Institut für Bauen und Umwelt (IBU), und haben für alle Produktreihen Europäische Produkt Deklarationen (EPD), die den Anforderungsstandard festlegen.

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