Bettenhaus wird zum nachhaltigen Wohnungsbau

Aus alt mach neu: Das ehemalige Bettenhaus der Erfurter Frauenklinik wurde in ein modernes städtisches Wohnhaus verwandelt, das sich der gewachsenen Nachbarbebauung anpasst und dank nachhaltiger Baustoffe eine hohe Lebensqualität bietet.

Die thüringische Landeshauptstadt und mit ihr der Erfurter Wohnungsmarkt haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Eine vergleichsweise hohe Beschäftigungsquote und die stabil wachsende Wirtschaft bieten gute Voraussetzungen für Investitionen – auch in Immobilien. Die westlich an das Stadtzentrum angrenzende historische Brühlervorstadt ist durch eine aufgelockerte Bebauung geprägt, hier gibt es neben Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern auch großbürgerliche Villen und die typischen gründerzeitlichen Mietshäuser. Heute ist die Brühlervorstadt nach Immobilienpreisen der teuerste Stadtteil Erfurts und gilt in der öf­­fentlichen Wahrnehmung als bürgerlich- vornehmes Viertel. Jeder zweite Erfurter lebt in städtischen Siedlungsstrukturen. Hier verzeichnet die Brühlervorstadt mit über 5 800 Gebäuden und knapp 12 000 Einwohnern den zweitgeringsten Wohnungsleerstand von 7,9 % (2009).

Seit Ende 2010 ist das Gebiet um eine Wohn­­attraktion reicher. Das seit Jahren leerstehende Bettenhaus der Erfurter Frauenklink wurde durch die Tempus Immobilien und Projekt GmbH saniert und zum Wohnument – zu hochwertigen, barrierefreien Wohneinheiten mit 100 bis 180 m2 Wohnfläche – umgebaut. Dafür wurde der 63 m lange Stahlbetonskelettbau, ein typischer 1970er Jahre Plattenbau, vollständig entkernt. Nach dem Rückbau der obersten drei Geschosse und der Demontage der beiden Längsfassaden entstanden 30 großzügige Wohnungen im KfW 40-Standard. Die neuen Außenwände, die großen, einladenden Loggien und ein neues zurückgesetztes Staffelgeschoss wurden ökologisch, schnell und wirtschaftlich in moderner Holzrahmenbauweise errichtet. Die Fassade selbst besteht aus vorgehängten und hinterlüfteten Natura Faserzementtafeln von Eternit. Während cremeweiße und hellgraue Bänder das Wohnument horizontal strukturieren, sind das Staffelgeschoss und die Einschnitte der Loggien mit roten Tafeln akzentuiert. Große Glasschiebetüren öffnen den Wohnraum zu den raumbreiten Loggien. Mit bis zu 17 m2 laden sie zum Relaxen ein. Die warmen Holztöne des Loggienbodens sowie die matt schimmernden roten und grauen Faserzementtafeln bilden eine stimmige Farbkombination. Auf der Rückseite schiebt sich die Parkgarage unter die Terrassen des ersten Obergeschosses. Die Freifläche der ehemaligen Klinik wurde entsiegelt und zu einem Park umgestaltet. So fügt sich das Wohnument in den beliebten Brühler Garten am Rand des Erfurter Stadtzentrums ein und bietet ein Beispiel für die Möglichkeiten der Revitalisierung von Be­­standsgebäuden im städtischen Kontext. Das würdigte auch der aktuelle Thüringer Architekturpreis, hier erhielt das Wohnument eine von sechs Anerkennungen.

 

Brandschutzkonzept mit Holzwerk

stoffplatten

Die vorgefertigten, hochwärmegedämmten Außenwandelemente wurden, wie in der Thüringer Bauordnung gefordert, in feuerhemmender Bauweise (W 30-B) mit einer schwer­entflammbaren Oberfläche ausgeführt. Mit gängigen Holzwerkstoffplatten, die lediglich normalentflammbar B2 sind, wäre diese Konstruktion nur mit brandschutztechnischen Kompensationsmaßnahmen möglich gewesen. Daher entschieden sich die Architekten für die schwerentflammbare und diffusionsoffene Eternit Holzzementplatte Duripanel B1. Zusätzlich bietet die robuste Bauplatte neben der Aussteifung auch einen temporären Witterungsschutz für die Montagezeit. Von innen sorgt eine Lage OSB-Platten und eine Dampfbremse für die nötigte Luftdichtigkeit. Neben dem hohen Vorfertigungsgrad und der damit verbundenen Bauzeitverkürzung überzeugte vor allem das vergleichsweise geringe Eigengewicht der Wandelemente.

Für das Wohnument wurde vom Erfurter Planungsbüro Prof. André Spindler ein Brandschutzkonzept erstellt. Bei der Konzeption der Außenwände und des Staffelgeschosses mit vorgefertigten Holzrahmenbauelementen orientierten sich die Planer ganz an den Vorgaben der Thüringer Bauordnung.

 

Hier heißt es im Wesentlichen unter § 27 zu nicht tragenden Außenwänden:

– […] Außenwände müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen; sie sind aus brennbaren Baustoffen zulässig, wenn sie als raumabschließende Bauteile feuerhemmend sind […]

– Oberflächen von Außenwänden sowie Außenwandbekleidungen müssen ein- schließ­lich der Dämmstoffe und Unterkonstruktionen schwer entflammbar sein […]

Eine normalentflammbare Unterkonstruktion (Holz) sowie die gängigen Holzwerkstoffplatten (z.B. OSB oder Spanplatten) für die äußere Beplankung wären zwar im Anschaffungspreis etwas günstiger gewesen, jedoch hätten die dann notwendigen brandschutztechnischen Kompensationsmaßnahmen das ganze Bauvorhaben deutlich verteuert. Die Nichtbrennbarkeit der Eternit Fassadentafel Natura (A2-s1, d0) und der Metall-Unterkonstruktion gehen über die Forderung hinaus und bieten daher zusätzliche Sicherheit.

 

Energieeinsparfassade

ökologisch geprüft

Neben den roten Fassadentafeln in den Loggien und am Staffelgeschoss kamen für den Rest der fünfgeschossigen Fassade sowie für den Sockel cremeweiß und hellgrau durchgefärbte Eternit Tafeln zum Einsatz. Mit seiner durchscheinenden Faserstruktur macht Na­­tura den eigenständigen Materialcharakter von Faserzement besonders erfahrbar. Auf die mit Duripanel beplankten Außenseiten wurde eine diffusionsoffene Fassadenbahn geklebt und eine Aluminium-Unterkonstruktion für die abschließende Fassadenbekleidung montiert. Der Rotton wurde auf Wunsch des Bauherrn individuell abgestimmt und gefertigt. Die Tafeln wurden mit farblich passenden Fassadennieten auf der Alu-UK befestigt.

Durch den Abstand der Fassadentafel zur 160 cm dicken Mineralfaserdämmung kann die Luft hinter der Fassadenbekleidung zirkulieren und eventuell vorhandene Feuchtigkeit abgeführt werden. So bietet die vorgehängte hinterlüftete Faserzementfassade dem Wohnument einen dauerhaften Witterungsschutz. Wo andere Systeme an ihre Grenzen stoßen, lässt sich mit der Energieeinsparfassade un­­abhängig von der Gebäudeart und -höhe jeder gewünschte Dämmstandard realisieren. Die witterungsunabhängige Montage sowie der problemlose Ausgleich von Bauwerkstoleranzen bieten den großen Vorteil der Eternit Fassade gegenüber nicht hinterlüfteten Fassadensystemen.

Für die Eternit Fassadentafel Natura und die Eternit Holzzementplatte Duripanel liegen Umwelt-Produktdeklarationen (EPD – Environmental Product Declaration) nach ISO 14025 des Instituts Bauen und Umwelt e.V. vor. Darin sind die Ergebnisse der Ökobilanz der Platte festgehalten.

Die Werte aus dem freiwilligen Prüfverfahren sind ein Hauptbestandteil des neuen Zertifizierungssystems der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Alle Stoffströme, die mit einem Produkt von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung geknüpft sind, werden systematisch erfasst. Die Um­­weltauswirkungen dieser Stoffströme werden nach international anerkannten Konventionen kategorisiert und charakterisiert.

Das Ergebnis sind dann Kennzahlen, die Aus­­kunft ge­­ben über Primärenergieeinsatz und Um­­weltauswirkungen, wie beispielsweise Treibhauseffekt, Versauerung oder Überdüngung.

Das Wohnument fügt sich in den beliebten Brühler Garten am Rand des Erfurter Stadtzentrums ein und bietet ein vorbildliches Beispiel

für die Möglichkeiten der Revitalisierung von Bestandsgebäuden im städ­tischen Kontext.

Die neuen Außenwände, die großen, einladenden Loggien und ein neues zurückgesetztes Staffelgeschoss wurden ökologisch, schnell und wirtschaftlich in moderner Holzrahmenbauweise errichtet.

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