Fehlentwicklungen im Ökostrommarkt: Sinkende Qualität und wenige Ökostromtarife für zukunftsweisende Techniken und Anlagen

Auf den ersten Blick sieht es im Ökostrommarkt prächtig aus: Rund 56 % der Stromtarife, die ein Haushalt im Schnitt zur Auswahl hat, sind Ökostromtarife und der Anteil erneuerbar erzeugten Stroms nimmt stetig zu. Hinter der Fassade Ökostrom – was kein geschützter Begriff ist – sieht es jedoch weniger zukunftsweisend aus. Von den vielen Hundert Ökostromtarifen – pro Stadt sind es bis zu rund 300 Tarife – tragen immer weniger eines der beiden strengsten Gütesiegel, Grüner Strom- und ok-power-Label.

Im Vergleich zu 2016 sind es mehr als 13 % weniger und zu 2017 drei Prozent weniger. „Damit tragen knapp 44 % der Ökostromangebote heute gar kein Gütesiegel, nicht einmal ein klassisches TÜV-Gütesiegel“, betont Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern.

Besonders düster sieht es auch aus, wenn man nicht nur das einzelne Ökostromangebot betrachtet, sondern die Verbindungen der Anbieter zu Atom- und Kohlekraftwerken. In diesem Fall sind sehr wenige Angebote ehrlich nachhaltig. Das Magazin Öko-Test erstellt jährlich eine Ökostromanalyse, bei der neben Produkt- auch Anbieterkriterien berücksichtigt werden. Insgesamt bewertet das Magazin nur 19 der bundesweiten Ökostromangebote mit sehr gut, darunter Wirklich Ökostrom von Polarstern.

Mangel an Ökostromangeboten für neue Techniken

Nicht nur die Qualität im klassischen Ökostrommarkt sinkt, auch das Angebot an Stromtarifen für neue Techniken bleibt dürftig. Es gibt immer mehr Wärmepumpen und auch Elektroautos gewinnen an Bedeutung, doch spezielle Ökostromtarife dafür sind wenig verbreitet: Während ein Haushalt im Fall von klassischem Ökostrom im Mittel zwischen deutlich über 100 Anbietern wählen kann, sind es bei Tarifen für Wärmepumpen nur rund 30.

„Eine effiziente Technik alleine bringt den Klimaschutz nur bedingt weiter, es braucht stets ergänzende Energieangebote. Erst zusammen sind es wirklich klimafreundliche Lösungen“, betont Henle. Eine Wärmepumpe zum Beispiel verdoppelt leicht den jährlichen Strombedarf eines Haushalts und damit ohne Ökostrom auch die CO2-Emissionen; von 1,6 Tonnen auf über 3 Tonnen CO2. Gerade weil sie viel Strom benötigt, muss der Stromtarif preislich attraktiv sein. Hier gilt es spezielle Produkte zu entwickeln, um etwa über einen zweiten Stromzähler günstigen Wärmepumpenstrom anzubieten oder Kombinationen mit Solaranlagen zu unterstützen. „Die Energieversorger müssen den Markt mitgestalten und Angebote machen, die mit den neuen technischen Entwicklungen Schritt halten. Ansonsten verursachen Haushalte am Ende noch mehr statt weniger CO2. Ein Zögern ist gefährlich und klimaschädlich.“

Henle hat mit Polarstern bereits im Ökogasmarkt erlebt, wie schwerfällig der Energiemarkt ist. Ursprünglich wollten er und seine zwei Mitgründer 2011 ihr 100 % Wirklich Ökogas-Angebot aus komplett organischen Reststoffen über etablierte Energieversorger auf den Markt bringen. Das war denen zu fortschrittlich und so gründeten die drei Polarstern mit dem Ziel: Wirklich mit Energie die Welt zu verändern.

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