Nadelöhr Grundstücke: Immobilienbranche diskutierte über mehr Tempo beim Wohnungsbau in der Rhein-Main-Region

Das Thema Bauland stand im Mittelpunkt des zweiten Kongresses „Frankfurt-RheinMain baut!“. Dem Markt würden zu wenige baureife Grundstücke angeboten. Dies sei derzeit das entscheidende Nadelöhr. Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten bei der Bereitstellung von Grundstücken durch die Kommunen und durch beschleunigte Genehmigungsverfahren könne dem Wohnungsbau noch mehr Schwung verliehen werden, so die Veranstalter vor mehr als 200 Fachbesuchern und Kommunalpolitikern im Congress Park Hanau.

Ludger Stüve, Direktor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain, verwies darauf, dass nach wie vor genügend Bauland vorhanden sei, aber noch nicht ausreichend entwickelt werde. Er lobte zugleich Kommunen, in denen inzwischen intensiver gebaut werde. Dazu zählten die Stadt Hanau und Nachbargemeinden wie Bruchköbel, Erlensee und Nidderau. Zudem zeichneten sich größere Wohnungsbauvorhaben in Rodenbach und Niederdorfelden ab. Stüve ermunterte die anderen Städte und Gemeinden, noch mehr Bauland bereitzustellen, denn insgesamt schwächele immer noch der Wohnungsbau in der Region. Schließlich plädierte er erneut dafür, die Planungsprozesse zu beschleunigen und die Kommunen durch zusätzliche finanzielle Anreize zum Bauen zu motivieren.

Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland würdigte die Entscheidung des Landes, über das Projekt „Bauland-Offensive-Hessen“ schneller baureife Grundstücke zu aktivieren. Lipka machte auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Es gibt kommunale und private Bauträger und Projektentwickler. Es geht nicht nur darum, mehr Flächen anzubieten, sondern alle Anbietergruppen fair zu berücksichtigen, um preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Nur wenn die Potenziale der im BFW organisierten freien Wohnungsunternehmen einbezogen werden, kann die Zahl der notwendigen neuen Wohnungen gebaut werden. Denn die im BFW organisierten Unternehmen sind bundesweit für 50 % des Wohnungsneubaus verantwortlich“, sagte Lipka. Außerdem müssten die Baugenehmigungen beschleunigt und einheitlich gestaltet werden.

Auf die großen Potenziale der Nachverdichtung verwies Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor des VdW südwest. Hier böten sich zahlreiche Chancen, rasch zusätzli-chen Wohnraum zu schaffen. „Allein unsere 200 Mitgliedsunternehmen könnten schnell für mehrere tausend Menschen bezahlbare Wohnungen bauen, wenn die dafür nötigen baurechtlichen und nachbarschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen her-gestellt würden.“ Zudem müsse für eine größere Akzeptanz für Bauvorhaben in der Bevölkerung geworben werden. „Durch das Sankt-Florians-Prinzip – Wohnungsbau ja, aber nicht in meiner Umgebung – bleiben Potenziale ungenutzt. Die entscheidenden Hebel für mehr Tempo beim Wohnungsbau haben die Kommunen und das Land Hessen in der Hand“, so Tausendpfund.
 
Einen innovativen Ansatz bei der Wohnungsbauentwicklung beschreitet die Stadt Hanau. Bei der Umwandlung eines ehemaligen Kasernengeländes zu einem Wohngebiet beschränkte sich die Stadt nicht darauf, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, sondern gründete mit einem Projektentwickler die gemeinsame Gesellschaft „LEG Hessen“. „Auf diese Weise kann die Stadt Hanau bis zum Schluss Einfluss auf die Entwicklung des Quartiers nehmen“, so Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Vorgestellt wurde auch die „Bauland-Offensive-Hessen“. Sie setzt sich aus Fachleuten der Hessischen Landgesellschaft sowie der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt zusammen und berät Kommunen bei der Entwicklung von Bauland.

Dass man durch persönliches Engagement und intensive Gespräche mit Grundstücks- und Immobilieneigentümern viel erreichen kann, demonstrierte Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef am Beispiel Römerhof. Nach dem Umzug eines Omnibusbetriebshofs sollen dort rund 2.000 Wohnungen entstehen. „Ich will mit diesem Beispiel anderen Mut machen, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, um mehr Wohnungen zu ermöglichen. Der Kongress ist dafür eine hervorragende Plattform, um die Vernetzung aller Beteiligten in der Region zu verbessern“, so Josef.