DDIV: Elektromobilität scheitert an Mehrfamilienhäusern

Im Vorfeld des E-Mobilitätsgipfels im Bundeskanzleramt hat sich der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gewandt. Es reiche nicht aus, steuerliche Anreize, Kaufprämien und die öffentliche Ladeinfrastruktur zu fördern, wenn die private Ladeinfrastruktur nicht finanziell gefördert wird.

Eine Million Elektroautos bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen, ist erklärtes Ziel der Bundesregierung. Doch derzeit sind gerade einmal rund 35.000 reine „Stromer“ zugelassen, obwohl die Bundesregierung vielfältige Fördermaßnahmen aufgelegt hat. Zu wenig Ladepunkte, zu lange Ladezeiten und zu geringe Reichweiten bremsen weiterhin das Kaufinteresse. „Zeit zum Umsteuern“, findet DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler.

„Der Bund sollte endlich die private Ladeinfrastruktur in den Fokus rücken. Allein in privaten Mehrfamilienhäusern gibt es mehr als vier Millionen PKW-Stellplätze. Hier wäre eine zielgenaue Förderung angebracht. Kaum jemand wird ein Elektroauto kaufen, wenn der nächste Ladepunkt 500 Meter von der eigenen Haustür entfernt liegt und im Zweifel gar nicht frei ist. Wartezeiten oder das unbedingte Wegfahren nach erfolgter Ladung vom öffentlichen Ladepunkt schreckt den Verbraucher ab. Der Kunde will sein Auto zu Hause laden wie sein Handy oder Laptop“, so Kaßler.

Die fehlende private Ladeinfrastruktur wird so zur „Achillesferse“ der E-Mobil-Wende“, da das Potential von Mehrfamilienhäusern nicht im Ansatz ausgeschöpft wird. Der DDIV regte daher im Vorfeld des E-Mobilitätsgipfels im Bundeskanzleramt gegenüber Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, ein Anreizprogramm für die private Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern mit einem Volumen von 100 Mio. € an. Daneben ist das Stromnetz zahlreicher Mehrfamilienhäuser oftmals nicht für die dauerhafte Beanspruchung durch mehrere parallele Ladevorgänge ausgelegt, was neben der Komplexität der Beschlussfassung in Wohnungseigentümergemeinschaften private Ladeinfrastruktur verhindert. In einem Positionspapier hat der DDIV dezidiert diese Punkte benannt und zudem darauf verwiesen, dass nach der Bundestagswahl eine umfassende Reform des Wohnungseigentumsgesetzes unumgänglich ist.

Hintergrund: Was bisher gefördert wird

Der Bund stellt erhebliche Fördergelder bereit, um die Elektromobilität voranzubringen. So wird der Kauf eines E-Autos seit Juni 2016 mit dem sog. Umweltbonus von bis zu 4.000 € gefördert. Bis Ende Juli 2017 lagen allerdings nur rund 26.500 Anträge vor. Hinzu kommt die Befreiung von der Kfz-Steuer und Steuererleichterungen für das Laden am Arbeitsplatz. Gleichzeitig werden bis 2020 insgesamt 300 Mio € in den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur investiert.

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