Präsident Thomas Meyer bezieht Stellung

Bundesfachverband der Immobilienverwalter: Alleskönner verzweifelt gesucht - Strategien und Tools zur Personalgewinnung

Personalrekrutierung hat sich in vielen Immobilienverwaltungen zur Schlüsselfrage für den Fortbestand entwickelt. Das Finden geeigneter Fachkräfte bleibt eine der schwierigsten Herausforderungen.

BVI-Präsident Thomas Meyer äußert sich zur „Personalrekrutierung in der Immobilienverwaltung“.
Foto: Bundesfachverband der Immobilienverwalter

BVI-Präsident Thomas Meyer äußert sich zur „Personalrekrutierung in der Immobilienverwaltung“.
Foto: Bundesfachverband der Immobilienverwalter
Dieses Szenario dürfte vielen Immobilienverwaltern bekannt vorkommen: Das engagierte, eingespielte Team altert, während die Herausforderungen um das Unternehmen herum rasant in die Höhe wachsen. Der Unternehmenschef arbeitet ohnehin schon an der Belastbarkeitsgrenze und findet schier keine Zeit, die Zukunft seiner Verwaltung strategisch und in Ruhe zu überlegen. Der letzte Azubi hat nach einem halben Jahr das Handtuch geworfen – diese abendlichen Eigentümerversammlungen, die sich regelmäßig in die Länge zogen, haben ihm den Spaß an der Lehrstelle vermiest. Und je älter der Firmenchef wird, desto mehr dräut ihm, dass er eine stabile Lösung finden muss: Personalrekrutierung und –strategie sind zu Schlüsselfragen der Immobilienverwalterbranche geworden.

Die vielfältigen Möglichkeiten, die der Beruf bietet, zeigen eben auch eine Kehrseite: Gefragt sind Anwärter und erfahrene Mitarbeiter mit multiplen Kompetenzen. Sie sollen eigenständig Eigentümergemeinschaften betreuen und Eigentümerversammlungen durchführen können, die Automatisierung von Prozessen und Endprodukten verstehen und vorantreiben. Buchhalterisches Wissen trifft sich idealerweise mit kommunikativen Fähigkeiten – der Umgang mit Eigentümern, Mietern, Handwerkern und weiteren Dienstleistern bedarf des Fingerspitzengefühls. Gleichzeitig passen die wechselnden Arbeitszeiten inklusive Abendeinsätzen selten zu modernen Vorstellungen einer Work-Life-Balance. Nicht zuletzt deswegen setzt sich der BVI Bundesfachverband der Immobilienverwalter e.V. nachhaltig für die Möglichkeit virtueller Versammlungen ein, die eine persönliche Anwesenheit des Verwalters erübrigen.

Mittelständische Verwaltungen finden es zunehmend schwer, mit den Gehaltsvorstellungen von Bewerbern mitzuhalten. Der Tarifvertrag der Immobilienwirtschaft ist für die Branchenunternehmen nicht bindend. Schließlich schrecken die nach wie vor unzureichenden Qualifikationsnachweise Fachkräfte ab – ein Hindernis, auf das der BVI, wiederholt hingewiesen hat.

Ausbildung, Anwerben, Fortbildung

Personalrekrutierung bleibt folglich ein Dauerthema für die Branche. Der gangbarste Weg, Abhilfe zu schaffen, bleibt zunächst die Ausbildung: So werden neue Mitarbeiter vom ersten Tag an mit dem Unternehmen und seiner Kultur vertraut, sie wachsen in die Firma hinein. Nicht nur intern, sondern auch für die auf Vertrauen und Beständigkeit gründenden Kundenkontakte kann sich dieser Weg als wertvoll erweisen. Der BVI unterstützt seine Mitglieder dabei mit einem ganzen Bündel an Angeboten: Integriert in den rundum erneuerten Webauftritt informiert der Verband in einer auf die Zielgruppe abgestimmten Sprache, worum es beim Beruf des Immobilienverwalters geht, welche Potenziale er birgt und welche Voraussetzungen Interessenten mitbringen sollten. Hier finden sich auch Information zu Gehalt und Entwicklungsperspektiven. Flyer können Mitglieder über den Online-Shop bestellen und einen Imagefilm in ihr eigenes Web-Angebot einbetten.

Zur Gewinnung erfahrener Kräfte hat der BVI eine Partnerschaft mit dem EBZ Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Bochum geschlossen. Die Stellenplattform des EBZ hilft gezielt bei der Mitarbeitersuche, sie können sich dort kostenfrei registrieren und alle Dienstleistungen nutzen. Dieses Angebot ergänzt die BVI-eigene Stellen- und Ausbildungsplattform auf Facebook.

Das EBZ gibt zudem in Webinaren Tipps zur Personalakquise und zu erfolgreichen Bewerbungsgesprächen. Umfangreiche Skripte und weitere Unterlagen erweisen sich als wertvolle Erinnerungsstützen selbst bei knappen Ressourcen in einer Verwaltung. Dieser Zeiteinsatz zahlt sich schon insofern aus, als die Vorauswahl passender Bewerber und die optimale Gestaltung eines Auswahlprozesses enorm Ressourcen sparen. Gleiches gilt für die Auswahl von Auszubildenden. Auf Einsteiger auf dem Arbeitsmarkt kann sich ein wenig inspirierendes Umfeld fatal demotivierend auswirken, für an der Kapazitätsgrenze arbeitende Teams sich ein ungeeigneter Aspirant als zeit- und kostspielige Fehlinvestition erweisen.

Sowohl für Nachwuchskräfte als auch für Quereinsteiger bilden die zertifizierten Lehrgangsangebote der EBZ Akademie eine hervorragende Grundlage für die Aus- und Weiterbildung. Sie sind mit den Industrie- und Handelskammern abgestimmt.

Auch vor dem Hintergrund des nun gesetzlich geregelten Sachkundenachweises stellen Verwaltungen ihre Mitarbeiter somit auf ein solides Fundament – der BVI wird  hier nachhaltig auf ein weiteres Schärfen der Richtlinien dringen, mit denen der qualitativ anspruchsvollen Arbeit von Verwaltern stärker Rechnung getragen wird.

Gehaltsvorstellungen und –möglichkeiten bleiben ein Thema, das Kreise über reine Personalfragen zieht. Zweifelsohne erhöhen kompetente Mitarbeiter die Attraktivität eines Unternehmens, womit die Bereitschaft von Kunden steigt, Leistungen angemessen zu honorieren. Indes wird an der einen oder anderen Stelle auch Mut gefragt sein: Vor dem Ertrag kommt die Investition in die Mitarbeiter. Der BVI verweist in diesem Spannungsfeld auf die Möglichkeiten, Lohnkosten anders zu strukturieren und bei mehr Netto für Mitarbeiter zugleich Sozialabgaben für den Arbeitgeber zu sparen.  

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