Verbrauchstransparenz steigert Energieeffizienz

Drei Jahre lang untersuchte die Deutsche Energie-Agentur in einem Modellvorhaben, ob Mieter in Mehrfamilienhäusern Energie einsparen, wenn sie eine monatliche Verbrauchsinformation erhalten. Die Abschlussergebnisse zeigen: Die Teilnehmer konnten ihren Heizenergieverbrauch im Durchschnitt um 10 % senken und dadurch erheblich Heizkosten einsparen.

Mit dem Klimaschutzplan 2050 sind die Erwartungen an den Gebäudesektor in Bezug auf Energie- und CO2-Einsparungen nochmals deutlich gestiegen. Es bleibt die Frage, wie bezahlbares Wohnen mit den hohen energetischen Anforderungen an die Gebäude in Einklang gebracht werden kann. Eine wichtige Rolle spielen hierbei vor allem Einsparungen durch geringinvestive Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse des Modellvorhabens „Bewusst heizen, Kosten sparen“ aktueller denn je. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat das Modellvorhaben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mieterbund, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sowie dem Energiedienstleister ista in Berlin, München und Essen durchgeführt (Infokasten 1). Über drei Heizperioden hinweg wurde untersucht, welche Einspareffekte erzielt werden können, wenn Mieter in Mehrfamilienhäusern regelmäßig über ihren Verbrauch informiert werden, z.B. über ein Webportal, eine Smartphone App oder auch in Papierform. Darüber hinaus wurde die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme geprüft.

Nachhaltige Energieeinsparungen für informierte Mieter

Die Abschlussergebnisse des Modellvorhabens zeigen, dass sich mit der monatlichen Verbrauchsinformation nachhaltige und wirtschaftliche Einspareffekte erzielen lassen. So gelang den Projektteilnehmern (Infokasten 2) eine durchschnittliche Reduzierung ihres Heizenergieverbrauchs um zehn Prozentpunkte. Diese Einsparungen wurden bereits im ersten Jahr der Teilnahme erreicht und anschließend über die weiteren Heizperioden hinweg gehalten.

Ähnliches gilt für die nicht am Projekt teilnehmenden Nachbarn, die als „indirekt Beeinflusste“ bezeichnet werden. Auch der durchschnittliche Verbrauch dieser Gruppe verringerte sich um 8 %. Die Einsparungen wurden ebenfalls zum Großteil in der ersten Heizperiode des Modellvorhabens erreicht und anschließend sogar ausgebaut (Abb. 1). Ein Grund für diesen positiven Effekt ist laut dena, dass sich die Teilnehmer und ihre Nachbarn miteinander austauschen und dadurch auch die Mieter, die nicht direkt am Projekt teilnahmen, für ein bewussteres Verbrauchsverhalten sensibilisiert wurden.

In der Kontrollgruppe hingegen fiel der Energieverbrauch im Projektverlauf nur leicht, womit er exakt im Trend der Mehrfamilienhäuser in Deutschland liegt. Sowohl der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgegebene Wärmemonitor als auch das Statistische Bundesamt (Destatis) beobachteten generell einen auf niedrigem Niveau rückläufigen Wärmebedarf.

Unter dem Strich bleibt also festzuhalten: Mieter mit monatlichen Verbrauchsinformationen sparen deutlich mehr Energie ein. Mit regelmäßigen Informationen über den eigenen Verbrauch lassen sich erhebliche Einsparerfolge erzielen. Dabei sorgt die monatliche Verbrauchsinformation nicht für einmalige Effekte, sondern hat einen nachhaltig positiven Einfluss.

Spitzenreiter München und Sonderfall Essen

Gleichzeitig sind die Veränderungen beim Heizenergieverbrauch in den Modellregionen unterschiedlich stark ausgeprägt. Das beste Ergebnis erzielten die Teilnehmer in München mit Energieeinsparungen von durchschnittlich 23 %. Der Unterschied von den Teilnehmern zu den indirekt Beeinflussten (minus 10 %) ist hier weitaus größer als in den anderen Städten (Abb. 2). In den Berliner Mehrfamilienhäusern fielen die Einsparungen der Projektteilnehmer zwar nicht ganz so hoch aus, lagen mit 12 Prozentpunkten aber immer noch über dem Durchschnitt. Dabei konnte das Niveau aus dem ersten Jahr gehalten werden.

Dagegen verzeichneten die Teilnehmer in einer Essener Liegenschaft höhere Energieverbräuche als vor Beginn des Modellvorhabens. Dieses stark gegen den Trend laufende Ergebnis könnte, wie eine Mieterbefragung ergab, darauf zurückgeführt werden, dass die Bewohner der Essener Mehrfamilienhäuser im Durchschnitt deutlich älter sind und dadurch wesentlich mehr Zeit zuhause verbringen als die Mieter in München, die mehrheitlich im berufstätigen Alter sind. Ebenso zeigte sich, dass den Essener Mieterhaushalten nach Abzug der regelmäßigen Fixkosten monatlich deutlich mehr Geld zur Verfügung steht als anderen Mietern, was den finanziellen Druck, bei den Wärmekosten aktiv Kosten zu sparen, möglicherweise senkt.

Dennoch lässt sich insgesamt feststellen: Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer in den Modellregionen verzeichnet einen deutlich niedrigeren Heizenergieverbrauch. In manchen Fällen liegen die Einsparungen durch die monatliche Verbrauchsinformation sogar weit über dem Durchschnittswert von 10 %.

Hohe Zufriedenheit und Akzeptanz

Angesichts der erzielten Einspareffekte überrascht es kaum, dass die Projektteilnehmer regelmäßige Informationen zum Heizenergieverbrauch grundsätzlich begrüßen. So lag die Zustimmungsquote für die Maßnahme bei den im Rahmen des Modellvorhabens durchgeführten, jährlichen Befragungen stets bei über 75 % (Abb. 3). 90 % der Teilnehmer würden Freunden oder Kollegen die Nutzung der Verbrauchsinformation empfehlen.

Fast drei Viertel der teilnehmenden Mieterhaushalte gaben zudem an, seit dem Projektstart bewusster mit Heizenergie umzugehen. Dementsprechend möchten über 80 % der Befragten ihre Verbrauchsdaten zumindest vierteljährlich einsehen können. Mehr als die Hälfte spricht sich sogar für monatliche Informationen aus. Diese Zahlen verdeutlichen den Wunsch der Teilnehmer nach mehr Verbrauchs- und Kostenkontrolle sowie die Bereitschaft, durch die Anpassung des eigenen Nutzerverhaltens Energie sparen zu wollen.

Wichtig ist den Teilnehmern aber auch die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme. Laut der Befragungsergebnisse würden etwa 80 % von ihnen die Kosten für ein Energiedatenmanagement übernehmen, sofern die Heizkostenersparnis höher ist. Immerhin mehr als die Hälfte wäre dazu noch bereit, wenn die Maßnahme lediglich finanziell neutral wäre (Abb. 4). Angesichts der im Rahmen des Projekts erzielten Kosteneinsparungen kann man also von einer hohen Akzeptanz für die regelmäßige Verbrauchsinformation ausgehen.

Mieter profitieren von

Kosteneinsparungen

Im Modellvorhaben nutzen die Teilnehmer die monatliche Verbrauchsinformation kostenlos. Die jährlichen Einsparungen beliefen sich pro Haushalt auf durchschnittlich 66 €. Außerhalb des Modellvorhabens wären für die monatliche Verbrauchsinformation die Aufwendungen für die etwaige Umstellung der Messtechnik sowie das Energiedatenmanagement zu berücksichtigen. Hierfür rechnet der Energiedienstleister ista mit Kosten von circa 21 € pro Wohnung und Jahr, sofern in dem jeweiligen Gebäude die erforderliche funkfähige Messtechnik bereits vorhanden ist. In etwa 50 % der Liegenschaften in Deutschland ist dies der Fall. Ist die Aufrüstung elektronischer Heizkostenverteiler oder die Umrüstung klassischer Verdunster notwendig, liegen die jährlichen Kosten bei circa 27 €.

Dementsprechend würden die Projektteilnehmer selbst nach Abzug dieser Beträge im Durchschnitt noch Einsparungen von 39 bis 45 € pro Jahr verzeichnen. Dies bedeutet für Mieterhaushalte zugleich, dass sich die Maßnahme bereits bei einer geringen Reduzierung des Wärmeverbrauchs lohnt. Je nach vorhandener Technik zur Verbrauchserfassung liegt die Rentabilitätsschwelle bei Einsparungen von lediglich 3 bis 4 % (Abb. 5). Ausgehend von den durchschnittlichen Energieeinsparungen in Höhe von 10 % wäre die monatliche Verbrauchsinformation damit für den überwiegenden Teil der Projektteilnehmer wirtschaftlich.

Fazit

Über den gesamten Zeitraum von drei Jahren konnte das Modellvorhaben „Bewusst heizen, Kosten sparen“ nachweisen, dass Mieter mit einer monatlichen Verbrauchsinformation deutliche Einsparerfolge beim Wärmeverbrauch erzielen und diese auch halten können. Je nach vorhandener Messtechnik in dem jeweiligen Mehrfamilienhaus beträgt die mögliche Kosteneinsparung dabei im maximalen Durchschnitt bezogen auf die Studie 45 € pro Jahr.

Der finanzielle Vorteil war für die Projektteilnehmer allerdings nicht allein ausschlaggebend. Vielmehr hat die Untersuchung gezeigt, dass die mit der Maßnahme verbundene Verbrauchs- und Kostenkontrolle den Bewohnern ebenfalls sehr wichtig ist.

Ganz grundsätzlich gilt: Die unterjährige Verbrauchsinformation kann einen erheblichen Beitrag zur Optimierung des Heizenergieverbrauchs in Mehrfamilienhäusern leisten. Deutliche Energieeinsparungen von durchschnittlich 10 % stehen hier vergleichsweise niedrigen Kosten sowie einem geringen Aufwand bei der Umsetzung ge­­genüber. Dies macht die monatliche Ver­­brauchsinformation zu einem optimalen Instrument für die Energiewende im Ge­­bäudesektor. 

Mit der monatlichen Verbrauchs-information lassen sich nachhaltige und wirtschaftliche Einspareffekte erzielen.

Infokasten 1: Modellvorhaben „Bewusst heizen, Kosten sparen“


Das von 2013 bis 2016 durchgeführte Modellvorhaben „Bewusst heizen, Kosten sparen“ bot Mietern in ausgewählten Liegenschaften in Berlin, Essen und München die Gelegenheit, monatlich aktualisierte Daten zum eigenen Heizenergieverbrauch zu erhalten.
Dazu setzten die Projektbeteiligten das von ista entwickelte Energiedatenmanagement ein, bei dem der erfasste Wärmeverbrauch per Funk an ein Rechenzentrum übermittelt wird. Über ein Webportal oder per Post erhalten die Mieter anschließend Einblick in ihre aktuellen Verbrauchsdaten. Diese können sie mit denen des Vormonats, Vorjahres oder denen einer Durchschnittswohnung desselben Hauses vergleichen und ihr Heizverhalten dementsprechend anpassen.
Die in den Heizperioden 2013/14, 2014/15 sowie 2015/16 gewonnenen Daten wertete die dena laufend aus. Dabei wurden eine Flächen- sowie eine auf das zehnjährige Mittel (2007 bis 2016) bezogene Klimabereinigung gemäß VDI 3807 durchgeführt.

Infokasten 2: Die Mietergruppen des Modellvorhabens


Teilnehmer (TN): Diese 189 Mieter erhielten monatliche Informationen zu ihrem Heizenergieverbrauch und den damit verbundenen Kosten. Über die gesamte Projektlaufzeit hatten insgesamt 220 Mieter teilgenommen, dieser Wert verringerte sich jedoch durch Auszüge.
Indirekt Beeinflusste (IB): Hierbei handelt es sich um die nicht am Modellvorhaben teilnehmenden Mieter in den acht Liegenschaften (insgesamt 736). Obwohl diese nach wie vor lediglich ihre jährliche Heizkostenabrechnung erhalten, dürften sie als Nachbarn der Projektteilnehmer für das bewusste Heizen sensibilisiert worden sein und sind daher als Kontrollgruppe ungeeignet.
Kontrollgruppe (KG): Die Kontrollgruppe wurde aus über 1.100 Liegenschaften mit insgesamt fast 5.000 Wohneinheiten in ganz Deutschland gebildet, die sich in einem energetisch vergleichbaren Zustand befinden. Die Bewohner wurden nicht angesprochen und erhalten keine unterjährigen Informationen zum Heizenergieverbrauch.