Glasfaser in jede Wohnung

Glasfaserkabel bis in jede Wohnung zu verlegen, stellt eine deutliche Aufwertung der Immobilie dar. Dennoch reagieren viele Wohnungsbaugesellschaften beim Netzausbau bislang eher zögerlich.

Wer Neubauten plant oder Bestandsobjekte renoviert, muss langfristig denken. Um die Wertschöpfung sicherzustellen gilt es, Veränderungen der Mobilität ins Auge zu fassen, die demographische Entwicklung zu reflektieren und auch den Klimawandel zu bedenken. Einfacher ist es dagegen schon, sich die Zukunft unserer Datennetze auszumalen: die Digitalisierung unseres Lebens schreitet rasant voran. Mit einem Glasfaser-Anschluss bis in jede Wohnung bleiben Gebäude jahrzehntelang attraktiv.

Ohne digitale Technologie ist unser Leben kaum noch vorstellbar. Wir nutzen Suchmaschinen, Informationsportale und soziale Netzwerke, shoppen im Internet, erledigen Bankgeschäfte digital. Ob zuhause oder unterwegs: immer mehr Menschen sind online – nicht wenige sogar rund um die Uhr. Und über uns schwebt eine „Cloud“ mit Terminkalendern, Adressbüchern, Songs, Filmen und weiteren Daten, die sich von Smartphones, Tablets, Laptops und anderen Endgeräten abrufen lassen.

Schon jetzt ist es ziemlich eng in so manchen Datenleitungen. Kein Wunder, denn der durchschnittliche Breitbandbedarf hat sich allein in den letzten fünf Jahren um das Dreifache erhöht. Und das Wachstum wird sich beschleunigen, wie dieses Beispiel zeigt: Obwohl viele TV-Geräte bereits internettauglich sind, nutzen erst rund 5% der Haushalte Internet-TV. Um neue Kapazität im derzeitigen Netz zu gewinnen, hat der führende deutsche Kabelnetzbetreiber Unitymedia kürzlich beschlossen, das Analog-TV 2017 abzuschalten. Diese Maßnahme dürfte allerdings schneller als erwünscht verpuffen, weil Bewegtbilder in immer höherer Auflösung, eine höhere Anzahl von Geräten und die längere Nutzungsdauer die Entwicklung dynamisch vorantreiben. Um zukünftige Bandbreiten zu bewältigen und ein sicheres, stabiles und leistungsfähiges Netz zu garantieren, hilft nur eins: die flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur.

Leider ist Deutschland in Sachen schnelle Datenleitung und Highspeed-Internet noch ein Entwicklungsland. Jeder weiß, dass die Kapazitätsreserven der alten Kupferleitungen in wenigen Jahren erschöpft sein werden und trotzdem hat bislang erst ein Prozent der Haushalte einen Glasfaser-Anschluss. Im internationalen Vergleich liegen wir damit weit abgeschlagen hinter Nationen wie Vietnam und Ecuador. Beim Breitbandausbau ist also noch einiges zu tun.

Mittlerweile plant die Bundesregierung, bundesweit Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis 2018 zu realisieren. Die Wirtschaft freut sich über dieses Signal und erhöht das Ausbautempo. Unternehmen wie die Stadtwerke München und ihre Tochter, der Telekommunikationsanbieter M-net, statten Städte und Landkreise mit Glasfaser aus. Die Innenstadt der bayerischen Landeshauptstadt ist bereits komplett versorgt. Bis 2021 werden 70% der Münchner ans Glasfaser-Netz angeschlossen sein. Dem Investor, Bauträger oder Eigentümer einer Immobilie fällt die Aufgabe zu, überall dort, wo Glasfaser verfügbar ist, den Weg zum Endverbraucher zu definieren. Infrage kommen drei Anschlusstechniken: Glasfaser bis zum Randstein (FttC genannt), Glasfaser bis in das Gebäude (FttB) oder Glasfaser bis in der Wohnung (FttH). Uneingeschränkt empfehlenswert und auf längste Sicht zukunftstauglich ist die FttH-Variante, weil sie auf Kupferleitungen verzichtet.

Auf Basis einer FttH-Infrastruktur können Unternehmen wie M-net schon Surfgeschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s anbieten, also wirkliches Highspeed-Internet. Das mag im ersten Moment nach Luxus klingen. Aber mit Weitsicht und unter Berücksichtigung zukünftiger Anforderungen gesehen ersparen schnellere Geschwindigkeiten Umrüstungen nach gar nicht allzu langer Zeit. Michael Fränkle, Mitglied der Geschäftsführung von M-net, erläutert: „In nur wenigen Jahren werden Privathaushalte Internetanschlüsse mit 100 Mbit/s und mehr benötigen – vor allem solche, in denen mehrere Personen leben.“

Die baulichen Maßnahmen für FttH sind übrigens gar nicht kompliziert. Bei Neubauten werden die Glasfaserleitungen in Sternstruktur vom Keller aus bis in jede Wohnung verlegt. Auch die Modernisierung ist kein großer Akt: Durch den mit 4 mm kleinen Kabeldurchmesser lässt sich Glasfaser einfach in den bestehenden Leerrohren verlegen. Sie bringt zudem zwei weitere Vorteile mit sich: Durch redundante Anbindung wird höchste Ausfallsicherheit garantiert. Und weil ausschließlich Lichtwellen transportiert werden, werden Störstrahlung und Elektrosmog auf ein Minimum reduziert. Wer einmal ans Glasfaser-Netz angeschlossen ist, wird auf Jahrzehnte hin optimal versorgt sein: Durch die Übertragung von Licht sind aus heutiger Sicht noch keine Grenzen bei der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit der Glasfaser erkennbar.

Mit einem Glasfaser-Anschluss bis in jede Wohnung bleiben Gebäude jahrzehntelang attraktiv.