Nachgefragt

BBB-Exklusiv: „Ein Gesetz sollte uns das Ziel vorgeben, nicht aber den Weg“

Zwei Themen prägen aktuell die Arbeit des BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen: Digitalisierung und Trends für die mittelständische Immobilienbranche. Über die damit verbundenen Ziele sprach Jola Horschig, Redakteurin des BundesBauBlattes, mit Andreas Ibel, Präsident des BFW.

Herr Ibel, der BFW hat im März eine Veranstaltung mit dem Titel BFW 4.0 durchgeführt. Was ist in der Wohnungswirtschaft unter dem Begriff 4.0 zu verstehen?

Die Bedeutung des Begriffs ist in der Wohnungswirtschaft letztlich die gleiche wie in der Industrie: Auch in der Immobilienwirtschaft greift eine Prozesskette ineinander und spiegelt so eine digitale Wertschöpfungskette wider. Im BFW lautet diese „Entwickeln, bauen und erhalten“. Wir müssen die Digitalisierung also entlang der gesamten Wertschöpfungskette denken und umsetzen.

Deshalb haben wir mit unserem neuen Veranstaltungsformat eine Plattform etabliert, auf der wir die verschiedenen Akteure zusammenbringen, damit sie sich austauschen und voneinander lernen können.

Wie geht die Wohnungswirtschaft mit dem Thema Vernetzung um?

Vernetzung umfasst bei der Wohnungswirtschaft unserer Meinung nach drei zentrale Aspekte: die unternehmensinterne Vernetzung, die Vernetzung innerhalb eines Hauses und dann die Vernetzung beim Bauen.

In den Unternehmen werden Mitarbeiter, Arbeitsplätze und Assistenzsysteme miteinander vernetzt. In den Häusern geht es um die Technische Gebäudeausrüstung einschließlich der Dienstleistungen, wie etwa das Ablesen des Heizungsverbrauchs und das Abrechnen der Betriebskosten. Beim Planen und Bauen läuft die Vernetzung unter dem Begriff „Building Information Modeling“, kurz BIM. Nach der Bauplanung und dem Bau können die Daten dann für den Betrieb des Gebäudes genutzt werden.

Dazu kommt dann natürlich noch die Vernetzung der Unternehmen mit den Mietern über Internetportale. Und die Anbindung zu anderen Branchen, die eine Schnittstelle zum Gebäude oder zum Quartier haben.

Welche Anforderungen sind aus Ihrer Sicht technisch und personell zu berücksichtigen?

Die Technologien sind ja größtenteils noch in der Entwicklung. Um die Potentiale wirklich umfassend nutzen zu können, müssen entsprechende rechtliche und politische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Da ist der Staat gefragt. Allem voran muss die Frage geklärt werden: Wem gehören die Daten und wer sorgt für den Datenschutz? Hinzu kommt, dass die Immobilienwirtschaft  – anders als die Industrie – so viele unterschiedliche Nutzer hat.

Was auch geklärt werden muss: Wie können die unterschiedlichen Datenstrukturen der Unternehmen zusammengeführt werden? Und wie schaffe ich es, Systeme zu installieren, die alle Mitarbeiter nutzen können? Hier müssen wir Unternehmer dafür sorgen, dass sich unsere Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung weiterbilden.

Wie weit ist die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft aus Ihrer Sicht schon fortgeschritten?

Das ist wie in allen anderen Branchen auch: In einigen wenigen Unternehmen ist die Digitalisierung und Vernetzung schon sehr weit fortgeschritten, in anderen noch in den Kinderschuhen. Das hängt natürlich auch von der Größe eines Unternehmens ab. Je größer es ist, desto eher investiert es, um die Abläufe transparenter und berechenbarer zu machen. Junge Unternehmen können mit diesem Thema oft viel offener und flexibler umgehen als Unternehmen mit einer langen Tradition.

Am wichtigsten ist es auf jeden Fall, dass unsere Unternehmen die Herausforderungen auch als Chancen verstehen, und nicht nur als Kostentreiber. Das kenne ich auch von mir selbst!

Am 17. Mai findet in Berlin der BFW - Deutsche Immobilien Kongress statt. Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?

Auf dem Kongress werden wir die Themen, die wir mit dem BFW-Digitalisierungsforum 4.0 gesetzt haben, aufgreifen und fortsetzen. Die Digitalisierung wird zum Beispiel eines von fünf Schwerpunkthemen unserer neuen Prognos-Studie „Innovativer Mittelstand 2025“ sein, die wir dort präsentieren. Darin analysieren wir Trends und Entwicklungen, die für die mittelständische Immobilienbranche von zentraler Bedeutung sind.

Außerdem planen wir die Gründung eines Digitalisierungsbeirates, um das Know-how der wichtigsten Schnittstellen-Branchen zu bündeln. Das ist umso wichtiger, weil die Immobilienbranche mit unterschiedlichen Branchen zusammenarbeitet und deshalb von so vielen externen Faktoren abhängig ist.

Der Kongress steht unter dem Motto „Innovativer Mittelstand 2025“. Auf welche Inhalte und Vorträge dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Da komme ich noch einmal auf die eben genannte Studie zu sprechen: Deren Vorläufer wurde im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführt und für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland erstellt. Die Wohnungswirtschaft wurde hier aber nicht wahrgenommen.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, eingeladen, und die Prognos AG gebeten, die Inhalte der Studie aus der Sicht der Immobilien- und Wohnungswirtschaft zu ergänzen. Wir wollen damit den Fokus der Politik für die Immobilienbranche stärken und bessere Rahmenbedingungen einfordern. Allem voran braucht die Immobilienwirtschaft Handlungsräume, um wieder innovativer sein zu können. Wenn ich vorschreibe, wie dick die Dämmung zu sein hat, dann bleibt wenig Spielraum für Innovationen. Ein Gesetz sollte uns das Ziel vorgeben, nicht auch noch den Weg dahin!

Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Neben verbesserten Rahmenbedingungen für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft wollen wir eine positivere Akzeptanz für das, was wir machen. Wir sind uns alle einig, dass wir den CO2-Ausstoß reduzieren wollen und müssen. Dabei ist völlig irrelevant, ob ich unsere Neubauten da noch ein bisschen mehr dämme oder noch energieeffizienter baue. Die Energiewende kann nur über den Bestand erfolgreich umgesetzt werden. Dazu brauchen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen und Freiraum für Kreativität

Herzlichen Dank für das Gespräch.