Wohnungsbau

Bauqualität – mit Brief und Siegel

In Göttingen entstanden und entstehen auf dem Brauweg-Carrée, einem ehemaligen Brauereigelände, Wohnprojekte mit besonderen Kennzeichen: hochwertige energiesparende Bauausführung, der Einsatz wohngesunder Baustoffe im Innenraum und Baubegleitung durch den TÜV.

Die Planung der Wohngebäude erfolgte durch die Kasseler Architekturbüros Bankert, Linker und Hupfeld sowie foundation 5+. Als Generalunternehmer fungierte die Complex Bau GmbH, Heiligenstadt. Geschäftsführer Helmut Häger und sein Sohn Alexander haben sich mit ihrem 1993 gegründeten Unternehmen auf das schlüsselfertige Erstellen von Neubauten spezialisiert. Zusätzlich umfasst ihr Leistungsspektrum klassische Hochbauleistungen, wie Maurer- und Betonarbeiten, Abdichtungen, Innenputzarbeiten und die Ausführung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS).

Qualitätskonzept als Basis für Regelbauweise

In der Region um die niedersächsische Hochschulstadt hat Complex Bau in der Vergangenheit bereits einige Projekte mit der Tetraeder Immobilien GmbH, einem ortsansässigen Investor und Immobilienvermarkter, verwirklicht. „Der Erstkontakt zu Tetraeder erfolgte im Sommer 2008 im Zuge von Angebotsgesprächen für ein Studentenwohnheim in Göttingen, das nach kurzer Bauzeit im Winter Anfang 2009 bezogen werden sollte“, berichtet Helmut Häger. „Geplant waren dieses Bauvorhaben und ein gleichgroßes Folgeprojekt in preisbewusster Bauweise.“ Der erfahrene Fachunternehmer nutzte die folgenden Gespräche, um bei der so vorgesehenen Ausführung auf die Herausforderung hinzuweisen, insbesondere Schimmelbildung, im Zusammenhang mit vorzeitigem Bezug bei noch hoher Baufeuchte im Gebäude zu vermeiden. Diese Hinweise wurden ergänzt durch die Präsentation des Gesamtkonzeptes für schlüsselfertiges Bauen der Complex Bau. Es basiert auf mehreren Säulen:

– externe Qualitätssicherung durch den TÜV-Nord Bauqualität,
– Effizienzhausbau nach KfW-Standard,
– ökologische Heizsysteme insbesondere Wärmepumpe mit Erdwärmetiefenbohrung,
– mineralische Wandsysteme vom Innenputz als Rotkalkputz über die gemauerten Wände bis zum WDVS.

Alexander Häger: „Wir haben zunächst die Vorteile einer solch qualitativ hochwertigen Bauweise erläutert. Dadurch sinken die Gefahren von Bauschäden bei schnellem Bezug deutlich. Außerdem ergeben sich finanzielle Vorteile etwa bei den Heizkosten, ein niedrigerer Kapitaldienst durch KfW-Darlehen und nicht zuletzt ein höherer Mietpreis. Der Bauherr führte anschließend auch Gespräche mit unseren Kunden und besichtigte deren Objekte. Das alles hat schließlich überzeugt. Die gemeinsamen Bauvorhaben von Tetraeder und unserem Unternehmen werden seitdem nach den genannten Qualitätsmaßstäben ausgeführt.“

Zur Bebauung des Brauweg-Carrées gehören zwei Stadtvillen. Dabei handelt es sich um dreigeschossige Mehrfamilienhäuser, untergliedert in jeweils zwei massive Baukörper mit einem Zwischentrakt. In der Objektbeschreibung der Architekten Bankert, Linker und Hupfeld heißt es: „Während ein Gebäudeteil als Staffelgeschoss ausgebildet ist, dient die Dachfläche des niedrigeren Gebäudeteils als Dachterrasse. Insgesamt sind 19 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 60 bis 140 m² in den beiden Gebäuden untergebracht. Durch das besondere Haus- und Wohnkonzept wurden unterschiedliche Grundrisse ermöglicht. Die Gebäude sind mit Erdwärmeanlage und Niedrigenergiestandard KfW 70 konzipiert.“

Ein ebenfalls zur Neubebauung gehörendes fünfstöckiges Appartementhaus beherbergt 40 Wohnungen zwischen 55 und 100 m² Größe, alle mit Balkon oder Terrasse ausgestattet und ebenfalls mit einer Erdwärmeanlage beheizt. In weiteren Gebäuden auf dem Gelände sollen bis 2016 weitere Wohnungen im selben Standard entstehen.

Rotkalk als langzeitbewährtes System

Zu diesem Standard zählt auch wesentlich der Einsatz wohngesunder Baustoffe wie Rotkalk. „Dieses Material vereint aus unserer Sicht verschiedene Vorteile, weshalb wir es fast bei allen unseren Objekten einsetzen. Rotkalkputz ist ideal bei kurzen Bauzeiten – wie in Göttingen, denn damit lässt sich das Schimmelrisiko durch hohe Feuchteanteile im Bau nahezu ausschließen. Gleichzeitig schaffen wir ein gesundes Raumklima, was im Zuge der wachsenden Allergiker-Zahlen immer wichtiger wird – auch als Argument für Vermietung oder Verkauf einer Wohnung. Und nicht zuletzt entsteht mit diesem Material einfach auch eine optisch ansprechende und hochwertige Oberfläche“, erläutert Helmut Häger.

Bei den Tetraeder-Objekten war absehbar, dass durch die kurze Bauzeit von nur acht Monaten noch eine sehr hohe Feuchtigkeit im Gebäude zurückbleiben würde, Fertigstellung und Bezug standen dazu noch im Winter an. Das Risiko eines Feuchteaustritts durch die Kalksandsteinwände ins Wärmedämm-Verbundsystem ließ sich mit dem Einsatz von Rotkalkputz minimieren.

In den beiden Göttinger Wohnprojekten wurden insgesamt rund 7.000 m² Wandflächen mit folgenden Produkten aus dem Rotkalk System versehen: Rotkalk Grund, Filz 1 bzw. 0.5 und Rotkalk fein für den Oberputz. Bei den Decken entschieden sich die Verantwortlichen für Knauf Diamant Spritzputz. Alexander Häger: „Dieses Material verwenden wir einerseits aufgrund seiner einfachen Verarbeitbarkeit, andererseits weil sich damit ein homogenes Erscheinungsbild zu den mit Rotkalk Filz 1 beziehungsweise 0,5 gestalteten Wänden erzielen lässt.“

Im ersten Arbeitsschritt wurden die Wände mit Rotkalk Grund versehen, anschließend der Diamant Spritzputz auf die vorbereiteten Deckenflächen verteilt. Erst dann wurde der jeweilige Rotkalk-Oberputz auf die Wänden aufgetragen. Die ausführenden Fachunternehmer nutzten für die beiden Großobjekte natürlich Maschinen, um die körperliche Belastung der Mitarbeiter zu reduzieren und gleichzeitig die Arbeitsproduktivität zu steigern.

Energieeffizienz und Brandschutz an der Fassade

Zum Auftragsvolumen für die Complex Bau GmbH gehörte auch die Montage eines Wärmedämm-Verbundsystems an beiden Objekten. Die konsequent energieeffiziente Bauweise nach KfW-Standard gehört zum Grundkonzept aller neu entstehenden Complex Bau Projekte. Bei der Realisierung der beiden Tetraeder-Objekte setzten die Heiligenstädter auf die vielfach bewährte Kombination aus Kalksandstein als Wandbildner und WDVS für den Wärmeschutz. „Unsere Erfahrungen mit diesen Systemen sind eindeutig positiv. Wir haben in den letzten 15 Jahren verschiedenste Neubauten nach den jeweils geltenden KfW- und EnEV-Standards errichtet und dabei regelmäßig WDVS eingesetzt. Es gab stets zufriedene Kunden und nie ein ernsthaftes Problem“, erläutert Alexander Häger.

Zum Einsatz kamen in Göttingen die Warm-Wand-Systeme von Knauf, so dass sich bei den Stadtvillen jeweils folgende Wandaufbauten von innen nach außen ergeben:

– 1,5 – 2 cm Rotkalk Grund und Filz 1 beziehungsweise 0,5
– 17,5 cm Kalksandstein Mauerwerk, Planstein
– 17,5 – 18 cm WDVS, inklusive Brandriegel Mineralwolle (16 cm EPS WLG 0,35 geklebt und gedübelt, Armierung mit Gewebe, Armiermörtel Lustro beziehungsweise Klebe- & Armiermörtel SM700 PRO, Quarzgrund, Oberputz Addi S, Farbanstrich).

Das Appartementhaus wurde mit folgendem Wandaufbau realisiert (von innen nach außen):

– 1,5 – 2 cm Rotkalk Grund und Filz 1 beziehungsweise 0,5,
– 17,5 cm Kalksandstein Mauerwerk, Planstein,
– 17,5 – 18 cm WDVS (16 cm Mineralwolle WLG 0,35 geklebt und gedübelt, Armierung mit Gewebe, Armiermörtel Lustro beziehungsweise Klebe- und Armiermörtel SM700 PRO, Quarzgrund, Oberputz Addi S, Farbanstrich).

Beim Fassadenaufbau am Appartementhaus waren vom Fachunternehmer gestalterische Ideen gefragt. Alexander Häger: „Wir hatten es mit großen Flächen, zahlreichen Vor- und Rücksprüngen zu tun. Die Südseite des Gebäudes hat einen Glasanteil von rund 80%, das bedeutet sehr kleinteilige WDVS-Flächen und eine entsprechend detailgenaue Montage.“ Gerade hier zeigten sich die Vorteile der im Warm-Wand-System genau aufeinander abgestimmten Komponenten beim Verkleben und Verdübeln der Mineralwolle-Dämmplatten. Nach Anbringen des Oberputzes ging es mit der Auswahl des Farbanstriches noch einmal um das Thema Optik: „Wir haben auch am Farbkonzept des Gebäudes mitgewirkt und Ideen umgesetzt, etwa an Teilflächen des zurückgesetzten Dachgeschosses“, erklärt Alexander Häger.

Qualitätssicherung durch den TÜV – ein Erfolgsfaktor

Complex Bau hat sich Qualität, Innovation und optimales Preis-/Leistungsverhältnis auf die Fahne geschrieben. Kernpunkt des Qualitätskonzeptes ist die Zusammen­­ar­­beit mit dem TÜV Nord. Alexander Hä­­­ger: „Die kontinuierliche Begleitung des Bauvorhabens durch den TÜV sichert ein Höchstmaß an Qualität in der Bauausführung. Festgestellte Mängel oder Hinweise werden dokumentiert und sofort abgestellt. Zusätzlich ist eine Dokumentation der Abarbeitung dieser Punkte notwendig, um die TÜV-Zertifizierung zu erhalten.“ Im Prinzip gilt bei der Ausführung ein „Mehr-Augen-Prinzip“: es umfasst die ständige Kontrolle der ausgeführten Arbeiten durch die eigene Bauleitung, die Überprüfung und Abnahme auch von Teilleistungen und Teilabschnitten durch Architekten, Fachplaner und Bauleitung (unter Teilnahme der Bauherrn), Abnahmen und Kontrollen durch Statiker, Prüfstatiker, Fachberater (zum Beispiel auch von Lieferanten wie Knauf) und schließlich bis zu acht Inspektionen durch den TÜV-Nord (Abteilung Bauqualität, Au­­ßenstelle Hannover) zur Qualitätssicherung.

Nach Fertigstellung, Endabnahme und Dokumentation der Mängelbeseitigung erhält das jeweilige Bauvorhaben vom TÜV-Nord eine Zertifizierungsurkunde. Das Procedere lohnt sich für alle Beteiligten, auch für den Fachunternehmer. „Aufgrund dieser Arbeitsweise und Qualitätsüberwachung gab es bisher noch keine nennenswerten Gewährleistungsforderungen“, so Helmut Häger. Und sein Sohn Alexander nennt noch einen wichtigen Vorteil für die Akquise: „Die Bauüberwachung ist für uns als Firma ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz. In Zeiten von ‚Pfusch am Bau‘ setzen wir diesen Vorteil bewusst ein, wenn es um neue Aufträge geht.“

Die Bebauung des Brauweg-Carrées ist mit Fertigstellung der Stadtvillen und des Appartementhauses noch längst nicht abgeschlossen. Zum Frühherbst 2015 ist die Fertigstellung weiterer 41 Einheiten vorgesehen. Die Vervollständigung des Areals erfolgt mit dem Bauabschluss voraussichtlich im Frühjahr 2016 mit dem Gebäudekomplex C, der 18 Wohneinheiten für die Vermietung offeriert.

x

Thematisch passende Artikel:

TÜV Rheinland Akademie: Experten contra Schimmelpilz am Bau

Wenn sich grüne oder schwarze Flecken an der Wand oder am Fensterrahmen breit machen, sind Mieter wie Eigentümer alarmiert. Denn Schimmelpilzbefall setzt enorme Prozesse in Gang: Von Gutachtern,...

mehr
Ausgabe 09/2014 VHD: Komponenten – Mix verstößt gegen das Baurecht

WDVS immer zulassungskonform montieren

Die neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) bringt für Neubauten eine erhebliche Verschärfung der gesetzlichen Anforderungen mit sich: Spätestens ab 2016 muss der maximal zulässige...

mehr
Ausgabe 10/2015 Bauen im Bestand

WDVS nachhaltig sanieren

Maßnahmen zur Dämmung von Fassaden sind ein wesentlicher Baustein der Bundesregierung, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Häufige Maßnahmen sind dabei Wärmedämmverbundsysteme...

mehr

Sentinel Haus Institut und TÜV Rheinland starten strengste Zertifizierung geprüft gesunder Wohnbauprojekte in Europa

Die Kooperation des TÜV Rheinland (www.tuv.com) und den Experten des Sentinel Haus Instituts (www.sentinel-haus.eu) ermöglicht, wie es heißt, eine international einzigartige Qualitätssicherung...

mehr